Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1864)
- Date
- 1864-10-04
- Page
- Seite 641 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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641 den genannten Gutachten enthalten sind. Wir scheiden von dem Verfasser mit aufrichtiger Hochachtung und empfehlen seine Schrift als eine der besten Monographien, welche wir über die mittelalterliche Geschichte der Juden in Deutschland besitzen. Dr. M. Wiener. Neustettin, im September. „Kritische Lese verbesserter Lesarten und Erklärungen zum Talmud. Von Fürchtegott Lebe recht. Berlin, 1864. I. M. Peiser. 54 S." Der neuen von dem Verf. veranstalteten Ausgabe des babylonischen Talmudtextes mit kritischen Noten, Varianten rc. soll diese Broschüre als Prospect und theilweise Einleitung dienen. Der Verf. führt uns in seiner „Lese" einige Proben seiner Berichtigungen und Emendationen zum Talmud vor und zeigt in dem Anhang die Nothwendigkeit und Nützlichkeit eines gesichteten Talmudtextes. Wir sehen mit Vergnügen einem solchen Unternehmen entgegen, zumal Herrn Dr. L. ältere Ausgaben und Handschriften zu Gebote stehen und mit wissenschaftlichen Mitteln Hand ans Werk gelegt wird. Der Portugal-Ausgabe fanden wir zwar nicht Erwähnung gethan, doch läßt sich bei der Belesenheit des Herausgebers erwarten, daß auf jene Notizen Rücksicht genommen wurde, welche in vielen älteren Werken, deren Verf. sich der erwähnten Ausgabe bedienten, enthalten sind.*) Es wäre aber den Absatz fördernder und im allgemeinen zweckdienlicher gewesen, wenn der Raschi-Commentar beibehalten wäre, da er selbst dem geübtern Talmudkenner immer ein Rathgeber ist. Herr Dr. L. wolle nun noch die freundschaftliche Mahnung hinnehmen, bei vorzunehmenden Emendationen mehr vorsichtig zu sein, da bei Uebereilungen der Sache eher geschadet als genützt werden dürfte. Die <S. 8) zu Beraehoth f. 57**) von Herrn L. als die „einzig richtige" gegebene Emendation des Wortes ms in m, nach welcher nicht die Gans selbst, sondern deren 3buchstabiger Name, durch Verwandtschaft im Sprachorgane einerlei mit dem Worte yin, dem Schlafenden im Traume erscheine, wird jedem Talmudkenner als völlig sinnlos erscheinen, da der Nachsatz: entschieden für ein lebendes Wesen spricht. Nach meinem Dafürhalten scheint jene an sich schwierige Stelle lateinischen Ursprungs zu *) Vgl. z. B. Chajoth in seinen Hagahoth zu Berachoth f. 63, Citat aus Pachad Jzchak. **) Wem eine Gans sriirr) im Traume erscheint, der kann auf Weisheit hoffen, denn es heißt (Prov. 1, 20.): Die Weisheit ruft auf der Straße (yim). sein, da plätga, die Löffelgans, die Rohrdommel, sich sehr gut als Wortspiel an platea (bei Hör. mit kurzer Paenult. platea), die Straße, anlehnt. Daß diese Erklärung eher an das Wahre grenzt, werden Forscher mir hoffentlich gern zugestehen wollen. — Simon Lindermann, Rabb. Zeitungsnachrichten. Preußen. Breslau, 15. September. (Br. Z.) Lassalle's Beerdigung erfolgte, wie seine hier weilende Mutter ausdrücklich gewünscht und bestimmt hatte, heute Nachmittag in aller Stille auf dem jüdischen Friedhofe. Die Leiche ruhte in einem zinnernen Sarge, von schwarzer Holzverkleidung umgeben; das Innere des Doppelsarges war mit rothem Sammt ausgeschlagen, der einbalsamirte Leichnam selbst in ein Gewand von gleichem Stoff gehüllt und die goldgestickte Drapirung mit echten brabanter Spitzen garnirt. Auf dem Friedhofe hatte sich um 3 Uhr eine kleine Schar der nächsten Angehörigen und Freunde Lassalle's versammelt. Auch die Vorstände der Shnagogen-Gemeinde, der israelit. Kranken- und Beerdigungs-Gesellschaft waren vertreten. Nachdem in der Halle ein kurzes Gebet verrichtet worden, bewegte sich der Leichenzug zu der Lassalle'schen Familiengruft, welcher der Sarg unter dem üblichen Ceremoniell übergeben wurde. Die Gräfin Hatzfeldt ist nicht, wie gestern irrthümlich gemeldet, hierher gekommen. Als ebenso unbegründet erweist sich nach authentischer Versicherung das Gerücht, wonach Ferdinand Lassalle kurz vor seinem Hinscheiden eine andere Consession angenommen habe. Heilsberg, 16. September. (Privatmitth.) Daß besonders in kleineren Gemeinden die Religion der Anregung und Aufmunterung bedarf, um bei den einzelnen Individuen Ausdruck zu erhalten, davon haben wir uns bei der diesjährigen 4ten Vorstands-Versammlung unseres ermeländischen Aussteuervereins (über den ich vor 2 Jahren berichtete), welche am 30. v. M. in Allenstein stattfand, überzeugt. Dort war bis jetzt die Betheiligung an dem Vereine nur gering; nachdem aber in der Versammlung die Zweckmäßigkeit des Vereins