Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1864)
- Date
- 1864-10-11
- Page
- Seite 661 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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m versuchen. Arügo, der ihn zufällig kennen kernte, entdeckte in ihm ein mathematisches Genie. Nach 2Jahren erschien ein in der gelehrten Welt Aufsehen erregendes Werk von Coraleque, und er ward Professor. Er ist der einzige Professor in der Polytechnik, der am Sabbath und an jüd. Feiertagen keine Vorlesung hält, weil sein strenger Glaube ihm das Schreiben verbietet; die anderen Professoren sind minder scrupulöS. Belgien. Brüssel, 22. September. (Privatmitth.) Sie haben, geehrter Herr Redakteur, in der letzten Nummer der „Allg. Zeitung des Judenthums" die lügenhaften Bemerkungen eines gewissen deutschen Kirchenblattes über die jüdischen Verhältnisse in Belgien gebührend zurückgewiesen. Wir sind Ihnen dafür Dank schuldig. Nur einiges möchte ich beifügen. „Die Emancipation", meint der fromme Missionär, „habe das Judenthum vernichtet, Tausende von Juden verleugnen ihre Herkunft u. s. f." Mit Verlaub, Herr Schreiber! das Judenthum, trotz der Emancipation, ist in Belgien geehrt und geachtet, seine Cultbeamten werden vom Staate besoldet, erst kürzlich haben dieselben zugleich mit dem katholischen Klerus Gehaltserhöhung erhalten, der Staat steuert beim Bau der Synagogen mit, die städtischen Gemeinden bei Errichtung der Schulen, das israelitische Consistorium, der Groß-Rabbi an der Spitze, nehmen bei allen öffentlichen Festlichkeiten mit den Würdenträgern der katholischen Kirche den ersten Rang ein. Was „die leeren Synagogen" betrifft, so komme der Herr einmal am Neujahrsfeste oder Versöhnungstage nach Brüssel, und er wird sich über den Andrang der Andächtigen und den Mangel an Räumlichkeiten wundern! Und dann vollends die Volkszählung? — Weiß denn der liebe Herr nicht, daß in Belgien beim Einträgen in die Geburts-Register von der Religion durchaus keine Notiz genommen wird? Wo hat er denn die Zahl von 1336 Juden ausgefunden? Und wo sind die Juden, die ihre Herkunft verleugnen? Wahrlich, wofür auch? Man durchschlage die belgischen Blätter, mit welcher Entrüstung die große Mehrheit derselben z. B. den schändlichen Kinderraub in Rom verdammt, oder die Intoleranz der „freien" Schweizer Cantone oder der Rumänen brandmarkt! — Was freilich die Ultramontanen betrifft, so sind sie unverbesserlich trotz der eclatanten Lection, die ihnen unlängst bei den Kammerwahken gegeben worden ist. Und da will ich doch ein kleines Ereigniß hier anreihen, das zu kennen manchem Leser dieser Zeitung als charakteristisch für die Tendenzen unserer Klerikalen willkommen sein dürfte: Die Stadt Tournai im Hennegau hat unlängst der würdigen Fürstin von Epinoy, welche sich so muthig gegen den blutgierigen Herzog Alba und seine Spanier vertheidigt hatte, auf dem Marktplatze ein Standbild errichten lassen. Seit dieser Zeit läßt der Bischof die kirchliche Procession nicht mehr über den Marktplatz gehen. Daraufhin haben sich die Stadt- und Militärbehörden dahin geeinigt, vorigen Sonntag alle Theilnahme an der Procession abzulehnen. Sogar ein Privat-Musikcorps hat seine Dienste gegen Geld verweigert! „So ist es recht", sagt das liberale Blatt „La V6rit<5“ von Tournai „es ist die Pflicht eines jeden guten Bürgers, das Episkopat in seinem Kampfe mit der Civilbehörde allein zu lassen." Dies alles ist gewiß nicht dazu angethan — die Juden ihre Herkunft verleugnen zu machen! Ueberhaupt nehmen die bürgerlichen Begräbnisse, ohne Zuthun des Klerus, sehr überhand, auch in den Provinzialstädten und Städtchen; und das Centralorgan der Rationalisten, le Libro Examen, gewinnt an Bedeutung und an Abonnenten. Anzeige«. Mit dem 15. April 1865 soll die Stelle eines Vorbeters, Neligionslehrers und Schächters für unsere Gemeinde anderweitig besetzt werden. Dieselbe gewährt bei einem fixirten Gehalt von 200 Thlr. einschließlich der Nebeneinkünste ein jährliches Einkommen von mindestens 300 Thlr. Bewerber werden ersucht, sich mit Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten zu wenden. Perleb erg, den 30. September 1864. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. S. Jaeoby. Die vacante zweite Lehrerstelle an der hiesigen israel. Gemeindeschule kann sofort besetzt werden. Jährliches Fixum: vorläufig 200 Thlr. Ordentliche Seminarbildung ist Bedingung; die Fähigkeit vorzubeten, blos wünschenswerth. Reslectanten wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse baldigst an den Unterzeichneten wenden. Aurich, den 8. September 1864. Der Schulvorsteher: Joseph Seckels,