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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-11 · Heft 42 (11.10.1864) · p. Seite 657

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 42 (11.10.1864)
Date
1864-10-11
Page
Seite 657 (sequence 9)
Language
German
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657 freilich ihre Lösung auf mancherlei Hindernisse stößt, die jedoch wohl bald überwunden sein werden. In letzter Zeit hat sich hier ein Comits für Colonisationszwecke in Palästina gebildet, zu welchem der um diese Sache verdienstvolle Herr Hirsch Kali sch er die Anregung gegeben hat. Von demselben lasen wir auch eine Entgegnung auf die bekannte Schilderung der Times über palästinensische Zustände.*) Wie nun jene Zustände auch seien, jenes wahre Wort unserer Weisen, daß die Wohlthätigkeit sich innerhalb der Gemeindegrenzen ganz besonders Hervorthun soll, möge nie außer Acht gelassen werden. Und wenn wir auch hierorts in verschiedenen Wirkungskreisen ihre segnende Hand walten sehen, so wird es doch nicht überflüssig sein, daran zu erinnern, daß auf diesem Felde noch mancherlei Gutes angebaut werden könne. Wir erwähnen beispielsweise, daß es hier noch keinen Frauen- Verein gibt, der mancherlei Heil stiften könnte. Es dürfte dann unter anderem das Collectiren für arme Bräute, dessen Erfolg immer auf unsicheren Grundlagen beruht, wegfallen. Mit derartigen Collecten werden wir auch viel von Auswärtigen heimgesucht und wird unter diesem Namen gar manche Bettelei betrieben, deren Lästigkeit auch diese Zeitung vor einiger Zeit besprach und Rathschläge zur Abhilfe gab. Eine andere Sorte Bettler sind ein Theil der Subscribentensammler auf jüdische Werke, die oft weiter nichts als den Titel zu einem Buche besitzen und darauf hin oder auf irgend ein verrottetes Werk den Leuten das Geld aus der Tasche locken. Kein Wunder ist es daher, wenn dann von dem weniger unterscheidenden Publicum die Subscription auf wirklich zeitgemäße Dinge hiermit in eine Kategorie gestellt wird. Von der Oder, 27. September. (Privatmitth.) Die oberschlesische Gemeinde Tarnowitz hat eine neue Synagoge erbaut und dieselbe am 20. d. M. feierlich eingeweiht. Drei namhafte jüdische Geistliche von außerhalb — nämlich die Herren Rabb. Dav. Deutsch aus Sohrau, vr. Hirschfeld aus Gleiwitz und Dr. Joel aus Breslau — waren zum Feste eingeladen, und erschienen außer ihnen aber noch Hunderte von *) Den factischen Berichten der Times gegenüber kann wohl rin Mann, der, so achtungswerth er an sich ist, doch Palästina niemals betreten hat, wenig Autorität in Anspruch nehmen. Die Redact. Gästen aus «ah und fern in T. eingetroffen. Die Feierlichkeiten begannen mit dem üblichen „Festzuge", der mittags 1 Uhr vom B.'schen Locale aus nach dem neuen Gotteshause unternommen und in welchem außer den Vertretern der Stadt und den Spitzen der Behörden auch die Geistlichkeit beider christlicher Confessionen bemerkt wurde. Mit der Ehre des Aufschließe ns des zu weihenden Gebäudes war Rabbiner Deutsch betraut, welcher diesen feierlichen Act mit einer demselben würdigen Ansprache einleitete. Im Innern des Tempels, bei der eigentlichen Einweihungsfeier, traten die anderen beiden genannten auswärtigen Rabbinen als Festredner auf und brachten durch ihre Vorträge in den Herzen der zahlreich Versammelten eine sehr gehobene Stimmung hervor. Es versteht sich von selbst, daß hierzu auch der würdige Gesang, der die Feier verherrlichte, wesentlich beitrug. — Das Festmahl, welches abends stattfand, war durch viele sinnige Toaste und Tischreden gewürzt. Eine bei dieser Gelegenheit „zum Besten der armen Familien der in Schleswig Gefallenen" veranstaltete Collecte trug eine ansehnliche Summe ein. Einen Tag nach dem Feste — dessen Verlauf von der Einigkeit aller Confessionen in T. den glänzendsten Beweis lieferte — wurden die Armen der Stadt, ohne Unterschied des Glaubens, von seiten des israelit. Gemeindevorstandes reichlich mit Speise und Trank bewirthet. Zu einer in der oberschlesischen Stadt Hultschin neuerbauten evangelischen Kirche hat der Baron von Rothschild aus Wien, der in der unmittelbarsten Nähe von H. Güter besitzt, den Baugrund sowie einen großen Theil des Baumaterials geschenkt. Bei der am 22. d. M. stattgehabten feierlichen Einweihung dieser Kirche hat sich der Herr Baron durch den Forstmeister Exner vertreten lassen. Im Festzuge ist unter den „Ehrengästen" die Geistlichkeit nur durch die jüdische repräsentirt gewesen. In die Stelle des jüngst verstorbenen Mitcurators der Fränkel'schen Stiftungen zu Breslau, Hrn. Louis Mileh — in welchem das Curatorium eines seiner tüchtigsten und thätigsten Mitglieder verlor — ist nunmehr der Sohn des Verewigten, Herr Assessor Mileh, eingetreten. Nach einem neulich gefaßten Beschlüsse der Communalbehörden von Gr.-Glogau wird alldort die Straße, in welcher die Synagoge gelegen, nicht mehr 42

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