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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-06 · Heft 37 (6.9.1864) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 37 (6.9.1864)
Date
1864-09-06
Page
Seite 582 (sequence 12)
Language
German
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581 lassungsrecht, und so vermehrte sich die Schar der pe-s tersburger Juden, namentlich der gebildeter», bald zu; einem ansehnlichen Häuflein. Der ungeregelte, von Sol-, daten-Rabbinern geleitete Gottesdienst, in den eigentj lich nur für jüdische Soldaten eingerichteten Synagogen, wollte freilich den gebildeteren, reicheren Juden, j die in anderen Städten und im Auslande etwas Bef-' fcres zu sehen gewohnt waren, nicht mehr behagen. Es \ ist also natürlich, daß die Idee auftauchte, eine legale,! organisirte Gemeinde zu gründen, einen Prediger zu; berufen — der den verwahrlosten Gottesdienst regeln, die Gemeindeangelegenheiten beaufsichtigen, die Gemeinde heben sollte — einen Tempel zu erbauen. Schulen für jüdische Kinder zu errichten u. s. w. Zu dieser Zeit wurde der seines bidern Charakters, seines aufgeklärten Geistes wegen mit Recht gerühmte, hochgeachtete und geliebte Fürst Suworoff als General- Gouverneur aus Riga nach Petersburg berufen. Durch diesen dem Judenthume gewogenen Mann wurde es leicht, die Erlanbniß zur Gründung der neusn Gemeinde zu bewirken. Zu gleicher Zeit besuchte Petersburg auch der Rabbiner von Riga, vr. Abraham.Neumann, welcher schon früher als Mitglied des Comites zur Regelung der jüdischen Angelegenheiten in Rußland hier gewesen und mit den gebildeteren jüdischen Familien bekannt war. Er erwarb sich unter diesen viele Freunde. Als die Gestattung einer Gemeinde in Petersburg von der Regierung erlangt war, fiel auf vr. Reumann der Bück der gebildeteren Juden, und in einer Sitzung, die bei Hrn. Günzburg stattsand, wurde beschlossen, ihn als Rabbiner mit dem glänzenden Honorar von 3V0V Rubeln jährlich zu berufen. Dieses Gehalt sollte anfangs durch freiwillige Beiträge, später aus den Einkünften der Gemeindekasse gezahlt werden. Sie ersehen schon aus diesen glänzenden, dem neuen Rabbiner gemachten Propositiouen einerseits, daß man auf ihn auch glänzende Hoffnungen setzte, andererseits aber, daß es in der neugebildeten Gemeinde zu Petersburg an Mitgliedern nicht mangelt, die für die Hebung des Judenthums ein warmes Herz haben, an Leuten, die viel zu thun bereit sind, um sich der ihnen eingeräumten Rechte würdig zu zeigen. Und diese Bereitwilligkeit zeigt nicht allein der Reiche, auch der mittelmäßig mit den irdischen Gütern Begabte ist bestrebt, nach Kräften das allgemeine Beste zu fördern. Jedoch, trotz diesem guten Willen, ist für das Gemeinwohl der hiesigen Juden «och nichts bis jcht geschehen, obschon bereits ein Jahr verflossen, seitdem der neue Rabbiner seinem jetzigen Berufe vorsteht. Die Gemeindeangelegenheiten sind noch ebenso ungeregelt wie zuvor, und leider gibt es auch hier Leute, die gottlos genug sind, das herrschende Chaos zu ihrem Vortheil zu benutzen. Monatlich wird hier eine beträchtliche Geldsumme von reichen Leuten zur Unterstützung armer jüdischer Familien gespendet; doch wird dieses Geld zur Besorgung Leuten anvertraut, die das Verttauen nicht verdienen, und nur der geringste Theil fällt den wirklich Hilfsbedürftigen zu. Viel wurde auch zu anderen Zwecken in früheren Zeiten und jetzt gespendet, z. B. zur Verbesserung des Gottesackers; wo das Geld geblieben — ist ein öffentliches Geheimniß. Niemand hat den Much, aufzutreten und Rechenschaft zu verlangen. Eine regelmäßige Verwaltung, eine strenge Controls über Ausgaben und Einnahmen der Gemeindekasse, die Regelung letzterer — alles dieses ist bis jetzt ein frommer Wunsch. Ja, wir haben bis jetzt nicht einmal eine genaue Statistik über die geringe Zahl der der hiesigen Gemeinde Angchörenden, während doch eine solche Statistik das erste Erforderniß bei der Organisation einer Gemeinde ist. Der Gemeinde-Borstand weiß nicht, wer dem jüdischen Glauben treu ist oder bereits eine andere Religion angenommen hat. Wan hält vielleicht einen die Synagoge nicht besuchenden Juden für einen Christen, und für einen Juden denjenigen, welcher schon längst im Süllen die Religion seiner Väter verlassen hat. Alles ist bis jetzt, auf Muthmaßungen gegründet. Zu welch unangenehmen Verwickelungen ein solcher Stand der Dinge führen kann, wird man sich leicht vorstellen. Wenn in dieser Beziehung nichts zur Verbesserung geschehen ist, so sind andererseits seit der Gründung der Gemeinde Neuerungen eingeführt worden, die durch ihre Unzweckmäßigkeit den Mitgliedern Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten bereiten, an dir stüher me gedacht wurde. Das koschere Leben, statt durch zweckmäßige Einrichtungen erleichtert und zugänglicher gemacht zu werden, ist, Dank den Neuerungen, welche größtenteils darauf hinausgehen, Monopole p gründen, deren Schädlichkeit ja überall längst anerkannt ist, jetzt noch kostspieliger, mit noch größeren Unannehmlichkeiten verbunden, als es früher war. Ich kenne mehrere fromme

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