Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1864)
- Date
- 1864-09-20
- Page
- Seite 607 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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€07 der von M. W. Brasch. Erstes Heft. Hamburg", zugesandt und mit dem Gesuche begleitet, dieselbe unserer Beurtheilung zu unterziehen. Wir vermögen dies nicht, da wir der Maurerei nicht angehören und weder durch mehrere Schriften über das Maurerthum, die wir gelesen, noch durch etwaige Beobachtung von der Maurerei ausgegangener Werke und Institute über das Wesen derselben einen Aufschluß erhalten haben. Das Schriftchen ist schön geschrieben, von tiefer Begeisterung für alles Gute und Schöne durchdrungen und die darin geübte Kritik mit gerechtem Geiste und tüchtiger Gelehrsamkeit geführt, wenn wir auch manche seiner Allgemeinsätze nicht unterschreiben möchten wie Seite 6, daß der Mensch, um seine Bestimmung zu erkennen und zu erfüllen, sich von allen besonderen Vereinigungen freimachen müsse. Im Gegentheil, das wahre Menschenthum besteht nicht blos in allgemeinen Beziehungen, sondern daß der Mensch die religiös-sittliche Pflicht durch alle seine besonderen Verhältnisse hindurch und innerhalb dieser erkenne und erfülle. Sonst müßte er sich ja schon von der Familie freimachen, und diese ist ja gerade der ursprüngliche Boden, aus dem das Menschenthum erwächst, wie es uns die heilige Schrift schon in ihrem zweiten Capitel lehrt. Der Verfasser will zuerst die Ansicht widerlegen, daß die Maurerei im zehnten und vierzehnten Jahrhundert entstanden sei, Zeiten, in denen der ganze Geist der Epoche den Grundsätzen des Maurerthums widerspreche, vielmehr sei das letztere eine jüdische Schöpfung aus der Zeit vor der zweiten Zerstörung Jerusalems, und findet er den ersten Anhalt in der Schule Be-abidan im Talmud und erklärt die Essäer für die ersten Maurer. Wenig scheint es uns zu erweisen, daß in der Schrift öfter Gott mit einem Baumeister und schaffen mit bauen verglichen wird. Solche Ausdrucksweise liegt überhaupt sehr nahe, und schon 1 Mos. 2, 22. heißt es: „Und der Ewige, Gott, baute die Rippe, die er genommen von dem Menschen, zu einem Weibe", so daß also sehr frühzeitig N22 mit ann und -i^ synonym gebraucht wurde. Ausführlich handelt nun das zweite Capitel über die Essäer als Gründer der Maurerei und enthält es viele Bemerkungen, die, auch abgesehen vom Maurerthume, hinsichtlich dieser Secte wichtig sind. Im dritten Capitel werden die Aufnahme- Symbole der Maurerei aus jüdischen Quellen und Begriffen gedeutet. Hier ist uns als einem Uneingeweihten alles unverständlich. Wie gesagt, über den eigentlichen Schwerpunkt der Untersuchungen, daß die Essäer die ersten Maurer gewesen, haben wir kein Uriheil, denn nach der Ansicht des Verfassers selbst sind äußere Formen und Anklänge für die wahre Kritik kein wichtiges Kriterium, sondern das eigentliche Wesen der zu vergleichenden Objecte ist allein entscheidend, und das Wesen des Maurerthums ist uns unbekannt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 12. August. „Israelitische Moral-Theologie. Vorlesungen von Samuel David Luzzatto. Aus dem Italienischen übersetzt von Lazar Elias Igel, Dr., Rabbiner. Czernowitz, 1864." Wir standen einen Augenblick an, unsere Ansicht über die vorliegende Schrift überhaupt auszusprechen. Denn da der Name des Verfassers einen außerordentlich guten Klang besitzt, so gibt es immer viele, welche denjenigen, der über eine Schrift eines sonst gerühmten Mannes ein ungünstiges Urtheil fällt, verketzern und persönlicher Motive zeihen. Allein die Pflicht eines Referenten geht uns doch über diese Rücksicht, die uns nur zum Streben nach möglichster Unparteilichkeit anfeuern wird. Die Schrift kündigt sich als Vorlesungen an der Rabbinerschule zu Padua an und wir Deutsche sind einmal gewohnt, von solchen Vorlesungen vorauszusetzen, daß sie wissenschaftlich, gründlich und vollständig sind. Denn sie sollen dem Jünger der Wissenschaft nicht blos für seinen augenblicklichen Standpunkt Nahrung, sondern zugleich den festen Boden für sein ganzes zukünftiges wissenschaftliches Streben und Arbeiten bieten. Der akademische Lehrer mag sich daher stofflich abgrenzen, aber für seinen Stoff gibt er sein ganzes Wissen, alles, was er selbst zu leisten vermag. Dies ist es nun, was wir nach allen Richtungen hin in dem vorliegenden Werke vermissen. Es ist nur ein äußerliches, aber doch wichtiges Moment, daß in demselben jede Hinweisung auf die Literatur des Gegenstandes fehlt, daß also dem studirenden Jüngling die betreffende Literatur zum eigenen Studium nicht angegeben und gelehrt wird. Der Verfasser sucht zuerst die Moral-Theologie philosophisch zu begründen, gibt dann unter zum Theil sonderbaren Rubriken die Sittenlehren der heiligen Schrift, woran er einige Blicke auf die talmudischrabbinischen Lehren wirft. Aber schon dem Gegenstände nach ist das Werk unvollständig. Es fehlt z. B. jede Auseinandersetzung über die bürgerlichen Pflichten, über