Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1864)
- Date
- 1864-10-25
- Page
- Seite 680 (sequence 2)
- Language
- German
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noch in dem kleinen Kirchenstaate zu Gebote stehe! Eigenthümlich macht es sich, daß der Papst in seiner jüngsten Encyclica klagt, daß man in Polen Gewalt anwende, nm katholische Kinder zur griechischen Kirche überzuführen. Ob die Sache wahr sei oder nicht, wissen wir nicht; aber in dem Munde dessen, der jüdische Kinder mit Gewalt zur katholischen Kirche bringen läßt, klingt diese Klage sonderbar. Ist es doch ein alter jüdischer wie christlicher Grundsatz: „Was du nicht willst, das dir geschehe, das thue auch einem andern nicht." Zerstreute Bemerkungen. Herr vr. Hochstädter hat im „Emser Anzeiger" einen Aufsatz über den Namen des Kurorts Ems veröffentlicht, aus welchem wir die Hauptstelle mittheilen: „Bekanntlich befinden sich auch warme Quellen in Palästina am westlichen Ufer des „harfensörmigen" galilaischen Sees Kinnereth*) (vgl. 4 Mos. 34, tl. mit Jos. 12, 3. und 13, 27.), durch welche der zwischen zwei Gebirgszügen dahinströmende Jarden (Jordan)**) fließt. In den apokrhphischen, nentestamentlichen, targumischen und talmudischen Schriften***) wird dieser See wegen seiner fruchtbaren und milden Umgegend Genesareth-j) genannt. Nachdem Herodes (II) Autipas an dem Berge, zwischen welchem und dem See die warmen Quellen hervorsprudeln, eine Stadt mit einer Burg erbaut und sie zur Verherrlichung seines Oberherrn, des römischen Kaisers Tiberius, nach dessen Namen Tiberia(s) genannt hatte, wurden sowohl der See als auch die warmen Quellen im allgemeinen ebenfalls so genannt, ff) *) Von Kinnor, „Harfe." (Vgl. 1 Mos. 4, 21. mit Psalm 149, 3. und 150, 3.) **) d. h. schnell „herabströmender" Gebirgsfluß. Im Talmud (ß. Tractat Beraclioth 55, a.) erläutert durch yi t-p, „herabfließend" von Dan. (Vgl. Hz. 1 Mos. 30, 6. mit Richter 18, 27. u. 29.) ***) Siehe 1 Makkabäer 11, 67. — Vgl. Lucas 5, 1. mit Matth. 14, 34. — Onkelvs' u. Pseudo-Jonathan, chaldäische Paraphrase z. 4 Mos. 34, 11., 5 Mos. 3, 17. u. 33, 23. — Talmud, nämlich Misehna Tr. Ma'seroth 3, 7. u. Gemara B. Tr. Pesachim 8, Ir. ■\) rrnosa wra u. V. Gan-sar, „Herrengarten." p f. ‘Tffil -j-J-) S. Joseplws Flavins Antiquitatcs XVIII, 3. und de hello judaico II, 8; ferner d. i. Anm. ***) eitirten talmudischen und targumischen Schriften (wobei zu lesen ist «wb fiP-iatai ampn vor -r§i» Das eigentliche Thalgebiet jedoch, worin sich die warmen Quellen befanden, heißt in der h. Schrift Chammoth*) (vgl. Jos. 21, 32. m. 19, 35. u. 1 Chr. 6, 61.) oder Hawmauth, was sich dann in der bei den Römern damals üblichen griechischen Sprache in Ammans oder Emmaus erweichte; und blieb dieser besondere Name wohl fortan im Gebrauch. Josephns Flavins, der um die Zeit der römischen Eroberungen in Palästina lebende Geschichtsschreiber, verdolmetscht (i. hello judaico IV, l.) diesen Namen geradezu mit Therma ^.Quellenöder Badeplatz"). Nun weist die römische wie die jüdische Geschichte nach, daß seit dem ersten römischen Kaiser Augustus bis nach dem Tode Hadrianus (also von 30 vor, bis 140 nach Chr.) viele römische Legionen in Palästina weilten und dort unter denselben Feldherren (wie z. B. Varus, Germanicus und die beiden Drusus), welche nachgehends auch in Süddeutschland Eroberungen machten, den jüdischen Staat unterjochten. Namentlich bedurften Vespasianus und dessen Sohn Hins zur Eroberung Galiläas und später auch Judäas gar vieler Legionen. Was ist nun wahrscheinlicher, als daß jene Römer, indem sie hier eine den galiläischen Gebirgszügen — durchschnitten vom Thalgebiete des Jordans, in dessen Grund Emmaus mit seinen warmen Quellen liegt — ähnliche Gebirgsgegend mit ähnlichem Flußgebiete und gleichfalls warmen Quellen entdeckten, diesen Platz ebenfalls Emmaus nannten; welcher Name bekanntlich in der ältesten deutschen Urkunde hierüber (v. I. 1173) etwas germanisirt „Etzmetz" — dann auch Eimhsz, Eimbs, Embsz, Embs s„mit seinen warmen Bädern") benannt wird, und zuletzt sich in Ems verkürzte? Haben doch die vielen römischen Alterthümer, die man in jüngster Zeit bei Gelegenheit der hiesigen Neubauten ausgrub — unter anderm auch gebrannte Ziegelsteine mit dem Stempel der 22. Legion (EEG. XXII. P. P. F.), sowie Ueberreste von römischen Badeeinrichtungen — hinlänglich bewiesen, daß hier die römischen Heere längere Zeit hausten und eines ihrer Hauptquartiere hatten, welches sie mehr als wahrscheinlich gleichfalls Emma ns nannten, was dann zuletzt in Ems abgekürzt wurde."**) *) i?an u. pTarv V. vn cliam, „warm", dann rinn •nan „Wohnung (Kreis) der warmen Quellen." **) Schlußbemerkung. Ebenso wird die spätere Namensertheilung der Ift/r Meilen von hier entfernten Stadt