Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1864)
- Date
- 1864-10-25
- Page
- Seite 689 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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689 Erfolg gekrönte Reise nach Marokko, die er zum Schutze der jüdischen und christlichen Unterthanen des Kaisers unternommen hatte, auszusprechen. Es wurde betont, daß Sir Moses Montefiore seine philantropischen Bestrebungen nicht enge auf seine israelitischen Glaubensgenossen beschränkt, sondern sie auf Hilfsbedürftige aller Bekenntnisse ausgedehnt habe. Der ehrwürdige Greis ist jetzt 80 Jahre alt. Im Jahre 1837 war er Sherif der Stadt London und ward von der Königin bei ihrem ersten Besuche in der City zum Ritter geschlagen. London, 7. October. Das „Jew. Cliron.“ berichtet: Die Erwählung des Lord Mayors für das kommende Jahr, welche wie gewöhnlich am Michaelsmas' tag stattfindet, erinnert uns daran, daß das nächste Jahr die Reihe an Herrn Alderman Phillips (Israelit) sein wird. Die Herren, welche von den Citymagnaten zur Wahl vorgeschlagen worden, waren die Aldermen Hale und Phillips, und gemäß der wohlbekannten und seit lange bestehenden Praktik wurde der elftere als ältestes Magistrats-Mitglied gewählt; und derselben Praktik zufolge wird natürlich der Alderman Phillips nächstes Jahr der älteste sein. London, 14. October. (Nach dem „Jew. Cliron.“) Der Rathssaal in Guildhall bot am Donnerstag den 6. October um Mittag einen Anblick dar, der von denjenigen, welche die Begünstigung hatten, ihn zu genießen, nicht so leicht vergessen werden wird. Dort saß die höchste Magistratsperson der größten, wohlhabendsten und einflußreichsten Stadt in der Welt; am Ende des Saales erhob sich die Gallerte, dicht besetzt mit einer sroherregten Menge, die gekommen war, um dem ausgezeichneten Menschenfreunde Ehre zu erweisen, dessen seltene Verdienste in dieser Stunde auf so ausgezeichnete Weise anerkannt werden sollten; vordem Lord-Mayor saßen die Mitglieder des Gemeinderathcs und andere mit dieser Körperschaft verknüpfte Herren; zu seiner Linken saßen die Gefährten des edlen Baronets auf seiner letzten merkwürdigen Reise und eine Anzahl anderer persönlicher Freunde und Bewunderer, während zu seiner Rechten die Aldermen und einige ausgezeichnete Gäste Platz genommen hatten. Die Augen aller hingen erwartungsvoll an der Thür, durch welche der verehrte Mann eintreten sollte. Zu der bestimmten Zeit trat unter den lauten Beifallsrufen der Versammlung, die sich von ihren Sitzen erhob, die stattliche Figur des edlen Menschenfreundes ein, begleitet von Herrn Alderman Phillips und Herrn Gemeinderath Elliot. Sir Moses durchschritt die Reihen, trat an des Lord-Mayors Stuhl und tauschte mit Seiner Lordschaft einen herzlichen Händedruck! Und wie strahlte jedes Antlitz die Gefühle tiefer Hochachtung und Bewunderung wieder, denen die herrliche Rede des Lord-Mayor Ausdruck verlieh! Sir Moses antwortete mit fast zitternder Stimme, die mit der Erregung kämpfte, und der ehrwürdige Achtzigjährige dankte für die ihm gewordene Ehre in den gerührtesten Worten, die zu jedermanns Herz gingen. Nachdem er dann noch mit seinen Freunden Begrüßungen getauscht, verließ der verehrte Mann in Begleitung der beiden früher erwähnten Herren unter abermaligen Beifallsrufen der Versammlung den Saal. Rußland. Aus Rußland, im October. In Kiew ist vor kurzem eine Policei-Verordnung erschienen, welche das unter Kaiser Nikolaus erlassene, unter dem jetzigen Kaiser aber nicht mehr streng gehandhabte Verbot gegen den Aufenthalt der Juden in dieser Stadt erneuert. Es wurde ihnen nur ein Termin von 3 Tagen zum Abzüge bewilligt. Gleichzeitig hat das Comitö für die bäuerlichen Angelegenheiten in West-Rußland die den Juden im April 1862 ertheilte Bewilligung, Landgüter von Adeligen käuflich zu erwerben, in der Weise beschränkt, daß künftig derlei Käufe in den Gebieten, wo die obligatorische Grundablösung durchgeführt wird, das ist in den reußischen Provinzen und in Litthauen, nicht mehr gestattet werden. Warschau, 11. October. Viel von sich sprechen macht folgender Vorgang: Die Tochter eines hiesigen Bürgers, mosaischer Confession, ein gebildetes Mädchen von 17 Jahren, ist vor etwa vier Monaten aus dem elterlichen Hause verschwunden. Alle Nachforschungen waren vergeblich. Man vermuthete, daß das Mädchen durch irgend jemand nach einem Kloster gebracht sei und daß dort von seiten der Nonnen alle Künste angewendet würden, um es zurückzuhalten. Diese Vermuthung lag um so näher, als das Treiben der hiesigen Nonnenklöster, namentlich das der Felicianerinnen, in dieser Beziehung seit einigen Jahren berüchtigt 44**