Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1864)
- Date
- 1864-10-25
- Page
- Seite 688 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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888 keine Anklage gegen die hierortige Cultus- und Schul- Repräsentanz involviren, weil dieser überhaupt nicht zugemuthet werden kann, ihren Einfluß auf das Schul- und Unterrichtswesen in den ihrer Obhut unterstehenden öffentlichen Lehranstalten auch auf die sogenannten concesftonirten Privat-Jnstitute, noch auch auf häusliche Erziehung auszudehnen. Die Ursache der beregten partiell unreligiösen Geistesrichtung ist theils in dem leidigen Jndifferentismus mancher Eltern theils in dem Umstande zu finden, daß nämlich viele Familien in der Wahl ihrer Erzieher nicht sonderlich umsichtig und scrupulös sind, und nehmen sie solche Individuen bei sich auf, die selbst weder hebr. Wissen noch auch jüd. religiösen Sinn besitzen. Mögen doch die betreffenden Eltern bedenken, wie sehr sie sich an ihren Kindern versündigen und gegen deren Interesse handeln, wenn sie verabsäumen, ihren Sprößlingen jenes Maß von religiöser Belehrung direct oder indirect zu ertheilen, ohne welche kein moralisches Gefühl in dem empfänglichen Herzen der Jugend geweckt und entwickelt, mithin weder ein wahres zeitliches Glück, noch weniger aber das ewige Heil erlangt werden kann. — Schließlich gestatten Sie mir noch die traurige Mittheilung von dem am 4. d. M. erfolgten Tode eines in weiten Kreisen gekannten und geachteten Mannes, Jacob Kern. Der Verblichene war ein Biedermann in des Wortes edelster Bedeutung; er war Schöpfer von vielen gemeinnützigen Anstalten und Vereinen, wobei ihm seine vielseitige hohe Bildung gut zu statten kam. In ihm verlor die hiesige Gemeinde eines seiner hervorragendsten Mitglieder, wie der ganze Handelsstand Ungarns einen eifrigen Führer. Bei dem am 6. stattgehabten Leichenbegängnisse desselben waren einige Tausend Menschen aus allen Standen und Corporationen wie auch der städtische Magistrat, Statthalterei-Räthe und die hohe Geistlichkeit anwesend, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Herr Oberrabbi vr. Meisel hielt eine ausgezeichnete Leichenrede und die hiesigen Tagesblätter deutscher und ungarischer Zunge haben in würdiger Weise Nachrufe an I. Kern gerichtet. — Josef Braun, Hauptschullehrer. Wim, 11. Oktober. (Pr.) Eine hiesige Local- Correspondenz erzählt: Montag ereignete sich im israelitischen Bethause im „Sperl", wo bekanntlich das Bersöhnungsfest gefeiert wurde, der Unfall, daß eine Frau ohnmächtig niedersank. Die Nächststehenden riefen, um schleunige Hilfe zu leisten: „Wasser, Wasser!" welchen Ruf aber die Entfernten dahin deuteten, daß Feuer entstanden sei, und daher „Feuer, Feuer!" schrien. Es entstand im Momente in den dichtgedrängten Räumen eine furchtbare Verwirrung, infolge dessen noch zwei Frauen ohnmächtig wurden und hinausgetragen werden mußten. Der Feuerruf hatte sich indessen sogar schon bis aus die Gasse weiter verbreitet, und die Feuerlösch-Filiale war bereits davon verständigt worden, als sich das Mißverständviß endlich aufklärte. Frankreich. Pariö, im Oktober. Die A. J. theilen eine Adresse mit, welche das Central-Consistorium im Namen aller israelitischen Consistorien an den Kaiser Napoleon III. gerichtet hat, um ihm für seine Festigkeit zu danken, mit welcher er im französisch-schweizerischen Handelsverträge die Rechte der Franzosen jüdischen Glaubens vertheidigt hat. Jedermann wird es billigen, daß das Consistorium dies that, und auch zugestehen, daß die kaiserliche Regierung diesen Dank verdient habe, da sie in diesem Punkte der Schweiz nicht nachgab, während England, Nordamerika und Holland die Rechte ihrer Staatsangehörigen opferten, nur daß die holländischen Generalstaaten versagten. Desto unangemessener scheint die Form dieser Adresse sowohl was die Verherrlichung Napoleons betrifft, als auch der verletzende Ausdruck für die Schweiz. Die Adresse beginnt: „Gott sprach: es werde Licht, und es ward Licht. Der Kaiser Napoleon III. hat seinen Willen kund gethan, und die Schweiz beugte sich vor dieser Macht, deren Eingebung (l’inspiration) so fruchtbar an glücklichen Erfolgen ist." Es ist doch etwas zu stark, den Kaiser mit dem Schöpfer des Weltalls auf eine Linie zu stellen und die kaiserliche Macht für inspirirt zu erklären! Großbritannien. London, 7. Oktober. Der großherzige Philantrop Sir Moses Montefiore wohnte, wie aus London gemeldet wird, am 6. Oktober auf specielle Einladung einer Sitzung des Gemeinderathes der City in der Guildhall bei, welche veranstaltet worden war, um ihm den öffentlichen Dank für seine hervorragenden Bemühungen im Interesse der Humanität und zumal für seine mit