Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1864)
- Date
- 1864-09-13
- Page
- Seite 588 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Stipendien - Stiftungen, welche den zahlreichen nur für christliche Studirende bestimmten Stipendien in würdiger Weise entsprechen mögen. , 3) Unterstützung und Förderung von tüchtigen, durch ihre Leistungen bereits bewährten Männern der Wissenschaft, die als Juden behindert sind, eine ihrer wissenschaftlichen Stellung entsprechende öffentliche Wirksamkeit zu gewinnen." Was uns anbetrifft, so sammeln wir in der bisherigen Weise und zu den von uns aufgestellten Zwecken weiter, indem wir für jeden Spender, der nicht weniger als 10 Fl. oder 5 Thlr. 21Y2 Sgr. gibt, ein Exemplar der Schriften vom Comito beschaffen werden, alle anderen uns zukommenden Spenden für den Zweck der Unterstützung wissenschaftlich ausgebildeter Juden, die wegen ihrer Religion keine Anstellung oder Berwendung finden können, aufsammeln, wozu die Vereinigung mit dem Comitü alle Aussicht bietet. Die Redaetion. Literarischer Wochenbericht. Gr.-Becskerek, 10. August. Dbi2 yi^Tb Mannheimer Album. Ein Nachhall zur siebzigjährigen Geburtsseier des Hrn. Jsak Noah Mannheimer, Predigers der israelit. Cultusgemeinde zu Wien. Herausgegeben von Majer Kohn Bist ritz. Wien. Gedruckt bei A. della Torre. 1864. 8°. 123 und 79 S. Selbstverlag des Herausgebers. Als in den Berichten über die vorigen Jahres in Wien begangene Mannheimer-Feier eine Sammlung der vorzüglichsten an den Jubilar gerichteten Gratulationsschreiben und Adressen in Aussicht gestellt wurde, erfreute sich dieser schöne Gedanke des allgemeinen Beifalls, da die Freunde und Verehrer des Gefeierten ein solches Buch als ein theures Andenken an den ehrwürdigen Jubelgreis und das herrliche Fest begrüßten und überhaupt ein solches Buch für jedermann von hohem Interesse ist. Das angezeigte Werk des Hrn. M. Kohn entspricht nur insofern den gehegten Erwartungen nicht vollkommen, als es nur sehr wenige Zuschriften enthält und wir die meisten Briefe von hervorragenden Capacitäten leider vermissen. Wir hätten ihm dafür manche Gedichte, die ohnehin in Ueberfluß geboten sind, gerne erlassen. Die hebr. Abtheilung beginnt mit einer vorzüglich geschriebenen Biographie Mannheimers von dem bekannten Hebräisten N. Keller. Hierauf folgen Briefe, Gelegenheitsgedichte, unter denen solche von bewährten Meistern, und endlich einige kleine wissenschaftliche, zumeist exegetische Arbeiten, deren Werth vom scientifischen Standpunkte nicht gar hoch anzuschlagen ist, obwohl dieselben dennoch recht lesenswerth sind. So z. B. sind dem gelehrten Herausgeber bei der bekannten vielgedeuteten Agada: tfbtf 1273 73 81N pm '•'"Vpn ba (Erachin 15 a) die neuesten Forschungen der Herren Geiger, Kerem Chemed IX. 69, und Pinsker, Einleitung in das babylonischhebräische Punctationssystem, 2 und 45 entgangen, die es bis zur Evidenz nachgewiesen, daß wirklich die Morgenländer, ^N2N73, in der 3 Pers. singul. 12730 mit Patach und in der 1 Pers. plur. *'37373 mit Zere gelesen haben. Die umfangreichere deutsche Abtheilung, der ebenfalls eine kurze Biographie vorausgeht, enthält eine bunte Reihe von mehr und minder werthvollen Abhandlungen über die verschiedensten Themata. Wir heben hier die größeren und wichtigeren Artikel hervor, um dem Leser wenigstens einen Begriff von dem Gebotenen zu machen: Kabbalistisch-liturgische Reformen von L. Löw; das Studium der Zend-Avesta in Europa von Dr. F. Müller; die Auferstehungslehre von A. Schmiedl; hebräische Philologie und biblische Exegese von Dr. I. Unger; Winke für angehende Prediger in der Benutzung des Midrasch von A. Hochmuth; der Talmud und das Neue Testament von Dr. A. Müller. Indem wir nebenbei bemerken, daß die beiden gelehrten Orientalisten F. und A. Müller der christlichen Religion angehören, die wie noch mehrere andere nichtjüdische Literaten aus Hochachtung vor Hrn. Mannheimer sich dem schönen Unternehmen anschlossen, können wir es nicht unterlassen, als Probe der seltenen vorurtheilsfreien Gesinnung des Herrn M. in Beurtheilung des Talmuds und dessen Verhältnisses zum N. T. aus dem letzterwähnten Aufsatz folgende Schlußstelle anzuführen: „Der Talmud mit seinem immensen culturhistorischen Stoffe kann beim Studium des neutestamentlichen Kanon, wenn er gründlich verstanden werden soll, nicht umgangen werden. Wenn wir durch diese Zeilen nur etwas beitragen zur Würdigung jenes alten Literaturdenkmals eines uns so nahe stehenden Volkes und namentlich zur Verscheuchung der grassen Vorurtheile, wie sie bei sonst Gebildeten gegen den Talmud nicht selten sind, dann ist der Zweck dieser geringen Geistesgabe u. s. w. erreicht,"