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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-06 · Heft 37 (6.9.1864) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 37 (6.9.1864)
Date
1864-09-06
Page
Seite 583 (sequence 13)
Language
German
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583 «nd wohlhabende Familien., welche früher koscher gelebt , jetzt sich genöthigt sehen, einen christlichen Tisch zu führen. Die Gründung eines Monopols zum Verkauf von ungesäuertem Brot war die Ursache, weshalb die Begehung des Osterfestes in diesem Jahre mit Unannehmlichkeiten eigener Art verbunden war. In früheren Jahren, als Petersburg einen Soldaten-Rabbiner hatte, übernahmen es ein paar Soldaten, die sich seit jeher damit befaßten, die nöthige Quantität Matze zu besorgen. Ein Theil wurde hier gefertigt, der übrige von auswärts, aus Nowgorod, Wilna und anderen Städten hereingeführt, und keiner hatte dabei über Beschwerden beim Einkauf oder über Mangel an Matze zu Ostern zu klagen. Alle waren immer reichlich versorgt und die Qualität ließ nichts zu wünschen übrig. In diesem Jahre sollte es anders werden. Ein jüdischer Soldat, der sich mit dem Matzenbacken früher abgegeben, verschaffte sich kurz vor Ostern die Concession, ausschließlich ungesäuertes Brot zu liefern; alle Concurrenz und jede Zufuhr von außen wurde verboten. Die Folgen dieses Verfahrens waren leicht vorauszusehen. Wenn früher Zufuhr nothwendig war, um die verhältnißmäßig geringe Zahl der hiesigen jüdischen Familien mit Matze zu versorgen, wie konnte man sie jetzt, wo die Anzahl der Juden so bedeutend zugenommen, entbehren? Einige Tage vor Ostern mußte also das Verbot einer Zufuhr, wegen der Unmöglichkeit, die nöthige Quantität Matze zu liefern, wieder aufgehoben und ein bedeutendes Quantum aus anderen Städten verschrieben werden, das aber freilich ziemlich spät ankam. Den Tag vor Pessach war noch ein großer Theil der hiesigen Juden nicht mit Matze versehen. Doch das Brot war trotz des höheren Preises schlecht. Eine allgemeine Unzufriedenheit gab sich kund. Ich könnte Ihnen, wenn der Raum Ihrer Zeitung es nicht verböte, einen ausführlichen Bericht über einen kürzlichen Vorfall geben, wo die Beerdigung einer 83jährigen alten Jüdin, nachdem die Leute bereits versammelt waren, einen ganzen Tag wegen Zeugnisse, die früher für überflüssig erklärt worden, aber in der Stunde der Beerdigung gefordert wurden, unter unsäglichem Leiden der Angehörigen hingehalten wurde, so daß sie erst abends 8 Uhr stattflnden konnte. ES war eine durchaus traurige und wenig ehrenvolle Geschichte. Ist es nach diesem allem zu verwundern, wen« sich mehr und mehr Stimmen gegen die neue Ordnung oder vielmehr Unordnung erheben? Es sei mir hier nur noch erlaubt, hinzuzufügen, daß bis jetzt noch keine hier doch so unentbehrliche Elementar-Schule für arme Kinder ins Leben gerufen ist, trotz dem Bestände der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands und trotzdem das Einkommen der Gesellschaft sich auf 8000 R.S. jährlich erstreckt, während christliche Missionäre der Juden bereits ihr schlaues Netz um das hiesige Judenthum ausgeworfen und eine Schule für jüdische Kinder errichtet haben, wo schon mehr als 3l>, unter dem Vorwände, Unterricht zu genießen, zum Christenthume bekehrt werden. Anzeigen. Zum 1. November c. wird an hiesiger israelit. Religionsschule die zweite Lehrerstelle, verbunden mit 225 Thlr. jährlichem Gehalt, vacant. Geprüfte Lehrer, die auf diese Stelle reflectiren, belieben unter Franeo-Einsendung ihrer Zeugnisse sich baldigst bei uns zu melden. Lehrer, die mit musikalischen Kenntnissen ausgerüstet und einen Choralgesang zu leiten im Stande sind, haben ein höheres Gehalt zu erwarten. Preuß.-Stargardt, den 26. August 1864. Der Vorstand des Synagogen-Bezirks. _ I. Goldfarb._ Für unsere aus 50 Mitgliedern bestehende Gemeinde suchen wir zum •jet einen unverheirateten Schochet und Hilfslehrer, der außer den Revenuen der Schechita ein Einkommen von 200 Thlr. zu gewärtigen hat. Frankirte Bewerbungsgesuche sind* an unseren Geistlichen, Herrn Ahrenfeldt, baldigst einzureichen. Anclam, den 18. August 1864. Der Vorstand der Sgnagogen-Gemeinde. Hauslehrer gesucht. Für meine drei Kinder, im Alter von 9, 7 und 6 Jahren, suche ich zum baldigen Eintritt einen Hauslehrer, der außer in Religion und den Elementarfächern, auch in den Anfangsgründen der französischen und englischen Sprache, womöglich auch in der Musik Unterricht zu ertheilen befähigt ist. Reflectanten bitte ich, unter Angabe ihres bisherigen Wirkungskreises, mit mir in Correspondenz zu treten. Lüdenscheid in Westfale», den 28. August 1864. Robert Leunhof.

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