Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1864)
- Date
- 1864-10-25
- Page
- Seite 686 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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686 ben, sechs einzelne in verschiedenen Stadttheilen zu erbauen, erweist sich deshalb als unpraktisch, weil für jede Synagoge Cultusbeamte nöthig würden, deren Besoldung den Etat doch wohl zu sehr belasten würde.*) — In der Hauptshnagoge wurde seit dem Tode des Dr. Sachs noch nicht gepredigt, nehmen wir die Predigt aus, die bei der Confirmation der Schüler aus der Friedrichsstädtischen Religionsschule von dem Hrn. vr. Landsberger, dem Dirigenten derselben, gehalten wurde. —. Was jüngst in d. Bl. von hier berichtet worden, findet nun auch in den hiesigen Zeitungen seine Bestätigung. Der vor einiger Zeit hier ohne Erben verstorbene Banquier Jonas hat etwa 180,000 Thlr. dem Baruch-Auerbach'schen Waisenhause vermacht. Zwei Drittheile der Zinsen sollen für die Knaben, ein Drittheil für die Mädchen verwendet werden. —. Aufmerksam wollte ich Sie noch auf die „Boss. Ztg." machen, welche, nachdem sie vor der Abstimmung über die Gleichstellung der Juden und Landbewohner in Frankfurt a/M. einige gute Artikel zu Gunsten dieses, von der Gerechtigkeit so ernst gebotenen Actes enthalten, jetzt, nach geschehener Botirung, die gehässigsten Berichte darüber bringt. Sie warnt vor der „Tyrannisirung", welche die beiden ersten Classen durch die Juden erfahren, ohne daß sie freilich anzugeben wußte, worin diese „Tyrannisirung" irgend bestehe!! Ein Artikel in der „Berl. Börs.-Ztg." schließt sich dem würdig an. Was wollen diese Blätter, die doch in Frankfurt selbst keine Leser haben? Wollen sie gegen daS Dreiclaffenshstem in Staat und Stadt wirken — nun, dann gerade heraus; wozu sich hier wiederum die Juden zu beliebten Prügelknaben wählen? Abgedroschene Phrasen im Munde gedankenleerer Scribler! —. In der Gerichtssitzung vom 12. h. im Pole nproceß spielte auch die Emancipation der Juden eine kleine Rolle. Unter den Angeklagten befindet sich Boguslaus v. Lubinski, Mitglied des Abgeordnetenhauses. Seine Betheiligung an den die Jnsurrection vorbereitenden Handlungen soll unter anderm durch seine Theilnahme bei der Unterstützung polnischer Juden, mit denen die Bewegungspartei ein förmliches, sogenanntes nationales Bündniß geschlossen, sowie durch *) Was thun denn aber mittlere und kleine Gemeinden? Besolden diese nicht auch ihre Cultusbeamten? Die Redaction. ein bei ihm in Beschlag genommenes Anschreiben eines gewissen Josefowicz vom 21. Mai 1862 dargethan sein. Dies ist doch gewiß ein sonderbarer Anklagepunkt! Der Angeklagte bestreitet zunächst, daß er Adressat des von Josefowicz geschriebenen Briefes sei. Seine Theilnahme an der Unterstützung der Juden, so erklärt er ferner, beschränke sich auf die Unterstützung eines vom Abgeordneten v. Bentkowski an ihn gewiesenen Juden. Er habe übrigens stets für die Gleichstellung der Juden mit den übrigen Menschen gewirkt und besonders sei im Abgeordnetenhause die Gleichstellung der Juden von der polnischen Fraction unterstützt worden, welche Thatsache als eine erfreuliche vom ganzen Abgeordnetenhause ausgenommen worden sei. — Mit obigen Auslassungen contrastirt eine Corresp. der „Augsb. A. Z.", die sich aus Warschau schreiben läßt, nachdem sie den Haß der Polen gegen die Russen und Deutschen besprochen: „Die zahlreichen Juden achtet man nicht, aber man haßt sie auch nicht, denn man kann ihrer nicht entbehren und weiß einmal, daß sie wahre Kosmopoliten sind, die es immer mit der Partei halten, die ihnen den meisten materiellen Vortheil verspricht." — Wir armen Juden — bald sind wir nationale Verschwörer, bald wieder Kosmopoliten! wie es den Leuten in den Kram paßt! Bonn, im October. (Privatmitth.) Um die in diesem Blatte von uns gegebene Mittheilung über die Frequenz der Elementarschulen seitens der jüdischen Jugend zu vervollständigen, ziehen wir aus den Tabellen des Septemberheftes des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" folgende Angaben betreffs der höheren Unterrichtsanstalten. Aus dem Sommersemester 1862. Die Gymnasien wurden unter 41,724 Schülern von 2,684 jüdischen besucht, so daß von 16 Schülern einer Jude war, während das gesammte Bevölkerungsverhältniß wie 1 zu 76 ist. Die Vorschulen der Gymnasien wurden von 3660 Schülern besucht, darunter waren 424 Juden, also im Derhältniß wie 1 zu 9. Die „anerkannten Progymnasien" zählten 2625 Schüler, worunter 123 Juden, also wie 1 zu 21. In den Realschulen erster Ordnung befanden sich 17,012 Schüler, worunter 1458 Juden, also wie 1 zu 12; in den Realschulen zweiter Ordnung 4,401 Schüler, worunter jüdische 339, also wie 1 zu 13. Somit erweist sich abermals, wie ungemein größer die Frequenz der höheren Unterrichtsanstalten seitens