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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-06 · Heft 37 (6.9.1864) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 37 (6.9.1864)
Date
1864-09-06
Page
Seite 581 (sequence 11)
Language
German
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sichert, daß die vom Minister des Auswärtigen an den Grafen Sartiges abgesendete Depesche in einer Sprache abgefaßt ist, in welcher die dem heiligen Vater gebührende Ehrfurcht mit einer großen Festigkeit, wo nicht mit einer großen Strenge verbunden ist. Die Regierung des Kaisers scheint sich besonders auf den Standpunkt gestellt zu haben, daß die betreffs des jungen Coen ergriffene Maßregel nicht allein aus der geistlichen i Herrschaft hervorgehe, deren Ausübung von niemand controlirt werden könne, sondern daß sie aus mehr als einem Grunde seitens des heiligen Stuhles die Beihilfe der weltlichen Macht in sich einschließe. Nun aber sei zu den Zeiten, in denen wir leben, die weltliche Regierung des Papstes genöthigt, der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen. Wie der Correfpondent des Courier angibt, haben diese Schritte, die Graf Sartiges gethan, einen sehr guten Eindruck hervorgebracht. Er spricht die feste Hoffnung aus, im Interesse des heiligen Stuhles selbst, daß diesmal die Schritte nicht ohne Erfolg sein mögen. (Die Presse.) Dasselbe Blatt schreibt aus Paris: „Die Nachricht des Courier du Dimanche, daß der französische Minister des Auswärtigen an den Grafen Sartiges in Rom eine Depesche expedirt habe, in welcher er sich „mit Festigkeit, wenn nicht selbst mit einer gewissen Strenge" der Affaire Eoen und der von den ultramontanen Eiferern so gewaltsam verletzten Gewissensfreiheit annehme, wird mir von so guter Hand bestätigt, daß ich kein Bedenken trage, sie Ihnen durch den Telegraphen zu übermitteln. In dieser totalen politischen Windstille ist selbst ein so kleiner, sanfter Lufzug, wie er hier vom Quai d'Orsay über die Alpen geweht zu haben scheint, ein Ereigniß. Das großartige Schweigen, in welches sich die Tuilerien seit einem halben Jahre dem Auslande gegenüber gehüllt haben; der Umstand, daß ein so gut katholischer und päpstlicher Minister, wie Herr Drouin de Lhuhs, es ist, welcher gegen das Non possumus des Vaticans die Feder führt; endlich, daß dieser Zwischenfall mit einem Hofereigniffe zusammenfällt, welches man bisher nur als eine neue Bürgschaft des guten Einvernehmens zwischen dem Haupte und dem ältesten Sohne der Kirche aufgefaßt hat, alles dies kann nicht verfehlen, dem diplomatischen Actenstücke, welches soeben in der ewigen Stadt eingetroffen ist, eine mehr als gewöhnliche Bedeutung zu verleihen. Vielleicht ist es auch kein bloßer Zufall, daß der Charivari, welchem bekanntlich sehr scharf auf die Finger gesehen wird; heute gleichfalls Wer die Politik des Cardinals Antonelli, mit besonderer Bezugnahme auf die Affaire Coen, seine Geißel schwingt." Jndeß heißt es an einer andern Stelle: „Es ist kaum zu bezweifeln, daß abermals ein kaltes, unbeugsames: Non possumus 1 aus Rom zurücktönen wird. Schweiz. Aargau, 25. August. (Privatmitth.) Die vollständige Gleichstellung der schweizerischen Israeliten ist in ein neues Stadium getreten. Nach Würdigung der Gutachten, welche von der Justiz- und Policeidirection über den schweizerischen Handelsvertrag mit Frankreich erstattet wurden, hat der aargauische Regierungsrath .eine Vorstellung an den Bundesrath beschlossen, dahin gehend: Es möchten gleichzeitig mit der Genehmigung des Handelsvertrages von der Bundesbehörde die geeigneten Schritte gethan werden, um auch den schweizerischen Israeliten im Umfange der Eidgenossenschaft die bürgerliche Gleichstellung zu verschaffen. » Rußland. St.-Peteröburg, 1. August. (Privatmitth.) Während in der Zeitung des Judenthums nur zu oft von den manchmal traurigen Zuständen verschiedener Gemeinden Deutschlands und anderer Länder berichtet wird, geschah bis jetzt von den Zuständen in der neugebildeten Gemeinde zu St.-Petersburg keine Erwähnung. Dieses ist um so unbegreiflicher, als der riesengroße Schritt, den die Emancipation der Juden in Rußland, Dank der wohlwollenden, aufgeklärten Regierung des Kaisers Alexander, gemacht: die Gestaltung einer legalen Gemeinde in Petersburg, während noch vor wenigen Jahren Juden kein Recht hatten, sich einige Tage in dieser Stadt auszuhalten, die Berufung eines deutschen Rabbiners, die Gründung einer Gesellschaft zur'Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands — Ereignisse sind, die das Interesse der ganzen gebildeten Welt auf sich ziehen müssen. Vor etwa 9 Jahren bekam ein -zu großen Reichthümern gelangter und als Muster der Wohlthätigkeit bekannter Mann, Banquier Günzburg, das Recht, sich in Petersburg uiederzulassen, um sein Bauquiergeschäft zu eröffnen. Etwas später bekamen auch Kauflcute 1. Gilde (Großhändler) und andere Personen das Nieder- 37**

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