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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-25 · Heft 44 (25.10.1864) · p. Seite 685

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 44 (25.10.1864)
Date
1864-10-25
Page
Seite 685 (sequence 7)
Language
German
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685 noch auf eine andere Weise, ksr ordre du Mufti suchte dieselbe zur Umspannung der Altstadt mit einem elektrischen Draht die bedeutenden Kosten von 6000 Gulden zusammenzulegen. An jedem der früheren Stadtthore sollen nun zwei Säulen mit elektrischen Uhren aufgestellt, die verbindenden Leitungsdrähte symbolisch die abgetragenen Stadtthore vorstellen und somit das Tragen am Sabbath wieder erlaubt werden. Die Religionsgesellschaft muß die nächtliche Beleuchtung und Unterhaltung der Uhren übernehmen, was auf eine jährliche Ausgabe von fl. 600 veranschlagt ist. Die Säulen werden nicht Jachin und Boas — was biblisch wäre — sondern stultitia et ineptia benannt, was von nun an die Devise des Wappens der R. Ges., statt der veralteten nrn d"»n •nan pan van ny p-i, sein soll. Der „Mainzer Kladderadatsch" wird sicherlich nicht verfehlen, diese Opferwilligkeit als nachahmungswerthes Beispiel zu verherrlichen. Um jedoch diese Begeisterung etwas abzukühlen, wollen wir auch ein Gegenstück zum abschreckenden Beispiel mittheilen. Vor einigen Wochen wurde nämlich ein Knabe, dessen armer Vater mit dem Schulgeld in Rückstand war, öffentlich vom Pedellen aus der Schule dieser „orthodoxen Religionsgesellschaft" gewiesen. Daß hier ein Privathaß eines einflußreichen Mitgliedes gegen den Vater die nächste Ursache der Ausweisung war, machte die That noch gehässiger. Die allgemeine Entrüstung, die sich über diese Hartherzigkeit kundgab, verfehlte jedoch ihren Eindruck nicht und dem Knaben wurden nach einigen Tagen die Pforten der Schule wieder geöffnet. Km. Kassel, 3. Oktober. (Privatmitth.) Am 1. Oktober wurde hier das 25jährige Amtsjubiläum des Lehrers am hiesigen israel. Seminar, Herrn Dr. Salom. Leviseur gefeiert. Außer vielen Beglückwünschungen von nah und fern empfing der Jubilar auch von 27 Schülern, jetzt sämmtlich angestellte Lehrer in der Provinz Niederhessen, einen prachtvollen silbernen Pokal mit der Inschrift: „Zum 25jährigen Amtsjubiläum, aus Liebe und Dankbarkeit von seinen Schülern gewidmet, am 1. Oktober 1864!" „Herrn Dr. Sal. Leviseur", nebst einem ehrenvollen, seine Verdienste und Wirksamkeit anerkennenden Schreiben. Aus dem Badmschen, 11. Oktober. (Privatmitth.) Nach den officiellen Berichten kamen bis heute die Ortsschulrathswahlen zu Stande in 14 israelitischen Schulen mit 533 Wahlberechtigten und 268 oder 50.28 °/o Wählern. Würzbmg, 8. Oktober. (Privatmitth.) Das vom hiesigen Rabbiner beabsichtigte Lehrer-Seminar hat die Sanktion der königl. Regierung erhalten. Die desfallsige Bekanntmachung bestimmt, daß dieses Seminar unter der Aufsicht der Regierung steht, der Besuch desselben aber nur fakultativ ist, und daß, wer es vollständig absolvirt hat, zur Austrittsprüfung im königl. Schul-Seminar zugelassen wird. Die Regierung empfiehlt die neue Anstalt. Welche Erwartungen wir von dieser Bamberger'schen „Lehrerbildungsanstalt" hegen, brauchen wir nicht auseinanderzusetzen. Die Befähigung der dort erzogenen Lehrer wird in letzter Instanz entscheiden, und es ist ganz gut, daß den Seminaren von Breslau, Berlin, Hannover, Münster und Ems gegenüber auch die hyperorthodoxe Partei zeige, was sie zu leisten vermag. Preußen. Berlin, 11. Oktober. (V. Z.) Das Vorsteher- Amt der Kaufmannschaft zu Königsberg hat Herrn Consul Oppenheim wiederholt zum kaufmännischen, weil geeignetsten Mitgliede des königl. Commerz- und Admiralitäts-Collegiums zur Bestätigung in Vorschlag gebracht. Bekanntlich ist auf den ersten Vorschlag die Bestätigung versagt worden. Berlin, 14. Oktober. (Privatmitth.) Wie in jedem Jahre, so haben sich auch in diesem zu den hohen Festendie unpassendsten, ja unwürdigsten Räumlichkeiten in Synagogen verwandelt, um die große Anzahl von Betern zur Andacht zu versammeln. Obgleich die neue Synagoge gegen 3000 Personen faßt, so wird nach deren Vollendung diesem Uebelstaude doch nicht abgeholfen werden, denn erstens sind die Stände in derselben bereits von den Glücklichen, die einige 100 Thaler für einen Stand zu bezahlen im Stande sind, in Beschlag genommen worden; zweitens ist es für die in entfernteren Stadttheilen Wohnenden sehr beschwerlich, mehrmals am Tage einen so weiten Weg bis zur neuen Synagoge zurückzulegen. Der Vorschlag, der gemacht wurde, um diesem Uebelstaude abzuhelfen, nämlich statt 700,000 Thlr. für eine Synagoge auszuge-

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