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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-10-04 · Heft 41 (4.10.1864) · p. Seite 639

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 41 (4.10.1864)
Date
1864-10-04
Page
Seite 639 (sequence 5)
Language
German
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639 Soeben ist von Dr. Max Letteris die hebräische Bearbeitung des Faust von Gölhe erschienen. Statt des Faust hat er, um einen jüdisch-nationalen Faust zu haben, den „Acher" gewählt. Es ist sicher eine ungewöhnliche Erscheinung und wir sind begierig, dieselbe kennen zu lernen, da hier die eigenthümlichsten Schwierigkeiten zu überwinden waren. Aus Paris wird geschrieben, daß infolge der jetzt bestehenden Theaterfreiheit auch eine Bühne entstehen soll, auf der nur „altrestamentliche Schaustücke" aufgesuhrt werden. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 21. September. Die Abonnentenlisten für das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur laufen wieder in befriedigendster Weise ein. Auch diesmal erweist es sich wieder, daß es nur der rechten Anregung bedarf, um das Publicum zur Theilnahme bereit zu finden. Wir führen nur ein Beispiel an. In Mainz hatten wir bis jetzt nur zwei oder drei Abonnenten. Jetzt hat sich unter den Auspizien der Herren DD. Aub und Cahn der Cantor Wollner der Sache angenommen und binnen weniger Tage an 100 neue Abonnenten daselbst gefunden. Mit dem Isten October wird der Druck der Werke beginnen. Hannover, im September. „Schlesische Urkunden zur Geschichte der Juden im Mittelalter von Do. Ludwig Oelsner in Frankfurt am Main. Wien, 1864." Je geringer unter den jüdischen Gelehrten noch immer die Zahl der wirklichen Historiker ist und je seltener die literarischen Erzeugnisse auch dieser wenigen sich gerade durch Gründlichkeit und Zuverlässigkeit auszeichnen, desto freudiger begrüßen wir die uns vorliegende, als Sonderabdruck aus dem 31 ten Bande des von der kaiserl. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Archivs für Kunde österreichischer Geschichtsquellen erschienene Monographie, deren Verfasser, bereits durch eine frühere, in Liebermann's Jahrbuch publicirte Arbeit über die schlesischen Juden im Mittelalter bekannt, sich als einen seinen Stoff vollkommen beherrschenden Gelehrten bekundet und durch eingehende, auf Urkunden, von denen 40 bisher noch uugedruckte mitgetheilt werden, gestützte Forschungen mannigfache Thatsachen ermittelt hat, welche über die mittelalterliche Geschichte unserer Glaubensgenossen in Schlesien vieles Licht verbreiten. Von der Ansicht ausgehend, daß, während die Juden zur Zeit der Kreuzzüge einer blinden Glaubenswuth zum Opfer fielen, die Leiden, welche diese später, als in den Städten das Bürgerthum erblühte, zu ertragen hatten, mehr eine Folge der Trennung war, welche der Staat zwischen ihnen und den Christen dadurch herbeiführte, daß er jenen gestattete, was diesen verboten war, indem er den Juden das verhaßte Gewerbe des Wuchers gewissermaßen aufnöthigte, zeigt Herr Do. Oelsner, wie der zum größeren Theile auf einem social-politischen Motive beruhende Haß der Christen gegen die Juven endlich dahinführte, daß letztere gegen das Ende des Mittelalters aus vielen Städten Deutschlands vertrieben wurden. Alsdann auf die Juden Schlesiens speciell übergehend, weist der Verfasser nach, daß dieselben jene Provinz schon bewohnten, als sie noch ein slavisches Land war, zu welcher Zeit sie dort Landgüter besaßen und Ackerbau trieben. Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts jedoch machten Geldgeschäfte schon fast den ausschließlichen Nahrungszweig der Juden aus und sie blieben es sowohl unter der Herrschaft der Piasten als auch, nachdem Schlesien mit Böhmen vereinigt worden war. In Betreff der in der schätzbaren Arbeit enthaltenen Details verweisen wir des uns zugemessenen Raumes wegen auf diese selbst und brauchen wir bei der Schilderung der Lage der Juden unter der Regierung der Piasten ohnehin um so weniger zu verweilen, als die betreffenden Thatsachen bereits früher in Grünhagen's: Breslau unter den Piasten als deutsches Gemeinwesen S. 85 f. zusammengestellt sind, in welcher Schrift wir jedoch eine Hinweisung auf die vielen von dem Cardinallegaten Guido auf der am 9. Februar 1267 in Breslau abgehaltenen Provinzialsynode in Beziehung auf die Juden erlassenen Verordnungen vermissen, über welche Markgraf in der Zeitschrift für Geschichte und Alterthum Schlesiens Bd. V, 96 handelt. Unter der Regierung Johanns von Böhmen mußten sich die in Breslau in bedeutender Anzahl und in großem Wohlstände lebenden Juden eine Maßregel der rohesten Gewalt gefallen lassen, indem jener, wie in unseren Regesten S. 49, Nr. 174 mitgetheilt ist, nach dem Vorgänge der Herzoge von Liegnitz der Stadt gestattete, die jüdischen Leichensteine für ihre Stadtmauer zu verwenden, und Herr Di*. O. zeigt, daß bei dem Ge-

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