Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1864)
- Date
- 1864-10-11
- Page
- Seite 659 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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K5S in besonders toleranter und liberaler Weise begünstigt. Die- Söhne achtbarer Männer Polens erhielten ihren Unterricht an dieser Anstalt, die meisten Bürger Brodhs, ohne Unterschied der Confession, und Repräsentanten der bekanntesten Firmen wurden hier herangebildet, und niemals gab es einen Confliet weder mit de: Geistlichkeit noch mit den Behörden aus confessionellen Gründen. Heute noch wird die jüdische Anstalt von externen Zöglingen katholischen Glaubens besucht, die daselbst den Unterricht in Sprachen und Fachwissenschaften erhalten. Fünfzig Jahre sind seitdem verflossen; die Cultur hat mächtige Fortschritte gemacht; die Aufklärung, die Wissenschaften und das Bedürfniß nach Verallgemeinerung des Unterrichtes haben sich in unwiderstehlicher Weise Bahn gebrochen. Wie steht es aber heute mit der Toleranz? Eine an der Musterhauptschule derselben Stadt Brody, deren israelitische Realschule auch von christlichen Schülern besucht wird, geprüfte jüdische Pädagogin erhielt im verflossenen Monate die Erlaubniß zur Errichtung eines Lehr-Instituts nur mit dem ausdrücklichen Verbote, Mädchen christlicher Confession zum Unterricht anzunehmen.*) Wien, im September. (Privatmitth.) Herr Dr. Karl Weil, RegierungSrath, mit der Preßleitung im Ministerium des Aeußern betraut, und zwar schon unter dem Ministerium Buol, hat den Orden der eisernen Krone 3. Classe erhalten, womit von selbst der Adelstand verbunden ist. Es macht dies viel Aufsehen, weil eS der erste Jude ist, der als Literat diese Auszeichnung erhalten hat. Dr. Weil war früher Redacteur der constitutionellen Jahrbücher in Stuttgart, dann der constitutionellen Zeitung in Berlin. Seine Bemühungen um die Allianz mit Preußen sollen der Hauptgrund für diese Auszeichnung gebildet haben. Teplitz, im September. Bei der Debatte im teplitzer Gemeinderathe über die Besetzung der Katecheten¬ *) Gleiches Verfahren wird auch in Preußen eingehalten. Dem aufmerksamen Beobachter der Zeit kann dies auch nicht auffällig sein: denn allerdings haben sich die Gegensätze gegenwärtig in viel schrofferer Weise herausgebildet als vor fünfzig Jahren, und die Parteien wissen darum auch weit weniger als damals von Duldsamkeit und Billigkeit. Die allgemeinen Ziele sind verloren gegangen und dafür Parteizwecke aufgestellt. . Die Redaction. stelle appellirte der Stadtverordnete Fürst Clarh att das Schicklichkeitsgefühl der nicht-katholischen Mitglieder, sich bei der betreffenden Wahl der Abstimmung zu enthalten; die nicht-katholischen Mitglieder, vier Israeliten und ein Protestant, bestanden jedoch auf dem ihnen nach dem Gesetze zukommenden Rechte, erstere führten insbesondere noch an, die christlichen Mitglieder hätten es ja auch mit ihrem Schicklichkeitsge« fühl vereinbar gefunden, mitzustiinmen, als es sich um Bestellung des Rabbiners zum jüdischen Religionslehrer an derselben Haupt- und Realschule handelte; was aber dem einen recht, müsse dem andern billig sein; sie (die Israeliten) hätten ferner bei der Ernennung des abgetretenen Katecheten ebenfalls ihre Stimmen abgegeben, ohne daß man damals etwas dagegen zu erinnern gehabt hätte; ein jüdischer Herrschaftsbesitzer vergebe ja auch seine katholischen Pfründen rc. — Schweiz. Aargau, im September. (Privatmitth.) Der vor 1 lh Jahren vom Rabbiner Dr. Kahserling gegründete „Culturverein der Israeliten in der Schweiz" hat seinen erste« Jahresbericht veröffentlicht. Derselbe zählt jetzt bereits über 140 Mitglieder und hebt der Bericht hervor, daß dieser Erfolg nicht etwa dem persönlichen Einfluß der Gründer, sondern der dem Vereine zu Grunde liegenden Idee und Tendenz zu verdanken ist. Sein Hauptaugenmerk mußte nach den Anforderungen der Umstände während eines ganzen Jahres auf die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in der Schweiz im allgemeinen und der des Aargau's im besondern gerichtet bleiben. Hat er einerseits, dessen darf er sich rühmen, nichts verabsäumt, um direct oder indirect die Gleichstellung zu befördern, so hat er anderseits durch Petitionen und persönliches Verwenden einzelner Mitglieder des Comites wesentlich dazu bcigetragen, daß die aargauischen Israeliten als Schweizerbürger anerkannt und das von dem Großen Rache ihnen entzogene Stimm- und Wahlrecht ihnen durch Bundesbeschluß wieder gewährt worden ist. Was die Wirksamkeit des Vereins nach innen betrifft, so hatte er sich der Hoffnung hingegeben, alljährlich mehrere israelitische Jünglinge zu Handwerkern heranbilden zu können; die Abneigung aber, welche die Israeliten in der Schweiz noch immer gegen das Handwerk hegen und woran auch die mit unserem Ver- 42 **