Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1864)
- Date
- 1864-10-18
- Page
- Seite 672 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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672 Capacitäten unter anderen hier anwesend die Professoren Steinthal aus Berlin, Fürst aus Leipzig, Berg aus Breslau, Zenach und die Doctoren Bernays aus Breslau, Jsler aus Hamburg und Prof. Di-. Julius Oppert aus Paris, von denen einige auch öffentlich sprachen. Einen die Wissenschaft des Judenthums betreffenden Bortrag hielt in der Orientalisten-Section Dr. Wiener von hier über den Gewinn, den die Geschichtswissenschaft aus dem Studium des religionsgesetzlichen (halachischen) Theiles der neuhebräischen Literatur des Mittelalters zn erwarten hat, vorzugsweise in Rücksicht aus die deutsche Geschichte nachgewiesen, welcher demnächst in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft abgedruckt werden wird. Nach dem Vorgänge anderer Städte hat sich hier auf der breitesten Basis der Menschenliebe ein Krippenverein behufs Gründung einer Säuglingsbewahranstalt gebildet. Unter den Gründern desselben sind die 4 verschiedenen Bekenntnisse, das mosaische durch Hrn. Banquier Louis Meyer, vertreten, zum Beweise, daß die Kinder aller Glaubensgenossen, sobald sie sechs Wochen alt sind, ausgenommen und von morgens 8 bis abends 8 Uhr verpflegt werden sollen. Wie Tüchtigkeit und Berufstreue jemandem zum Nachtheile gereichen kann, beweist folgender Fall. In Goslar wurde kürzlich die Wahl eines neuen Stadt- Kämmerers vorgenommen. Die Stimmen der sechs Bürgervorsteher sielen auf den Revisor und Registrator Schlesinger, wahrscheinlich den einzigen jüdischen Beamten in unserem Königreiche, der sich vom Gemeindelehrer zu seiner jetzigen geachteten Stellung emporgearbeitet hat; die der sechs Magistratömitglieder auf einen dortigen Kaufmann. Beide Gewählte gelten als ehrenwerthe Persönlichkeiten; für den ersten spricht nur noch insbesondere der Umstand, daß er viele Jahre sich im städtischen Dienst bewährt, auch den Kämmereidienst bereits provisorisch zur größten Zufriedenheit beider Collegien verwaltet hat. Indessen gerade infolge davon wurde Schlesinger von dem Magistrate nicht gewählt, welcher meint, daß, weil derselbe den Revisor- und Registratordienst so ausgezeichnet versehe, es schwer sei, einen gleich guten Ersatz für ihn zu finden. Allein wie ehrenvoll dieser Grund für Schlesinger auch ist, so ist es doch zu bedauern, daß gerade seine gute Dienstführung ein Hinderniß für ihn ist, befördert zu werden. Bei der stattgehabten Stimmengleichheit wird die Regierung über die Wahl zu entscheiden haben; vielleicht glückt es dem Ehrenmanne hierdurch doch noch. — Preußen. Berlin, 29. September. (Privatmitth.) Bei Gelegenheit der auch in d. Bl. berichteten Renitenz des Predigers Steffan gegen die Abordnung eines Stadtverordneten jüdischen Glaubens bei der öffentlichen Prüfung einer städtischen Elementarschule wurde hervorgehoben, daß der Specialaufseher sämmtlicher hiesigen jüdischen Lehranstalten, einschließlich der Synagogengemeinde-Religionsschulen, ein Christ (Gymnastal-Director) ist und diese Specialaufsicht seit mindestens 40 Jahren von christlichen Gymnasial-Directoren geübt wird, ohne daß in diesem ganzen langen Zeiträume je jüdischerseits Beschwerde erhoben worden ist. — Schneidemühl, 30. September. (Privatmitth.) Es liegt hier jetzt ein sehr wichtiger Fall vor, der ein allgemeines Interesse erwecken könnte. Wie bekannt, sind das Neujahrs- und Versöhnungsfest an dem hiesigen Progymnasium als Feiertage ausgenommen worden und von der Regierung genehmigt. Jetzt hat der katholische Geistliche dagegen denuncirt und die Regierung soll bereits den hiesigen Magistrat angewiesen haben, diese Tage von den Ferien zu streichen. Die Schuldeputation hat dagegen protestirt und wir sind gespannt, ob es Erfolg haben wird. Dieser katholische Geistliche ging bis ans Ministerium, weil er selbst nicht mit in die Schuldeputation gewählt worden, während ein Jude (der vr. mell. Davidsohn, der seit einer Reihe von Jahren schon Vorsitzender der Stadtverordneten ist) hineingewählt worden; er fiel aber mit seiner Beschwerde durch; ebenso gelang es ihm nicht damit durchzudringen, daß die Hälfte der Lehrer am Progymnasium katholisch sein sollen; aus Aerger darüber hat er den Religionsunterricht an der Anstalt gekündigt. Das Resultat werde ich zur Zeit mittheilen. Aachen, 4. October. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat jüngst eine ihr unvergeßliche Feier begangen. In Anerkennung'der großen Verdienste, welcher sich der fast seit 30 Jahren fungirende erste Vorsteher, Hr. I. Levy, königl. Lotterie-Ober-Einnehmer, um die Gemeinde erworben hat, ließ diese sein Portrait in Oel von einem bedeutenden Künstler anfertigen