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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-20 · Heft 39 (20.9.1864) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 39 (20.9.1864)
Date
1864-09-20
Page
Seite 608 (sequence 6)
Language
German
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608 das Verhalten der Dienenden und zu ihnen, über das Verhalten zu Thieren und Pflanzen (worüber nur einmal eine ganz kurze Andeutung). Daß der Verfasser die Pflichten gegen sich selbst nicht in den Kreis der Moral-Theologie zieht und daher gar nicht abhandelt, wollen wir ihm nicht vorwerfen, weil dies auf seiner Ansicht beruhen mag; wir unsererseits können sie von den Pflichten gegen unsere Nebenmenschen nicht trennen, da diese aus jenen als ihrer eigentlichen Wurzel erfließen und unser Verhalten gegen uns selbst das wesentlichste Moment unserer Moralität bildet. Wir können aber nicht anders als die philosophische Begründung, die der Verf. gibt, als oberflächlich und über das Niveau des Gewöhnlichen nicht hinausgehend erklären; die Anführungen aus der h. Schrift sind sehr unvollständig und die aus Talmud und Rabbinen ungenügend. Der Verfasser hat sich überall einer Mäßigkeit beflissen, welche für einen weiterstrebenden Schüler der Mangelhaftigkeit gleich kommt. Damit wollen wir nicht verkennen, daß hier und da sehr gute Bemerkungen und im ganzen schätzbares Material vorhanden sind, glauben aber nicht, daß durch dieses Werk (übrigens nur 103 Seiten) der Religionsunterricht, noch weniger aber die theologische Wissenschaft, wesentlich gefördert werden. — „Deutscher Volks-Kalender. Insbesondere zum Gebrauch für Israeliten auf das Jahr 1865. Herausgegeben von H. Liebermann. Brieg, 1864." (Zwölfter Jahrgang.) Das Jahrbuch enthält eine ausführliche Polemik gegen die Erklärung des 53. Capitels Jesaias von M'Caul (1851), die der Verfasser Rabbiner D. Deutsch ebenso gründlich wie anziehend zu machen verstand. Rabb. Dr. I. Klein gibt eine Stelle aus Huntington (1811) über den Werth der Bibel und zwei Parabeln. Dr. Buddäns verarbeitet Schiller's „Gang nach dem Eisenhammer" in einen „Gang nach den Kalkgruben", den er Maimonides machen läßt. Aus dem Jahresbericht des breslauer Seminars von 1856 wird eine Längere Stelle über Theokratie von Dr. Z. Frankel abgedruckt. Ein Vortrag von Dr. I. Bamberger über Urtheile griechischer und römischer Autoren ist höchst lesenswerth, wenn auch nicht erschöpfend. Hierauf folgt eine aphoristisch gehaltene Lebensgeschichte Abarbanels S. Heilberg aus Ozar neelnnod II, und ein Auszug von Munk über Aboul Valid. Außerdem einige hübsche Gedichte. Man ersieht hieraus, daß der Inhalt des Jahrbuchs ein sehr reichhaltiger ist, obschon wir bei manchem Beitrage zweifeln, ob er für das größere Publicum ganz geeignet sei. — nfcr:* p« pn^ Trmb msbrr. nvbn -QN ‘■vins 22» Berlin, 1864. Die inhaltreiche Abhandlung des 1038 geb. und 1089 gest. Verf. ist iu einem Codex der pariser Bibliothek enthalten und der Herausgeber hat den vielfach mangelhaften und corrumpirten Text verbessert, und zwar oft mit Glück, und einen sehr ausführlichen Commentar hinzugefügt. Freunde des Gegenstandes werden in dem Wsrkchen mancherlei Anregung und Belehrung finden, an sich gibt es den Erweis, wie fleißig unsere Zeit in der Herausgabe hebräischer Manuscripte ist und wie wenig der Vorwurf über die Vernachlässigung der hebräischen Literatur gerechtfertigt erscheint. — von Marcus Reich. Odessa, 1864. Das Heftchen enthält einige exegetische Betrachtungen über das Opfer Jsaak's und dann ein längeres Gedicht gegen moderne Philosophen, als welche der Dichter besonders Voltaire, Heine, Spinoza und Karl Büchner in Betracht zieht. Der Verf. ist an guten Sprachwendungen und poetischen Ausdrücken in der hebräischen Sprache nicht arm, und wenn seine Expectorationen auch oft mehr naiv als tief gedacht sind, so ist der Versuch im ganzen nicht unglücklich zu nennen, wenn auch der Stoff für poetische Behandlung ein zäher und widerstrebender ist. — ‘npMm ‘-ipinrv Von I. Warschawsky. Istes Heft. Odessa, 1863. In zwanglosen Heften will der Verf. Abhandlungen und Kritiken herausgeben. Das vorliegende Heft enthält fünss Abhandlungen über „Forschung und Glauben", nbsn, Ursprung der Sprachen und rrtrann, sowie zwei ausführliche Kritiken über Werke von Pinsker (''"iiworn nip:n bdr sm?3) und Lebensohn (D'iznn 2^182). Es ist niemals zu vergessen, daß ein jeder Literaturzweig gewissermaßen ein Leben für sich führt und die Resultate aus anderen Gebieten wiederum nur in seiner eigenen Weise verarbeitet. Ganz besonders ist dies der Fall, wo für diesen Zweig eine besondere Sprache gebraucht wird. Die hebräische Sprache sondert diejenigen, welche sich derselben bedienen, dadurch ab, daß in der Regel die Gelehrten, die sich ihrer bedienen, einem besondern Bildungskreise angehören, und daß diese nur für einen bestimmten Leserkreis schreiben, so daß sie von einem gewissen Standpunkte ausgehen. Man wird dies z. B. nicht verkennen, wenn man hebräisch oder deutsch geschriebene Exegesen, beide selbst aus jüdischen Federn, miteinander vergleicht. Es gibt gewisse inhärirende Grundansichten, die bei beiden von vornherein vorwalten. Bei Beurtheilung derartiger Arbeiten muß man sich daher auf jenen Standpunkt versetzen, um nicht ungerechte Au-

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