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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-01 · Heft 45 (1.11.1864) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 45 (1.11.1864)
Date
1864-11-01
Page
Seite 702 (sequence 8)
Language
German
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702 Hannover, 20. Oktober. tPrivatmitth.)*) Früher als man gewünscht hatte, wurde der neue Friedhof der hiesigen Synagogen-Gemeinde, in Veranlassung des ersten Todesfalles nach dem Neujahrsfeste im Schoße der Gemeinde, schon gestern eingeweiht. Nachdem der Leichenzug vom Trauerhause ans auf dem Friedhofe angelangt war, wurde die Leiche in das neuerbaute Leichenhaus gebracht, woraus sich das aus fast sämmtlichen Gemeindemitgliedern und sehr vielen Christen bestehende Gefolge an die Stelle des ersten Grabes begab, an welcher Herr Landrabbiner Dr. Meyer eine kurze Rede hielt, in welcher er den Gefühlen, von denen die Anwesenden in dem Augenblicke, wo man im Begriff war, die Stätte zum erstenmale ihrer traurigen Bestimmung gemäß zu verwenden, erfüllt waren, einen entsprechenden Ausdruck gab und daran den Wunsch knüpfte, daß den hier von des Lebens Mühen Ausruhenden die Erde leicht sein und der Friede in Gott zu Theil werden möge für Zeit und Ewigkeit. Hierauf wurde der erste Spatenstich gethan und nachdem das Grab, bei dessen Anfertigung sich vorzugsweise die liolianim betheiligt hatten, vollendet und die in feierlichem Zuge abgeholte Leiche eingesenkt war, vereinigte sich die Versammlung in der von dem Architekten Oppler mit großer Kunstfertigkeit erbauten Predigthalle, woselbst der Landrabbiner die mit allgemeinem Beifalle aufgenommene Einweihungsrede hielt. Nicht dem Ernste allein, meinte der Redner, dürfen wir uns in diesem Augenblicke überlassen, wie sehr auch der Ort, an dem wir uns befinden, und die Gedanken, denen wir uns bei der Liebespflicht, die wir soeben geübt, so leicht hingeben, dazu mahnen möchten, sondern auch den Gefühlen der Freude und des Dankes, und zwar nicht allein in Berücksichtigung des Festes, das wir gerade feiern, sondern auch im Hinblicke auf die Vergangenheit und die Gegenwart. Wie sollte auch eine Vergleichung mit dem Sonst und Jetzt uns nicht zur Freude und zum Danke gegen Gott veranlassen, wenn wir bedenken, daß man sich ehedem kein Gewissen daraus machte, den Begräbnißplatz der Juden zu verletzen, und daß es, wie die Inschrift eines in der Mauer des alten Friedhofes befindlichen Steines bezeugt, eines besonderen landesfürstlichen Befehles *) In meiner jüngsten Correspondenz in Nr. 43 ist statt Prof. Berg — Prof. Lcvy aus Breslau, und statt Prof. Julius Oppert aus Paris — Iw. Guftav Oppert aus Hamburg zu lesen; auch ist der Name „Zenach" zu streichen. bedurfte, um zu verhüten, daß man jenen nicht ferner violire und lurbire,. während es jetzt, wo wir infolge der Gesittung unserer Zeit als gleichberechtigte Bürger des uns allen gleich theuern Vaterlandes betrachtet werden und im Stande sind, unseren Todten eine solche Ruhestätte zu widmen, gewiß niemandem, der auf den Namen eines Gebildeten Anspruch macht, in den Sinn kommen wird, sich einer solchen Verletzung schuldig zu machen, und vielmehr sicher ein jeder auch in diesem Friedhofe eine heilige, nur mit ehrfurchtsvoller Scheu zu betretende Stätte erkennt. Aber Freude rufe auch der Hinblick auf die Gegenwart insofern hervor, als diese davon Zeugniß gebe, wie die vielgerühmte und vielbewährte Opferfähigkeit in , Israels Mitte auch jetzt noch nicht abhanden gekommen sei und sich auch in Rücksicht auf diesen Friedhof aufs glänzendste kundgegeben habe, eine Opferfähigkeit, die um so anerkennuugswerther sei, als sie noch für die spätesten Geschlechter fruchtbringend sein werde, indem sie ihnen von dem Gemeinsinne ihrer Vorfahren den Beweis liefern und ihnen ein Sporn sein wird zu gleichem Thun und Schaffen. Alsdann zollte der Redner Herrn Oppler für den so herrlich von ihm ausgeführten Bau, wie allen denen, die an demselben mitgeholfen hatten, seinen Dank und mit dem Kadisch-@ebete schloß die erhebende Feier. Was nun unseren neuen Friedhof selbst betrifft, so wird ein jeder, der ihn sieht, bekennen, daß er zu den schönsten israelitischen Todtenstätten Deutschlands gehört und in Rücksicht auf Schönheit und zweckmäßige Anlage ohne Bedenken dem berliner an die Seite gestellt werden darf. Gleich diesem hat er die Gestalt eines Rechtecks, welches in der Mitte durch einen zu beiden Seiten mit Bäumen bepflanzten Gang in zwei Hälften getheilt ist, die ringsherum umgangen werden können. Eingeschlossen von einer die ganze Fläche umgebenden hohen Mauer, macht dieser Todtenacker, zu welchem man durch eine eiserne Pforte gelangt, schon beim Eintritte in denselben einen wahrhaft imponirenden Eindruck. Man erblickt sofort die in Gestalt eines langgedehnten Rechtecks äußerst geschmackvoll erbaute und mit bunten runden Fenstern versehene Predigthalle, auf deren Wänden zweimal das Gebet ibvs c-^n nebst freier metrischer Uebersetzung und verschiedene angemessene hebräische Sprüche zu lesen sind. Zu beiden Seiten dieser Halle gewahrt man zwei in symmetrischer Form aufgeführte Gebäude, von denen das eine als

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