Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1864)
- Date
- 1864-09-20
- Page
- Seite 609 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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609 forderungen zu stellen. Berücksichtigt man dies, so wird man in den vorliegenden Abhandlungen und Kritiken viel Gutes, Sinnreiches, Scharfsinniges finden, das nur eben darum weniger Allgemeingiltiges bietet, weil es dem besondern Standpunkte, der von vornherein bestimmt gefärbten Anschauung sich nicht entziehen konnte. Ein schöner, würdiger Ernst und ein hoher Sinn blickt überall durch. Der Stil ist im ganzen etwas schwerfällig. — Inta Aruch. Bestimmung der Fest-, Fast- und Feiertage auf 224 Jahre, sowie Berechnung der Sonnensinsternisse von 1863 bis 1920. Von Dr. D. Klein, israelit. Geistlichem zu Gr.-Strelitz. Breslau, 1864. Der Titel besagt, was wir in dieser sehr nützlichen Schrift zu suchen haben. Die Tabellen sind äußerst sinnreich geordnet, so daß man sehr leicht sich in denselben zurecht- und das gewünschte Datum aufzufinden vermag. Beigegeben ist auch eine Tabelle der Jahre 1865 bis 1920 mit ihren Festtagen, sowohl jüdischen und christlichen, die zu vergleichen hinsichtlich der Jahrmärkte und Messen auch oft ein praktisches Interesse hat. Zu den werthvollsten Bereicherungen dieses Merkchens gehört, nächst der Berechnung des Isten eines jeden Monats gewöhnlicher Zeitrechnung im Verhältniß zu den jüdischen Monaten, sowie deren Neulicht, ein Ueberbick der T’kufoth, Schaaloth u. s. w. vom Jahre 5624 bis 5650. Auch enthalt dieses Werk eine Anweisung zur Selbstberechnung des Neuchlichtes, Mond- und Sonnenzirkels u. s. w., die auf wenige Blätter zusammengedrängt, dem ernsten Leser mehr zu denken geben wird, als wir hier andeuten können. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Bauern, im September. (Privatmitth.) So sehr ich es achte und billige, daß Sie, Herr Redacteur, sich selbst weder in eine Polemik mit den Hyperorthodoxen überhaupt, noch besonders, wo es Ihre Aeußerungen und Arbeiten betrifft, handelt, so gestatten Sie mir doch einen Blick auf jene zu werfen, in Fragen, die das Allgemeine besprechen. Ihre gediegensten, kernhaftesten, von jedem Denkoffenbarungsgläubigen mit der lebhaftesten Zustimmung begrüßten Leitartikel, Geistesproducte, die sich in Form und Inhalt des Beifalls aller derer zu erfreuen haben, denen die jüdische Religion etwas mehr ist als blinder, starrer Buchstabenglanbe, müssen jenen zur Folie ihrer die grasseste Befangenheit oder Gehässigkeit bekundenden Expectorationen dienen.*) So polemisirte einer gegen Ihre in Nr. 32 der A. Z. d. I. gegebene Definition der wahren und falschen Religion und imputirt Ihnen, wenn auch in etwas verblümter Weise, daß Sie alles Religiös-Positive negiren, eine wesen- und formlose Religion erstrebten rc. Er aber meint: „Es käme gar nicht daraus an, was jene verlangen, die sich als die Wortführer der Menschheit geltend machen wollen, sondern auf das, „was Gott von den Menschen verlangt, und das sei eben der Gehorsam gegen Gott."**) Nun, ich glaube kein Desaveu Ihrerseits befürchten zu müssen, wenn ich in Ihrem Namen diesen letztangeführten Satz bona fide unterschreibe; ja ich glaube sogar, aus Ihrer Feder geflossen wäre er richtiger, wahrer, anwendbarer, als aus der Ihres Antipoden. Denn erstens paßt der Ausdruck „was Gott von der Menschheit verlangt" gar nicht in den Mund eines Mannes, welcher das System vertritt, daß man nicht jedem Menschen zu gleicher Liebe, zu gleichem Wohlwollen verpflichtet sei, was er im Hinblick auf Oruel, Cliajim Abschnitt 330, §. 2 ti. ibidem 512, §. 1 als Schulchanorachanbeter gewiß nicht in Abrede stellen wird. Ferner ist das ja eben die Frage, um die sich der Kampf der Stabilitätsmit der Reformpartei dreht: was Gott von der Menschheit verlangt und was die Wortführer einer bestimmten Zeitrichtung im Judenthum (nicht der Menschheit!) verlangt und erlangt haben, guoä est demonstrandum. So hat es eine Zeit gegeben, in der die tonangebenden Wortführer, sei es aus reellen oder imaginären Gründen, Erschwerungen auf Erschwerungen häuften. Glaubt nun die Hyperorthodoxie der Juden« heit auf die Dauer den Glauben beibringen zu können, daß alle diese unzähligen Erschwerungen, von denen Moses und die Propheten keine Ahnung hatten, von Gott sanctionirt, also von Gott verlangt werden? *) Woher sollten diese Leute denn auch zu Stoffen und Gegenständen ihrer Tertianer-Stilübungen konimen? Die Redaction. **) Diese Frage hat ein höherer Geist auch schon aufgestellt und beantwortet: 5 Mos. l O, 12. Und auch Michah hat sie gestellt und beantwortet 6, 8. Die Redaktion.