Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1864)
- Date
- 1864-09-13
- Page
- Seite 596 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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daß vorläufig in der Beziehung nichts zu besorgen sei, und geht die Regierung von ihren Principien ab, so werden sich immerhin Leute finden, welche ihre neugeborenen Knaben nicht beschneiden lassen. Aber selbst angenommen, daß wir uns in unseren Annahmen und Voraussetzungen geirrt hätten und die nothwendigen Reformen, von seiten der Großgemeinde vorgenommen, würden das Signal geben, um einerseits eine Reform — und andererseits eine orthodoxe Gemeinde oder Gesellschaft ins Leben zu rufen; so sehen wir noch nicht das große Unglück ein, welches dadurch entstehen würde. Die wiener Gemeinde ist eine an Seelenzahl große und kann daher verschiedenen Richtungen Raum gewähren. Der schließliche Sieg würde jedoch, des find wir gewiß, keiner der extremen Parteien gehören, sondern der Stamm- und Muttergemeinde, die in sich die besten Kräfte fassen würde. Wir wünschen daher, daß der Vorstand im Sinne des größten und hervorragendsten Theiles der Gemeinde die nöthigen Reformen ins Leben rufe und nicht bei dem Gedanken zurückbebe, daß dieser oder jener Ultra nicht mit denselben übereinstimme. Ich breche hier ab. Vielleicht bietet sich noch die Gelegenheit, auf den Gegenstand zurückzukommen. Aus Dberungarn, 11. August. (Privatmitth.) Die miSkolczer Cultustempel-Angelegenheit scheint endlich zum Vortheil des Gemeindefriedens erledigt zu werden, nachdem eine Commission, aus den verschiedenen Parteien niedergesetzt, die Aufgabe hat, ein Schiedsgericht aus drei Rabbinen zu wählen, dem die Aufgabe gestellt, beiden Parteien gerecht zu werden. Wie wir vernehmen, besteht die Orthodoxie darauf, daß einer ihrer Vertreter der ujhelher Rabbi, der bekannte Führer der Orthodoxie in der Seminar-Angelegenheit, sei. Das Vorgehen der Orthodoxie in Angelegenheit der Vorstandswahl bei einer h. Hofkauzlei in Wien scheint die Veranlassung dieser versöhnlichen Schritte der Fortschrittspartei in Miskolcz zu sein. Wie wir bei dieser Gelegenheit erfahren, sollen ans Ungarn nicht weniger als dreißig Processe an hoher Stelle in jüdischen Cultus-Angelegenheiten vorliegen, von denen viele im Ausgleichungöwege ihre Erledigung gefunden haben. So hat beispielsweise der orthodoxe Rabbi in Großwardein sich der Reformpartei angeschlossen. Aehnliches erfahren wir aus Erlau, wo der durch die Gemeinde entserntgewesene Rabbi Weiß mit großem Pomp von der Behörde wieder in sein Amt eingesetzt wurde. Andere kleinere Gemeinden Oberungarns betreten allmählich die Bahn des Fortschrittes, so Nyiregyhsza und Kaschau. In elfterer Gemeinde wurde bereits der Beschluß gefaßt, einen Prediger und Religionslehrer anzustellen, ein Gotteshaus zu bauen und sich als selbständige Gemeinde zu organisiren, während in letztgenannter Gemeinde ein Tempel, nach dem Muster des pesther, gebaut werden soll. In Epe ries hat sich der Rabbi an die Spitze der Schulsection gestellt, in der Volksschule einen erweiternden hebräischen Unterricht ei »geführt und so sein Augenmerk vorzüglich der Schule zugewendet. DaS evangelische Gymnasium daselbst war in diesem Jahre von mehr als achtzig Studirenden, jüdischer Confession, besucht. In der vaterländischen Schul-Literatur arbeiten unsere begabteren Lehrer rüstig weiter und befindet sich die biblische Geschichte des Nathan Fischer (Verfassers mehrerer selbst von competentester Seite viel belobter Schul- und Jugendschriften) unter der Presse. Da der Verfasser so freundlich war, uns in das Manuscript Einsicht zu gewähren, so sind wir in der angenehmen Lage, auf dieses bei Lövy in Pesth demnächst erscheinende, für sämmtliche Classeu unserer Hauptschulen berechnete und durchaus nach streng pädagogischen Grundsätzen bearbeitete Handbuch besonders aufmerksam zu machen. Auch vom greisen Rottenberg in Varanö ist soeben seine 3“i?3 nisd erschienen, welches Merkchen des gewiegten Hebraisten gleichzeitig ein gelungenes Gedicht zur Verherrlichung Montefiores bringt. Freunden der hebräischen Literatur glauben wir einen Liebesdienst zu erweisen, indem wir sie auf dieses beim Verfasser selbst oder bei dessen Sohne, Oberlehrer Rottenberg in Homonna, zu bestellende Werkchen aufmerksam machen. Wie wir aus dem pesther Lloyd ersehen, haben die pesth-ofener Lehrer einen ungarisch-israelit. Verein gegründet, dessen Aufgabe es ist, gegenseitig durch Gründung eines Pensionsfonds sich zu unterstützen. Wünschenswerth wäre, wenn sich der Verein auch auf die Lehrer auf dem stachen Lande ausdehnen möchte, und mochten wir durch diese Zeilen das leitende Sonnte aufmerksam gemacht haben, daß, soll dem Verein irgendwie ein Heil erblühen und derselbe überhaupt