Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1864)
- Date
- 1864-09-20
- Page
- Seite 613 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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613 Italien. Padua, 7. September. (Berichtigung.) Der Correspondent, welcher Ihnen aus Oberitalien (A. Z. d. Jud. Nr. 36, S. 565) meldet, daß in Padua ein stark unterstützter Vorschlag zur Abschaffung der Piutim an der Zähigkeit der dortigen Tempel-Verwaltung (deutschen Ritus) scheiterte, ist schlecht unterrichtet. Die Sache verhielt sich gerade umgekehrt. Es war im Gegentheil die Tempel- Verwaltung (Fabriceria), dessen Mitglied zur Zeit des Streites ich war, wie Sie aus dem beizefügten Circularschreiben sehen werden, die den Vorschlag der Abschaffung gemacht und alle Kräfte aufgeboten, um ihn durchgehen zu lassen. Sie berief, den Statuten gemäß, eine allgemeine Versammlung (Capitols), welcher ich einen ausführlichen, im Juliheft des 6orrieie Israeli tico erschienenen Bericht oder vielmehr eine Denkschrift vorlegte, wo ich die Geschichte und die Charakteristik der Piutim bündig auseinandersetzte und die Zweck- und Zeitmäßigkeit von deren Abschaffung zu beweisen mich bemühte. — Vergeblich! Der Antrag ist durchgesallen. Warum? Das Circularschreiben wird es Ihnen sagen. Vor einem systematischen Widerstand einiger nicht von religiöser Ueberzeugung, nicht von Anhänglichkeit an demHerkommen beseelten Parteigänger, die um sich einen beträchtlichen Anhang, Werkzeuge ihrer kleinlichen Leidenschaft, zu sammeln wußten, blieb der Tempel-Verwaltung nichts übrig, als sich zurückzuziehen und ihr Amt niederzulegen. Lelio della Torre, Prof. Rom, im September. Der Kaiser Napoleon läßt sich auch in der Affaire Cocn mit Worten abspeisen. Die Times stellen bezüglich dieser Affaire einen Vergleich an, dem man die vollste Wirksamkeit nicht absprechen kann. In einer Correspondenz aus Rom erzählen sie folgendes Seitenstück zu dem Falle Coen: Es war unter Ludwig Philipp's Regierung, als ein israelitischer Knabe in Rom seinen Eltern entzogen wurde und zur Annahme des christlichen Glaubens bewogen werden sollte. Aus das Verlangen des französischen Gesandten, den Knaben freizugeben, antwortete die päpstliche Regierung, daß sie in die inneren Angelegenheiten des Kirchenstaates keinerlei fremde Einmischung dulden werde. Guizot jedoch, der damalige Premierminister Frankreichs, schrieb ganz lakonisch, wenn der Knabe nicht freigegeben werde, so würde eine Abtheilung französischer Truppen vor Fiumiano erscheinen. Das Kind war in weniger als sechs Stunden nach Eintreffen dieser Depesche freigegeben. Und heute? Heute, wo Rom faktisch französisches Gebiet ist, nimmt sich die päpstliche Regierung vierzig Tage Zeit, um nur darüber nachzudenken, ob sie die französischen Rathschläge annehmen oder verwerfen soll. Donaufürstenthümer. Jassy, im August. (Privatmitth.) Es ist sicher interessant, zu beobachten, wie gegenwärtig im Osten Europas derselbe Kampf in derselben Weise und mit den gleichen Waffen geführt wird, der noch vor wenigen Jahrzehnten im Herzen unseres Welttheils, in Deutschland, Preußen, Oesterreich u. s. w. um die bürgerliche Gleichstellung der Juden gekämpft wurde. Es bieten sich dieselben Erscheinungen, man bringt dieselben Motive gegen sie hervor und man muß sie daher mit den alten Gründen widerlegen. Wir sagen, cs ist dies interessant, weil der Beobachter doch eben darin einen großen Fortschritt erkennen muß, daß, während dieser Streit im mittleren Europa abgemacht und die glücklichen Resultate der völligen Lösung dieser Frage nahe sind, im östlichen Europa dasselbe Schauspiel beginnt, da, wo vor wenigen Jahrzehnten nicht im entferntesten an diese Frage gedacht wurde. Cs mag also sein, daß neue Momente sich hierbei nicht kund thun können, aber es ist genügend und nothwendig, daß dieselbe Energie auch hier entwickelt werde, daß auch hier unsere Glaubensgenossen wachsam seien, jeden Streich pariren, keine Antwort schuldig bleiben, und indem sie ihre Gegner immer wieder sä absurdum führen, sie endlich zum Schweigen bringen. Dies geschieht denn auch kräftig und mit Tact und Geschick. Es besteht hier ein Verein unter dem Namen l'unian israelite de Jassy. Vor kurzem hatte ein Herr Vaillant für die Gleichstellung eine Lanze gebrochen und die gedachte Union dankte ihm dafür in einem offenen „Briefe." Dieser letztere wurde von einem Ingenieur der Agricultur, A. D. Holban, in der „Trihunei Romäne“ aufs heftigste kritisirt und gegen die Juden und deren Emancipation losgefahren. Die Union hat nicht geschwiegen, sondern soeben in rumänischer und französischer Sprache eine Antwort an Hrn. Holban erlassen, abgefaßt vom Mit- 39 **