Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1864)
- Date
- 1864-10-25
- Page
- Seite 687 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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687 der jüdischen als seitens der christlichen Jugend ist, da die jüdische Schülerzahl verhältnißmäßig 8mal, ömal und 4mal größer ist, als sie es nach dem Verhältniß der Juden zu der Gesammtbevölkerung sein sollte. Rosenberg (Oberschlesien), 14. October. (Privatmitth.) Als Gegenstück zu der Mittheilung aus Berlin in Nr. 42 theilen wir hier mit: Herr L. Weigert, Mitglied des Magistrats zu Rosenberg O/S., ist zum Mitgliede der städtischen Schul-Deputation gewählt worden. Die königl. Regierung zu Oppeln hat jedoch dessen Bestätigung, weil er Jude ist, versagt. Hierauf wurde dieser allgemein beliebte und geachtete Mann wieder gewählt, und der Magistrat sowohl wie auch der Erzpriester und der evangelische Geistliche haben bei der königl. Regierung auf die humanste Weise die Bestätigung des Herrn 8. Weigert befürwortet, welche nunmehr auch von dieser Behörde erfolgt ist. — ©liefen, 4. Oktober. (Privatmitth.) Es ist ein sehr erfreuliches Zeichen der Zeit, daß auch in unserer Provinz der hellere Geist deö Judenthumö immer mehr aufleuchtet und das Vorurtheil gegen wissenschaftlich gebildete Rabbiner im schnellen Abnehmen begriffen ist. Während vor noch nicht langer Zeit, namentlich in den größeren Gemeinden, in welchen noch der Ruhm der früheren talmudischen Größen in lebendiger Erinnerung fortlebt, das Verlangen nach einem auf der Höhe der Wissenschaft stehenden Rabbiner Kampf und Zwietracht erzeugte, sieht man jetzt gerade diese mit der Anstellung solcher Rabbiner rüstig Vorgehen. So wurde auch in hiesiger Gemeinde, nachdem der würdige greise Rabbiner Herr M. Wald stein sein Amt niedergelegt hatte, ohne Kampf und Sträuben zur Aufnahme eines zeitgemäßen Rabbiners geschritten. Die Wahl traf Herrn Dr. M. S. Zuckermandel, welcher seine Ausbildung auf dem Rabbiner-Seminar zu Breslau genossen hat. Am 22. d. M. trat derselbe sein Amt an. Schon in Posen wurde er von einer entgegengesandten Deputation empfangen, von einer zweiten auf der letzten Station. Seine Einführung war eine sehr feierliche und seine Antrittsrede voll der schönsten Verheißungen. Mögen sie in Erfüllung gehen! R. Oesterreichischer Kaiserstaat. Brody, 3. October. (Privatmitth.) Gestern feierte Brody einen der schönsten Gedenktage, denn der durch seine Humanität und Gerechtigkeitsliebe ausgezeichnete k. k. Statthalter Galiziens Graf Alexander Mensdorff-Pouilly besuchte auf seiner Jnspections-Reise auch die Stadt Brody. Die ganze Bevölkerung zog ihm entgegen, die brillanteste und geschmackvollste Beleuchtung strahlte in der Stadt und der Jubelruf wollte nicht enden. Das kaufmännische Casino, das von der brodher israelitischen Kaufmannschaft errichtet worden, als die Christen die Israeliten in ihr Casino nicht aufnehmen wollten, das aber Christen aufnimmt, herbergte den hohen Gast, und that dessen Vorstand alles mögliche, um den kurzen Aufenthalt Sr. Excellenz so angenehm wie möglich zu machen. Die sämmtliche kaufmännische Jugend Brodys brachte einen Fackelzug. Die Synagoge und das Spital wurden von Sr. Excellenz besucht. Diese Aufnahme stach in der Erinnerung zu sehr von der früheren des ehemaligen Statthalters, des Grasen Goluchowski, ab, um nicht den Beweis zu führen, wie verschieden ist, wo das Herz des Volkes gewonnen oder gekränkt ist. Gewiß ist bei dem hohen Gaste auch hier die Ueberzeugung durchgedrungen, daß die galizischen Israeliten ihren Kaiser und dessen Stellvertreter in loyalster Weise verehren. Pesth, 9. October. (Privatmitth.) Das Referat in No. 40 d. Bl. aus Gran veranlaßt mich zu einem ähnlichen Berichte. Es ist nämlich eine nicht wegzuleugnende Thatsache, daß leider die speciell jüdische Muse und deren Pflege in der Groß-Gemeinde des Ungarlandes wie vielleicht in keiner anderen vernachlässigt und ignorirt wird. Ja, selbst in den orthod. jüdischen Kreisen und Familien, deren es hier nicht wenige gibt, werden zwar die Kinder derselben in das talmudische Labyrinth eingeführt, jedoch ehe sie nur aufs dürftigste mit "p"n selbst vertraut gemacht worden sind. Was aber noch beklagenswerther, ist die Wahrnehmung, daß hier viele Kinder beiderlei Geschlechts anzutreffen sind, denen sogar das bloße mechanische Hebräischlesen wie jeglicher jüdisch religiöse Begriff völlig unbekannt bleibt, während sie in allen modernen Sprachen unter den größten Geldopfern von seiten ihrer Eltern Unterricht genießen. Angeführtes soll jedoch 44