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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-13 · Heft 38 (13.9.1864) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 38 (13.9.1864)
Date
1864-09-13
Page
Seite 590 (sequence 4)
Language
German
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591» anwenben zu dürfen. Es steht nunmehr dem Kritiker fest, daß die alten Israeliten einen Stein als Gott anbeteten, und dies ist ihm nun der berühmte Stein in Mekka. Er hat allerdings noch einen Beweis. Jeremias klagt die Könige und Fürsten an (2, 27.): „Die zu Holz sprechen: mein Vater bist du! und zu Stein: du hast mich gezeugt! Mir aber wenden sie den Rücken zu." Zwar spricht der Prophet gleich von den „Göttern, die du dir gemacht", so daß jeder Vernünftige einsieht, daß hier Götzenbilder aus Stein und Holz gemeint sind — aber der scharfsinnige Kritiker will davon nichts wissen, ihm hat sich der Prophet verrathen, die Israeliten beteten einen Stein, einen Felsblock an. Er geht so weit, dies auch in dem Verbote, den Altar aus behauenen Steinen zu machen, wiederzufinden. Freilich soll dieser Altar eigentlich blos aus Erde sein (2 Mos. 20, 24.), freilich soll auf diesem Altar nur dem Ewigen geopfert werden, freilich ist ein Altar noch nicht der Gott selbst, der angebetet wird — aber was geht dies den Kritiker an, der nun einmal Steine auflesen will, selbst wenn sie ihm zum Stein des Anstoßes und des Stolpernd werden. Auch dies dient ihm zum Beweise, daß in dem Gesang Mosis Gott ein „Fels" genannt wird. Freilich wird in demselben Gesang Gott mit dem Adler verglichen (Vers 11), zwar erhebt Gott in demselben Gesang feine Hand, führt das Schwert, schießt Pfeile ab — warum, wenn er einmal ein Felsblock ist, soll er nicht auch Hände haben und damit fechten und schießen können? Bei einem Kritiker, der so viel Verständniß des poetischen Ausdrucks hat, wie Herr Dozy, ist nichts zu wunderbar. Aber der Gesang ist ja auch nach unserm Vers, nicht von Moses, und er meint durchaus nicht, daß Moses der Anbeter eines Steines war. Doch man glaube nicht, daß Herr Dozy eine zu gute Meinung von Moses hat. Er meint nämlich, Moses sei der Verehrer eines Stiers gewesen. Woher weiß er dies? Er gibt zu, daß er einen directen Beweis nicht habe. Aber die Daniten, welche nach Nicht. 18 Lajisch einnahmen und darin ein gegossenes Götzenbild aufstellten, machten - einen Enkel Mosis zu ihrem Priester — und dies genügt, um den Großvater Moses deffelben Götzendienstes zu zeihen und aus dem gegossenen Bilde einen Stier zu machen. Zwar steht im Texte nicht „des Sohnes Mosis", sondern „Menasse's." Allein wir wollen dies nicht geltend machen, denn nicht nur die Septuaginta haben dafür Moses (mit Auslassung des 3 in sondern auch der Talmud Baba Bathra 109, 2. liest nwv, und das 3 wird als irnbn '3 geschrieben. Hätte es dem Kritiker in den Kram gepaßt, würde er Menaffe gelesen und schwerlich die Autorität des Talmuds anerkannt haben, von dessen Angabe er nicht einmal etwas weiß oder sie doch nicht erwähnt. Er kann sich nicht denken, daß der Enkel von der Lehre des Großvaters abgewichen sei, sondern es ist ihm damit der volle Beweis geführt, daß Moses ein Stieranbeter war. Jedenfalls war nach derselben Consequenz David ein Götzendiener wie Rehabeam, sein Enkel, und Mendelssohn hatte Unrecht, sich gegen Lavater zu vertheidigen, denn seine Enkel sind Christen, also auch er ein Christ. — Jedermann wird eingestehen, daß auf diese Weise die Freiheit der Kritik zur Frechheit wird und ihrer eigenen Sache die größte Niederlage bereitet. Was muß dieser Professor der Geschichte für einen Begriff von der Geschichte, geschichtlicher Forschung und ihrer Methode haben! Die angeführten Beispiele überheben uns der Mühe, weiter in die Untersuchungen des Verfassers einzugehen, sind sie doch sämmtlich von demselben Schlage.- Bonn, 4. September. Jahrbuch für Israeliten 5625, herausgegeben von Joseph Wertheimer und Dr. Leopold Kompert. Wien, 1865. Jahrbuch für Israeliten auf das Jahr der Welt 5625. Von I. K. Büchner. Leipzig. Das erste dieser beiden Jahrbücher behauptet auch diesmal die schöne Stufe, die es seit langer Zeit erreicht hat. Die Fülle des Inhalts und die Gediegenheit mehrerer seiner Artikel machen es anziehend und belehrend. Wir heben aus ihnen hervor: die Entwickelungsstadien des Messiasglaubens von Dr. Gratz, ein übersichtliches Gemälde, wenn auch noch lange nicht erschöpfend) die Armenpflege im Judenthume von Dr. Bamberger, mit interessantem Blick auf die alten Völker; Ayres Vanz von Dr. Kayserling, ein kurzes aber ein höchst interessantes Lebensbild; Rückblick auf die hebräischen Schriften seit 1860 von Steinschneider, sehr lehrreich und zu unserer Freude - vom Geiste der Billigkeit und Unparteilichkeit dictirt; das hundertjährige Jubiläum der israelitischen Gemeinde zu Wien von G. Wolf. Da uns diese Abhandlung soeben auch als Broschüre zugefandt worden, kommen wir noch besonders darauf zurück. Der Rückblick auf das vergangene Jahr von Wertheimer ist mit gewohntem Fleiße und Umblick gearbeitet und die Geschichte „die Sängerin" von Kompert reich an ergreifenden Scenen, wenn es auch nicht an Gemachtem fehlt und der Charakter der Sängerin unausgeführt ist. — Auch

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