Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1864)
- Date
- 1864-10-18
- Page
- Seite 670 (sequence 6)
- Language
- German
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670 die väterliche Gewalt über sein Kind zu entziehen, weil dasselbe zum christlichen Glauben übergetreten ist, und ihn für verpflichtet zu achten, die Kosten zu einer nach den Bestimmungen einer anzuordnenden Vormundschaft einzurichtenden Erziehung herzugeben, als ungerechtfertigt." In Rom scheint man aber von diesen Grundsätzen des kanonischen Rechts nichts wissen zu wollen, während es für jeden Einsichtigen feststeht, daß nur die weltliche Macht des Papstes die einzige und die wahre Ursache solcher Gewaltthaten ist, indem sie der geistlichen Macht das materielle Mittel, um sie auszuführen, liefert." - Wir sind weit davon entfernt, den Einfluß der Coen'- schen Angelegenheit auf den Kaiser Napoleon so hoch anzuschlagen, wie es oben der Corresp. der „K. Z." thut. Wenn nicht sehr gewichtige politische Momente die Entschließungen desselben bestimmt hätten, der Raub des Judenknaben hätte es nicht gethan. Allein es ist doch nicht zu übersehen, daß der Vorgang den Kaiser außerordentlich choquiren mußte. Daß der Papst trotz dem wiederholten Ansuchen des Kaisers den Knaben Mortara nicht wieder zurückgab, konnte er damals mit der Entschuldigung Nachsehen, daß der Papst nicht gut zurückkönne. Daß aber die Sache vor den Augen der französischen Bataillone wie zum Hohne des französischen Kaisers wiederholt wurde — dies war denn doch etwas ganz anderes! — Auch das ist sicher, daß die römische Bevölkerung selbst durch den Vorgang sehr aufgeregt wurde. — Dies wird durch die Nothwendigkeit erwiesen, in welche sich die päpstliche Negierung versetzt sah, die Familie Coen gewaltsam aus Rom zu entfernen! rrrs? rmtt tr-rrn*! Spenden-Liste für die Riefer - Stiftung 1) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Nießer's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassessoren oder zu Gymnasial- und Universitäts- Lehrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 1192) N. A. Levy in Sontra 5 fl. ----- 2 Thlr. 254/2 Sgr. 1199) Wolf in Wangen 1 fl. 15 kr.------21 4/2 Ngr. 1194) Louis Lehmann in Homburg v. d. Höhe 1 fl. 17 Ngr. 1195) Nachzahlung von H. M. Wiener in Königsberg 224/2 Ngr. — Gesammtsumme: 2188 Thlr. 17!/a Ngr. Die Redaction. Literarischer Wochenbericht. Bottuschan (Moldau), im September. ^22» Hebräische Melodien. Nachdichtungen der „II ebrew Melodies“ von Lord Byson in gereimten hebräischen Rhhthmen von M. S. Raben er. Czernowitz, 1804. Der durch seine vielfachen Leistungen auf dem Gebiete der hebräischen Poesie bereits längst vortheilhaft bekannte Autor, dessen T>ETrr r\$ wir in Nr. 21 dieser Zeitung vom vorigen Jahrgange gebührend besprochen haben, spendete uns mit dem gegenwärtigen Producte seines rüstigen Fleißes eine neue köstliche Gabe voll poetischen Duftes und Farbenglanzes. Der geehrte Dichter Hr. M. E. Stern in Wien hat sich in seinem Vorgefühle nicht getäuscht, in dem Hr. Verfasser bei Herausgabe seines den trefflichen hebräischen Dichter zu begrüßen, und Herr Rabener hat sich durch seine unermüdliche Thätigkeit den v oll klingenden Namen, den ihm Hr. Stern noch vor einem Decennium prophezeite, mit Recht erworben. Wir stimmen aber auch unserem geehrten Freunde, dem trefflichen hebräischen Schriftsteller Herrn N. Keller bei, die Aufforderung an den Herrn Verfasser zu stellen, daß er sein Talent statt aus Uebersetzungen eher auf eigene Dichtungen verwenden möge, hat er uns doch schon sowohl mit seinen ■pDba* qbtt wie auch mit dem Gedichte nx'ü'2 (bestehend aus 345 mit dem Buchstaben 12 anfaugenden Worten, der Zahl des Namens hwi entsprechend —), welches er zur Ehre des großen verdienstvollen und gefeierten Mannes Sir Moses Montesiore dichtete und welches den Uebersetzungen in diesem Werkchen voran sieht, Zeugniß von seiner Productivität gegeben! Möge aber auch dem Herrn Verfasser recht bald eine bessere Stellung bereitet werden, damit er ungehemmt in seiner literarischen Thätigkeit fortfahren und auch bald für das von seiten des sonst so wackeren israelitischen Vorstandes zu Czernowitz ünverdienterweise erlittene Unrecht reichen Ersatz finden soll. H. K.