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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-11 · Heft 42 (11.10.1864) · p. Seite 660

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 42 (11.10.1864)
Date
1864-10-11
Page
Seite 660 (sequence 12)
Language
German
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660 eine zu gleicher Zeit projeetirte Ecole des Arts et Metiers in Genf scheiterte, lähmte seine Wirksamkeit nach dieser Richtung hin. Der Bericht spricht sich weiterhin in folgender Meise aus, und führen wir seine Worte selbst an, um abermals zu zeigen, wie verderblich, verwüstend und verödend eine gewisse Partei aus unserm Gebiete wirkt, der nicht ernst genug entgegengetreten werden kann und mit welcher Frieden zu halten unmöglich ist, man müßte denn alle Errungnisse der Cultur und die Religion selbst dran und drauf geben wollen. „Ersprießlicheres erwartete er zunächst von der Gründung von Lehranstalten in den einzelnen israelitischen Gemeinden selbst und faßte in der am 29. November v. I. zu Baden abgehaltenen Generalversammlung den Beschluß, für die beiden Gemeinden Endingen und Lengnau, als die größten der Schweiz, in Endingen eine Bezirksschule ins Leben zu rufen, zu der er einen jährlichen Beitrag von Frcs. 500 aussetzte. Dieser Plan wurde nicht allein im Aargau, sondern auch in andern Cantonen von Juden und Christen freudig begrüßt; man hielt sich überzeugt, daß nur durch eine gesteigerte Bildung die Errungenschaften der Emaneipation gesichert werden und praktische Nutzanwendung finden könnten. Eine Commission, welche sich zu diesem Zwecke in Endingen gebildet hatte, war auch alsbald eifrig bemüht, einen Theil der zu der Anstalt erforderlichen noch fehlenden Mittel, welche sich auf Frcs. 5000 belaufen, durch Privatzeichnungen aufzubringen, und zum Lobe der endinger Israeliten sei es gesagt, in verhältnißmäßig kurzer Zeit waren ca. Frcs. 1350 zumeist von Israeliten der Gemeinde Endingen auf sechs Jahre gezeichnet. Das Haus Rothschild in Paris übermachte durch Vermittlung des durch sein edles Streben weit bekannten Herrn Dr. Albert Cohn dem Rabbiner Dr. Kahserling die Summe von Frcs. 500. Die Alliance Isradlite Universelle in Paris stipulirte der Anstalt bereitwilligst einen jährlichen Beitrag von Frcs. 300. Auch die Herren Ullmann auf Schloß Herdern (Thurgau) und Simon in Genf bedachten die Anstalt mit ansehnlichen Summen. Hervorzuheben ist das Juteresse und die Mitwirkung, welche der Herr Erziehungsdirector der Cantons Aargau der Anstalt schenkte, und die Bereitwilligkeit, mit welcher er nicht nur den ordentlichen, sondern, wenn erforderlich, sogar den außerordentlichen Staatsbeitrag bei dem h. RegierungSrathe zu befürworten versprach. Trotz allem und allem ist die Bezirksschule noch nicht ins Leben getreten, hauptsächlich infolge des Widerstrebens und der Machinationen einiger hhperorthodoxen Persönlichkeiten, welche jeder Bildung und jeder Culturentwickelung einen unversönlichen Haß geschworen haben und auch in dieser Anstalt Gefahr für ihre Religion witterten. Nichtsdestoweniger wird dieselbe erstehen und unter dem Beistände Gottes reiche Früchte tragen. Der Gemeinde Lengnau, welche sich bis anher zu der Bezirksschule völlig indifferent, wo nicht opponirend verhielt, wurden von dem Verein zu der von ihr errichteten Fortbildungsschule für ein Jahr Frcs. 250 bewilligt. Wenn unsere Bemühungen bis jetzt auch noch nicht den Erfolg erzielt haben, den wir bei der Gründung unseres Vereins zu erreichen uns zur Aufgabe stellten, so dürfen wir doch der Hoffnung Raum geben, daß die Zeit nicht mehr ferne sein kann, wo man uns aller Orten bereitwilliger entgegen kommen und gegen unsere Absichten weniger mißtrauisch sein wird. Besonders die jüngere Generation wird den Zweck unseres Bestrebens nicht länger verkennen; sie wird einsehen müssen, daß wir nicht, wie man in böswilliger Weise vorgibt, unsere Religion zu untergraben suchen, sondern daß wir durch bessere Bildung und Berufsthätigkeit bessere Zustände, sowohl in materieller als geistiger Beziehung, namentlich in Endingen, Lengnau und wo es sonst noth thut, herbeizuführen bemüht sind. Möchten doch die Israeliten in der Schweiz beherzigen, daß nicht den Zeloten und Fanatikern, die das Wesen der Religion nur in den äußeren Formen, in jeder Entfaltung des Geistes aber eine Gefahr erblicken, die Zukunft der Menschheit gehört, und möchten sie uns Hand bieten, damit die jüngsten Errungenschaften einen gesegneten Fortgang nehmen." Der finanzielle Etat des Vereins ist sehr befriedigend. Frankreich. Paris. Die „Presse" in Wien enthält folgende Mittheilung: Des kleinen Prinzen Napoleon Lehrerder Mathematik ist ein Jsraelite aus Böhmen, Koralek, der seinen Namen in Coraleque umgewandelt hat. Dieser Gelehrte kam vor etwa 15 Jahren aus seinem czechischen Vaterlande nach Paris, um sein Glück als Commis zu

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