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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-20 · Heft 39 (20.9.1864) · p. Seite 612

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 39 (20.9.1864)
Date
1864-09-20
Page
Seite 612 (sequence 10)
Language
German
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612 gänzlich darnieder, die Knaben von 8—9 Jahren werden schon der jüdischen Schule entzogen und ins Gymnasium geschickt, ohne weiteren Religionsunterricht zu erhalten. Der größte Theil der jüdischen Jugend kann daher kaum hebräisch lesen und weiß sehr wenig vom Pentateuch. Es thut nichts mehr noch, als daß bei einer Neuwahl des Vorstandes thatkräftige und für das Judenthum wahrhaft begeisterte Männer gewählt werden. Jacob Wilheim. Papa, im September. lPrivatmitth.) Gestatten Sie mir in Ihrem Blatte einen Gedanken auszusprechen, dessen Verwirklichung mir durchaus nicht schwer und doch von schönen Erfolgen scheint. Jeder unter uns ist von Bewunderung für den edlen Greis Sir Moses Montefiore erfüllt. Wir zählen solcher Helden der Religion und Humanität nicht viele und es ist von der höchsten Wichtigkeit, die Liebe und das Verlangen der Nacheiferung betreffs eines solchen Vorbildes in den Herzen der Jugend frühzeitig zu wecken und heimisch zu machen. Darum, glaube ich, würde es höchst nützlich sein, wenn eine Münze oder Medaille geschlagen würde, welche auf der einen Seite das Bildniß des Sir Moses, auf der andern die Erinnerung an seine vorzüglichsten Unternehmungen zum Besten seiner Glaubensgenossen trüge, und diese Medaille in verschiedenem Metall zu Schulprämien und dergl. für die Jugend bestimmt würde. Es knüpften sich dann die liebsten Erinnerungen aus der Jugend an dieses Denkmal des hochgeehrten Mannes; und dies kann nicht ohne vielfache segensreiche Wirkung bleiben. Ich hoffe, daß sich Männer finden, die sich der Ausführung dieses Gedankens unterziehen. Ignatz Spatz, Lehrer. Nachbemerkung der Redaction. Auch wir können diesem Gedanken nur unseren ganzen Beifall schenken; wir glauben aber, daß es zu seiner Ausführung keiner besondern Veranstaltung bedarf, sondern daß nur ein tüchtiger Unternehmer eine solche Medaille zweckmäßig herzustellen und mit einem mäßigen Gewinne zu verkaufen brauche, um allgemeinen Anklang und vielfache Benutzung zu erlangen. Es würde sogar nichts schaden, wenn in verschiedenen Ländern mehrfach dieser Plan ausgeführt werden würde, da der Absatz sicherlich kein geringer sein wird. Frankreich. Niederbronn, im August. (Privatmitth.) Jüngst wurde einem unserer Glaubensgenossen von den Einwohnern und Badegästen eine Ovation gebracht, wie solche in hiesiger Stadt bis jetzt noch wenigen zu Theil geworden. Herr Schillio, einer der Musikdirectoren des straßburger Theaters und kürzlich zum Mustkchef der Feuerlöschmänner jener Stadt ernannt, ist ein ausgezeichneter Künstler; dessen Compositionen sind ebenso anmuthig als sein Spiel wundervoll und allenthalben wird sein Talent geschätzt und gewürdigt. Herr Schillio hat seit drei Jahren die Leitung des Orchesters und die Direction des Theaters in hiesiger Stadt während der Badesaison übernommen. Durch die einsichtsvolle und gewissenhafte Erfüllung seiner Aufgabe sowie durch die verschiedenen Einrichtungen, die er getroffen, um den Kurgästen den Aufenthalt dahier angenehm zu machen und zu deren Unterhaltung beizutragen, hat er der hiesigen sehr bedeutenden Bade- Anstalt einen noch größeren Aufschwung gegeben, so daß die Zahl der Gäste bedeutend angewachsen. In diesem Streben und in seinen Unternehmungen wird der junge Director aber auch von der Stadtverwaltung und besonders von dem Herrn Maire, einem sehr aufgeklärten Manne und trefflichem Administrator, kräftig unterstützt. Die Einwohner und Badegäste, um ihm einerseits einen Beweis ihres Dankes und ihrer Zuneigung zu geben, versammelten sich nun am Vorabend seines Geburtsfestes unter seinen Fenstern auf dem Promenadenplatz, welcher prächtig beleuchtet war. Die Musik und die Sänger des Theaters, welchen sich noch andere Musikdilettanten und Gesangfreunde anschlossen, spielten und sangen abwechselnd während beinahe anderthalb Stunden, und nach einem ihm zu Ehren gebrachten Fackelzuge wurde ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt. Blumensträuße ohne Zahl und schöne Geschenke wurden von allen Seiten dem Gefeierten gebracht und Belustigungen aller Art endigten den für jedermann fröhlichen Abend. Herr Schillio, tief gerührt, sprach vom Balkon herab einige Worte des Dankes, die mit einem lauten Vivat erwidert wurden.

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