Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1864)
- Date
- 1864-09-13
- Page
- Seite 589 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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S8S — Wahrlich, solche Unparteilichkeit der Wissenschaft des Judenthums gegenüber wäre manchen hochmüthigen deutschen Gelehrten zu empfehlen, die bei aller rationalistischen Hyperkritik sich nicht von den gröbsten Vorurtheilen frei zu machen im Stande sind. Den Schluß bildet ein Kranz von mitunter recht hübschen Gedichten, obwohl größtentheils jüngere Kräfte ihre Beiträge dazu lieferten. Herr Kohn hat auch für eine prachtvolle und splendide Ausstattung Sorge getragen und sein schätzenswerthes, mit großen Opfern ausgeführtes Unternehmen verdient an und für sich, abgesehen von dem edlen Zwecke, gewürdigt und kräftigst unterstützt zu werden. D. Oppenheim. Bonn, 2. September. „Die Israeliten zu Mekka von David'S Zeit bis ins 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Bon Dr. R. Dozy, Prof, der Geschichte in Leyden. Aus dem Holländischen übersetzt. Leipzig, 1864." Die Erfahrung hat längst gelehrt, daß Gelehrsamkeit und Scharfsinn nicht genügen, um eine wahrhafte Kritik zu üben, sondern daß zu dieser auch noch — ein Quantum gesunden Menschenverstandes gehört. Man weiß, welche Absurditäten von sehr gelehrten und scharfsinnigen Kritikern zu Tage gefördert sind, weil sie eben nur gelehrt und scharfsinnig waren, aber nicht genug Menschenverstand besaßen, um ihren kritischen Flausen irgend eine Grenze zu setzen. Der schlimmste Streich, der dem Kritiker begegnen kann, ist, wenn seine Phantasie seiner Vernunft die Zügel aus den Händen reißt und nun in wilder Jagd nach Neuem und Sonderbarem von dannen läuft. Wenn es hierfür noch eines Beweises bedürfte, so würde die vorliegende Schrift ihn hinreichend liefern. Möchte man endlich aushören, solche Producte einer überschwänglichen Gelehrtenphantasie für w i s s e n sch a f t l i ch e Kritik auszugeben, weil sie sich auf viele Citate aus vielen Büchern stützt und sich von aller Autorität frei gemacht. Die wahre Wissenschaft beruht noch auf ganz anderem; sie hat mit bloßen Einfällen nichts gemein; sie verlangt einen Einblick in das Wesen ihrer Objecte und kann dies allein zur Basis ihrer Operationen nehmen. — Der Titel obiger Schrift zog uns ausnehmend an, denn er versprach Licht über einen sehr dunklen historischen Zeitraum zu breiten und einen neuen Stoff in den Kreis der geschichtlichen Forschung zu ziehen. Wir fanden aber nichts als bodenlose Hypothesen, absurde Behauptungen und groteske Schlüsse. Das Resultat wollen wir in kurzem geben. Das Heiligthum zu Mekka ist zur Zeit David's von dem Stamme Simeon gestiftet. Das bekannte mekkanische Pilgerfest ist von diesen Simeoniten eingesetzt, das Posaunenfest aber auch zugleich das ursprüngliche Pessachfest der Israeliten. In der babylonischen Periode kamen abermals Juden, die aus der Gefangenschaft entronnen waren, nach Mekka. Wir können hier nicht auf die höchst verwickelten und auf die luftigsten Voraussetzungen gegründeten Annahmen eingehev, mit denen der Verfasser diese seine Resultate erwiesen zu haben glaubt. Wir wollen, damit der Leser unser Urtheil glaubhaft findet, nur die ersten Steine betrachten, aus denen er sein Gebäude construirt. Er sagt: Abraham ist nicht der Name eines Mannes, sondern eines Gottes, ebensowenig Sarah der Name einer Frau. Und warum nicht? Weil kein einziger Mann und keine einzige Frau in der heiligen Schrift so heißt. Man würde dieses Argument von einem gelehrten Professor kaum vorgetragen glauben, wenn es nicht wörtlich so dastände. Jeder Schriftkundige weiß, daß mindestens zwei Drittel der in der Schrift vorkommenden Eigennamen nicht noch einmal in ihr Vorkommen, und es würden dann z. B. Isaak und Jakob, Rüben und Levi, Moses und Aron, David und Salomon und wer weiß wie viele noch keine Personen sondern Götter sein. Was waren denn nun aber nach Dozy Abraham und Sarah? Abraham ein — Felsblock und Sarah eine — Höhle, in welcher dieser Felsblock lag, und diesen Felsblock beteten die Israeliten an. Unsere Leser dürfen nicht lachen, denn Herr Dozy hat einen Beweis dafür. Jesaias redet die Israeliten 51, 1. 2. an: „Höret auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, den Ewigen suchet! Blickt auf den Fels, aus dem ihr gehauen, auf die Grubenhöhle, aus der ihr gegraben; blicket auf Abraham, euren Vater, und auf Sarah, die euch gebar; wie ihu, den einen, ich berief — aber ich segnete und mehrte ihn." Da hat denn der Prophet alles verrathen. Zwar fordert der Prophet die, welche den Ewigen suchen, auf, auf jenen Felsblock und jene Höhle zu blicken, also einen Stein anzubeten; PHtz^sagt er, dgß Gott diesen Felsblock gesegnet und ihn gemehrt hat — aber was thut dies dem Kritiker? Es gibt ja wirklich sehr viele Felsblöcke und manche Gegend ist gesegnet an Steinen. Der gelehrte Professor hat ein solches Verständniß der Poesie, daß er den dichterischen Ausdruck für Ursprung und Geburt ganz wörtlich nimmt und meint, die Israeliten hätten geglaubt, sie seien aus dem Stein entsprungen. Wir glauben diese sprichwörtliche Redensart auf die Hypothese des Vers. 38 *