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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-20 · Heft 39 (20.9.1864) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 39 (20.9.1864)
Date
1864-09-20
Page
Seite 605 (sequence 3)
Language
German
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60S seufzte unter dem Joche der Priester und Könige. Und wie? Erkennt der geistliche Herr die Autorität der heil. Schrift an? Und proclannrt Liese nicht die Gewerbefreiheit, die Handelsfreiheit und die Freizügigkeit — letztere als die Naturalisirung der Fremdlinge, von der sie nur einige geringe Ausnahmen von äußerst feindseligen Nationen machte? Wo findet er in derselben nur einen Ausdruck, nur eine Bezeichnung für die Zwangsgrundsätze, die er vertheidigt? Sind nicht die großen Principien, die er verdammt, gerade die, welche die h. Schrift aufstellt und verwirklicht? Der Erfolg der kettelerschen Kritik der socialen Principien ist denn für ihn kein anderer, als daß er überall mit sich selbst in Widerspruch gerath. So verkennt er das Gute der Maschine nicht, findet aber in dem ganzen Maschinenwesen das furchtbarste Verderben für den ganzen Arbeiterstand. Wie will er dies nun vermitteln? Wie will er zur Maschine sagen: Bis hierher, aber ja nicht weiter? Das weiß er freilich selbst nicht und er bleibt in demselben Dilemma wie bei dem Zunftzwang und der Gewerbefreiheit. Auf solche Kritik hin kann er freilich schließen: „Das ist der Sklavenmarkt unseres liberalen Europas, zugeschnitten nach dem Muster unseres humanen, aufgeklärten, antichristlichen Liberalismus und Freimaurerthums." Aber man kann ihm einfach antworten: Schlage die Seite der Geschichte um und beschaue dir den Sklavenmarkt des feudalen Europas, zugeschnitten nach dem Muster des Lehnswesens, der Leibeigenschaft, des Zunftzwanges, der Inquisition, der Folter und der Hexenprocesse! (Fortsetzung folgt.) Zerstreute Bemerkungen. Die Gräfin Zda Hahn-Hahn hat ein Buch gegen Ernst Renan geschrieben. Eine Recension dieser Schrift in einem bekannten Tagesblatte endigt mit folgenden Zeilen, die wir hier wiedergeben mögen: „Von welcher Liebe — zu Menschen und zur Wahrheit — das Herz der Frau Gräfin beseelt ist, davon zeugt die unablässige Beschuldigung des Atheismus, die sie auf Renan schleudert, dessen lebendiges Gottesbewußtsein auf jeder Seite und schon in der Widmung an seine Schwester ausgeprägt ist: „Erinnerst Du Dich im Schoße Gottes, wo Du jetzt ruhest, der Tage" rc.; davon zeugt ferner das Hohngelächter des Triumphes, das sie über die Absetzung Renan's aufschlägt, mit dem liebevollen Hinweis, daß man sich in Deutschland zu ähnlichen Maßregeln „ermannen möge." Welche Geistes Kind die Frau Gräfin aber nebenbei ist, oder, weil sie das nicht ursprünglich war, welch Geistes-Adoptivkind sie heutzutage ist, davon zeugt ihr Ausspruch (S. 6), daß die Vertreter der Aufklärung und des Fortschrittes ausschließlich Freimaurer und Juden wären. Wahrhaftig, die Frau Gräfin macht es den Juden um vieles leichter, als es die Czechen haben, alle großen Namen der Weltgeschichte ihrer Nationalität zu vindiciren: Galilei, Kant, Humboldt, Göthe u. s. w. Die Frau Gräfin hat sich davor sichergestellt, jemals zu diesen Juden gezählt zu werden." Bei dem jüngsten Stephansfeste in Wien hielt der Cardinal Rauscher eine Rede, in welcher er unter anderm auch sagte: „Und ohne den Sieger über Tod und Hölle, welcher zur Rechten des Vaters thront, gibt es für Europa keine, gar keine Religion." Wir sind dem Herrn Cardinal für seine gute Meinung vom Judenthume sehr verbunden. Glücklicherweise gibt es in Europa viele Millionen, welche sich eine Religion auch ohne jenes Dogma denken können, ja welche vielleicht ganz entgegengesetzter Meinung sind. Bis jetzt haben christliche Theologen dem Judenthume den Charakter der Confession abgesprochen, aber den Charakter der Religion doch noch keiner. Diese Entdeckung verdanken wir erst dem Herrn Cardinal Rauscher. In Nördliugen erscheint „Freimund's Kirchlich-Politisches Wochenblatt", redigirt von einem Dr. Weber in Neuendettelsau. Von Nr. 29 dieses Blattes an wird ein langer Aufsatz „Die Judenmission" gegeben, durch welchen die Meinung vieler Christen, daß „kein Segen in der Judenmission, d'rum wollen wir sie fahren lassen", widerlegt werden soll. Zu diesem Zwecke wird ein Auszug aus einem Missionsblatte geliefert. Mit den Ansichten dieses Artikels über das Judenthum wollen wir nicht streiten; sie fließen eben aus der Quelle der Mission. Nach seiner Angabe hat die Misfionsgesellschaft 1862 etwa 240,600 Thaler verausgabt — die Angabe glauben wir — und dafür 116 Juden getauft — wie viele davon zwei- oder dreimal, wissen wir nicht. Wie es mit mancherlei Mittheilungen dieses Berichtes steht, 39 *

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