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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-11 · Heft 42 (11.10.1864) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 42 (11.10.1864)
Date
1864-10-11
Page
Seite 652 (sequence 4)
Language
German
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«S2 in seinem „Fortschritt der Philosophie", von dem ein ausgedehntes, mannigfaltiges und scharfsinniges Werk, meiner Meinung nach, mehr dazu beigetragen hat, die Untersuchungen seiner Nachfolger zu erleichtern und zu leiten, oder von dem Hinweisungen auf die antike Wissenschaft häufiger ohne Quellenangabe ausgeschrieben werden. Dieser geistreiche Mann war von Geburt Christ, von Ueberzeugung aber, wie. alle bekunden, die seine Schriften gelesen, ein fester Anhänger des Judenthums, obwohl er niemals öffentlich zu dieser Religion übertrat. In seiner Republik citirt er das Alte Testament beständig, und zwar stets mit Ausdrücken seiner Gläubigkeit und Ergebenheit, das Neue Testament aber selten oder vielmehr nie. Wenige fernere Beweise mögen genügen. An einer Stelle (lib. I c. 6) sagt er: „Paulus, unter den Christen seiner Zeit vielleicht der hervorragendste", was jedenfalls eine sonderbare Ausdrucksweise ist. An einer anderen schlägt er einen Eid auf die wahre Religion in einer solchen Fassung vor, daß alle mit Ausnahme des Judenthums ausgeschlossen sind. Ein unveröffentlichtes Werk von Bodin, mit Namen Heptaplomeres, existirt noch in zahlreichen Abschriften in Frankreich sowohl als Deutschland. Hierin spricht er über verschiedene Religionen in einer Reihe von Dialogen und gibt zuletzt dem Deismus oder dem so nahe verwandten Judenthume den Vorzug. Auch verlheidigl er in offenem Widerstreite gegen die Lehre der katholischen Kirche und in Anlehnung an das mosaische Gesetz das Recht der Ehescheidung. Hallam, in seiner Einleitung zur europäischen Literatur im 15., 16. und 17. Jahrhundert, trägt kein Bedenken, Bodin dem Aristoteles und dem Macchiavell an die Seite zu setzen unv preist denselben wegen seines ausgedehnten Wissens in der Geschichte und Jurisprudenz, vorzüglich aber wegen Affines liefen philosophischen Geistes. Um so freudiger können wir Bodin als einen der Unserigen in Anspruch nehmen. Die „Voss. Zeitg." enthält in ihren Berichten über die Kunstausstellung im berliner Akademiegebäude Folgendes, was, da der Künstler Jude ist und das Gemälde einen jüdischen Gegenstand betrifft, uns werth scheint, mitgetheill zu werden. „Concurrenzbilder um akademische Preise pflegen sich mit gutem Recht im allgemeinen keines günstigen Vorurtheils zn erfreuen. Die künstlerische Bilvungs- und Entwickelungsstufe ihrer Maler wie die Beringungen ihres Entstehens, ohne innere Nöthigung und mit desto stärkerem äußeren Zwang, machen das sehr wohl erklärlich. Um so erfreulicher ist der Eindruck jener seltenen Ausnahme, der wir hier begegnen: Stiche l's Preisbild, das ihm das Michel Beer'sche Stipendium erworben, „Joseph, die Träume des Pharao auslegend." Freilich haben auch die Bewerbungen um diesen Preis den großen Vorzug, daß den Concurrenten die Wahl ihres Stoffes überlasten und jede Clausur erspart bleibt. Der Künstler hat seinen Gegenstand, abweichend von traditioneller Darstellungsweise des so oft behandelten, in ein geschichtlich-realistisches Gewand gekleidet, welches der Wirkung seines Bildes sehr zu Statten kommt. Der ägyptische König, sein Hofstaat, seine Weisen und Diener erscheinen in der fremdartigen und malerischen Erscheinungspracht, von welcher uns die Wandbilder und Denkmale des alten Wunderlandes am Nil eine so volle und detaillirte Anschauung und Kunde geben. Ueber dieser Aeußerlichkeit ist indeß der Charakter und Ausdruck der Köpfe und Gestalten keineswegs vernachlässigt. Er ist durchweg passend und vernünftig, dem Vorgang entsprechend, und nur aus Josephs feinem und klugem Antlitz spricht statt des gottbegnadigten Träumers vielleicht zu sehr die fast moderne nüchterne jüdische Berstandesbildung des zukünftigen großartigen Finanzministers." Wir haben zu oft über die Vorurtheile zu klagen, mit welchen jedes jüdische Werk zu kämpfen hat, um auch in der christlichen Welt Würdigung und Eingang zu finden; wir haben insonders zu oft Veranlassung, die Feindseligkeit zurückzuweisen, mit welcher die strengkirchlichen christlichen Theologen alle Bestrebungen und Arbeiten der neueren Juden behandeln und statt mit einer angemessenen Kritik selbst von ihrem Standpunkte aus zu widerlegen, nur mit Jgnorirung oder oberflächlichster Verspottung antworten — als daß es nicht der Gerechtigkeit um so zukömmlicher wäre, auch eines gegentheiligen Beispiels zu erwähnen. Wir meinen die günstige Aufnahme und Beurtheilung, welche die dritte Auflage unseres Bibelwerkes (ohne Text und Holzschnitte) in vielen christlich-theologischen Zeitschriften gefunden hat. Wir heben hier nur die „Kritische Bibliographie der neuesten theologischen Literatur" Seite 685 — 688 hervor. Es heißt darin: „Die Einleitungen zu den einzelnen Büchern sowie die Auslegung find sehr umfassend und der Vers, gibt nicht blos seine Erklärung, sondern, wenn auch na-

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