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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-13 · Heft 38 (13.9.1864) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 38 (13.9.1864)
Date
1864-09-13
Page
Seite 593 (sequence 7)
Language
German
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593 bahn unseres Königs Karl, der in den Fußstapfen seines glorreichen Vaters wandeln wird. — Die Agitation für die Umgestaltung unserer Gesetzgebung in den israelitischen Cultverhältnissen hat wohl ihre Berechtigung, aber nur mit Verstand sollte sie gemacht werden. Die hohenbucher und eßlinger Versammlungen tragen den Stempel der Leidenschaftlichkeit; man merkt den Verhandlungen wohl an, daß ihnen der parlamentarische Tact fehlte. Selbst die hohenbucher Parteiführer müssen die Besonnenheit der ulmer Beschlüsse anerkennen, und viese sind gewiß die Basis, von der aus die Reform unserer Cultgesetzgebung angebahnt werden kann. Der Jndisferentismus wird aus den Wirren Capital ziehen, und schon hat das königl. Cultministerium in der Recurssache des OberjustizprocuratorS Lammfromm gegen die Gemeinde Buchau, die ihn entweder zur Zahlung der jüdischen Cultsteuer oder zum Austritt aus dem Judenthume zwingen wollte, entschieden, daß ein solcher Zwang gegen die in der Verfassung garantirte Gewissensfreiheit streite und der Beklagte nicht gezwungen werden könne, einer israelit. Cultgemeinde sich anzuschließen. Die Märtyrer für den Jekum-Purkan mögen sichs überlegen, bevor sie ein Schisma ins Judenthum Hineinschleudern, denn noch ist die Synagogenordnun g in Würtemberg zu Recht bestehend und die stuttgartjebenhausen-kreilsheimer Reformbestrebungen sind nur Versuche, die selbst in ihren eigenen Gemeinden Widerspruch erregt haben. Wahr ist es, die Ober-Kirchenbehörde selbst hat durch die Billigung der stuttgarter Reformen Bresche in die Einheit des Cultus geschossen; von ihr, der Behörde, wäre mehr Conservatismus zu erwarten gewesen. Wir erkennen kein städtisches und ländliches Judenthum an; will die Ober-Kirchenbehörde die Parias, die alten Amharazim wieder einführen?? — Ein Recht und ein Gesetz für alle, das ist die Devise, die die Agitation auf ihr Banner zu setzen hat, das soll in Hohenlohe, am Neckar und an der Donau erstrebt und durchgesetzt werden. Preußen. Königsberg, im August. Aus Königsberg meldet die „Pr. L. Z>", daß der frühere Student der Albertina L. Silbermann aus Lyck, der dort zum juristischen Doctorexamen nicht zugelassen wurde, weil die bestehenden Universitätsstatuten an dasselbe die Bedingung des christlichen Religionsbekenntnisses knüpfen, soeben als promovirter Doctor jur. rc. aus Greifswalde zurückgekehrt sei, wo er das Examen mit großem Lobe (magna cum lande) bestanden hat. Was also in der Provinz Preußen unmöglich ist, kommt in der Provinz Pommern leicht zur Ausführung. Österreichischer Kaiserstaat. Lemberg, im August. (Privatmitth.) Zur Feier des siebzigsten Geburtstages des Dr. Zunz hielt der hiesige „Verein für Bildung und Geselligkeit" eine festliche Sitzung, in welcher die Herren Markus Dubs, Abr. Krochmal, Dr. Esroger und Rabb. Dr. Löwenstein nacheinander in gehaltvollen Reden die Wirksamkeit und Verdienste, den Charakter und das Leben des Jubilars schilderten und charakterisirten, so daß die Feier in den zahlreichen Anwesenden den tiefsten Anklang fand. Ein telegraphischer Gruß bekundete dem Gefeierten die Theilnahme seiner lemberger Verehrer. Prag, im August. Das Präger bürgerliche Grenadier-Corps hat mit 20 gegen 9 Stimmen beschlossen, auch Israeliten in das Corps aufzunehmen. — Wien, 3. August. (Privatmitth.)*) Am Schlüsse einer Correspondenz zeigte ich an, daß ich die Frage, inwiefern eine Trennung der sogenannten Orthodoxen von den Reformern hier in Wien zu befürchten sei, näher zu erörtern gedenke. Wenn ich mir bisher Zeit ließ und erst jetzt mein Wort einlösen will; so geschah dieses, weil ich durchaus nicht übereilen und überstürzen wollte. Inzwischen hat die Orthodoxie auf der ganzen Linie zum Rückzuge geblasen. Sie erklärte, daß sie mit der famosen Erklärung durchaus nicht den Herren Mannheimer und Horwitz nahetreten wollte, ebensowenig, daß sie darin die wiener Gemeinde anzugreifen und fie etwa zu beschuldigen suche, daß fromme Juden keine Beruhigung in derselben finden könnten. Wenn nun vielleicht der Leser fragen sollte: wozu war der große Spectakel? da antworten wir mit Geiger: die Herren wollten sich „echauffiren." Nun haben sie den Zweck erreicht — und sie geben sich wieder zur Ruhe. Itegiiiescant! — *) Erst jetzt in unsere Hände gelangt. Die Redaction.

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