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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-25 · Heft 44 (25.10.1864) · p. Seite 684

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 44 (25.10.1864)
Date
1864-10-25
Page
Seite 684 (sequence 6)
Language
German
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«84 Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. d. Oder, Ende September. (Literarische Miscellen.) Naturgeschichte der Sagen. So heißt ein Werk von Dr. Julius Braun, das unlängst bei Friedrich Bruchmann in München erschienen. Der Vers, stellt sich die Aufgabe, „alle religiösen Ideen, Sagen, Systeme rc. auf ihren gemeinsamen Stammbaum und ihre letzte Wurzel zurückzusühren." — Wie aber geht er hierbei zu Werke? Er wirft alle möglichen Sagenkreise, Culten, Nationalitäten und Zeiten zu- und durcheinander; er wühlt athemlos in allen alten und ältesten Mythos-Fragmenten und treibt die wunderlichste Etymologie mit allen alten und ältesten Sprüchen, wie Sanskrit, Zend, Hebräisch, Aegyptisch, Griechisch, Koptisch u. s. w. u. s. w. — Wie unsere Nation, unsere Sprache, unsere Geschichte und unsere älteste Literatur dabei wegkommen, kann man sich wohl denken. — Alle Begriffe, Namen rc. will der Vers, aus einigen Ur- oder Stammformen herleiten, unter denen bei ihm Agalhodämon (der Geist des Guten) und Kronos (jenem entgegengesetzt) die ersten Rollen spielen. Ein nnbezweifelbarer Agathodämons-Name sei Cham oder Och am. — Und was will er nicht alles aus dem Worte „Cham" ableiten? Vor allem sei „Cham" die älteste Bezeichnung für der Aegypter Land und Volk. — (Wir verweisen hier auf Gesenius, Art. cm. —) Dann hätten die Patriarchen diesen Namen häufig wiederholt. (Wie und wo?) — Von „Cham“ stammt ferner „Chamäsen", das der älteste Name Italiens gewesen. — Aus „Cham" sei „Charmeh" und aus diesem wiederum „Hermes" geworden^ — Und so kommt der Verf. auch zu den Völkernamen: Hermionen, Hermunduren, Germanen u. s. w. — Dagegen seien Namen, wie Israel, Chet, Kusch, Assur, Madaj rc. lauter Kronos-Formen. — Doch genug von dieser Sorte. — Wir wollen in Bezug auf „Cham" nur noch daran erinnern, daß von ihm als Namen Aegyptens auch die Bezeichnungen „Chemie" und „Alchymie" längst schon abgeleitet worden. — General v. Mylius. Derselbe hat im Mai d. I. der pariser Akademie eine jährliche Rente von 500 Franken mit der Bitte osserirt, daß sie selbige als „Preis für die Verbreitung von Grundsätzen religiöser Toleranz" verwenden möchte. Doch, was der General am allerwenigsten erwartete, das geschah. Seine Offerte ward von der Akademie ab ge lehnt. Hierdurch aber nicht zurückgeschreckt und am allerwenigsten in seinem Vorhaben schwankend gemacht, wandte sich Herr v. M. unterm 8. Juni brieflich an die Redactionen der hervorragendsten pariser Blätter, theilte ihnen mit, was ihm von seiten der Akademie widerfahren, und fügte in den bestimmtesten Ausdrücken die Erklärung bei, wie er noch immer bereit und entschlosien sei, seine jährliche Rente von 500 Franken zu fundiren, welche „dem Verfasser der besten Abhandlung über allgemeine religiöse Toleranz, durch welche der Haß unter den verschiedenen Glaubensbekennern getilgt und somit unter allen Völkern ein gegenseitiges Wohlwollen herrschend würde", sollte zuerkannt werden. — Sein Vorschlag, meint der Briefsteller, habe für die Menschheit ein zu wichtiges Interesse, als daß er sich durch die Weigerung der Akademie sollte abschrecken lassen. Er offerire daher die gedachte Rente von 500 Franken jedem Vereine, der ihm für die Dauer seiner Existenz sowie für die Ausführung des qu. Projectes sichere Garantie böte, und behalte sich vor, Namen und Adresse des betreff. Vereins, gleichwie die Zeit, mit welcher die Concurrenz beginnen solle, officiell bekannt zu machen. L. Weyl. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a M., 8. October. Im heutigen Amtsblatt wird von der Stadtkanzel das Resultat der Abstimmung über das Gleichberechtigungs-Gesetz, und sodann durch Bürgermeister und Rath dieses organische Gesetz selbst verkündigt. Dasselbe lautet: „Einziger Artikel. Die bisher noch bestandenen Beschränkungen der staatsbürgerlichen Rechte der Bürger israelitischer Religion und der Bürger der Landgemeinden sind aufgehoben." Frankfurt a/M., 9. October. iPrivatmitth.) Zur religiösen Feier unserer staatsbürgerlichen Gleichstellung hielt gestern Rabbiner Geiger eine hinreißende, begeisternde Festrede, die der Vorstand unserer Gemeinde wahrscheinlich veröffentlichen wird. Die „orthodoxe Religionsgesellschaft" feierte dieses freudige Ereigniß

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