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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-06 · Heft 37 (6.9.1864) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 37 (6.9.1864)
Date
1864-09-06
Page
Seite 580 (sequence 10)
Language
German
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Berlin, 23. August. (Privatmitth.) Der Ende Juni verstorbene Rentier Lesser Joras hat sein Vermögen, das eine Viertel Million betragen soll, dem Auerbach'schen Waisenhause vermacht. Ferner hat der am 17. August gestorbene Rentier Moritz Friedländer von seinem Vermögen die Summe von 100,000 Thalern zu wohlthätigen Zwecken hinterlassen. — Der „Kleine Reactionär", womit die Feudalen dem „Kladderadatsch" Concurrenz machen wollten und in welchem die Caricaturen der Juden die Hauptrolle spielten, geht ein, und die Unternehmer sind wegen Nichtbezahlung der Zeichner und Mitarbeiter verklagt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Szegedin, im August. Herr Leopold Löw, Ober- Rabbiner in Szegedin, wurde in der verflossenen Woche wegen zweier Artikel vom szegediner Militärgerichte zu zweiwöchentlicher Gefängnißstrafe verurthcilt. Der szegediner Militär-Commandant, Graf Erbach, hat jedoch dem Berurtheilten die Strafe nachgesehen. Fünfkirchen, 10. August. (Privatmitth.) Am 8. dieses erfreute sich die hiesige israel. Musterhauptfchule einer durchgreifenden Visitation von seiten des Herrn königl. Rathes und Schulen-Oberdirectors Rudolf von Kädos. Derselbe verweilte in Gesellschaft des hiesigen Herrn Bürgermeisters Josef v. Nagh, des Herrn Realschulen-Directors Szauter und des an der kathol. Musterhauptschule fungirenden Professors Varga, trotz der enormen Hitze, von 3 Uhr nachmittags bis 71/« Uhr abends in den Localitäten der Schule und prüfte in jeder einzelnen Classe die Umrisse aus allen Lehrgegenständen, von der hebräischen. Sprache angefangen bis hinab auf die gymnastischen Körperbewegungen und den Gesang. Wir können es gegenüber der guten Sache nicht verhehlen, daß die zeitgemäße Einführung des Alternir-Shstems zu Anfang des lausenden Schuljahres auf die Hebung der Schule vortheilhaft cingewirkt hat. , Die Musterhauptschule hat der Gemeinde und der Behörde den Beweis geliefert, daß sie der Stimme der Zeit Gehör schenkt und bemüht ist, .hauptsächlich jüdisches Wissen und die vaterländische Sprache zu pflegen. Die Lehrer der Jugend leben miteinander und mit dem Lehrer der Erwachsenen, unserm Herrn Oberrabbiner Ehrlich, in friedlichster Eintracht, und so dürfen wir mit vollem Rechte ein gedeihliches Aufblühen unserer Lehranstalt erwarten. Voller Anerkennung der Leistungen .übergab der Herr Bürgermeister nach Beendigung der Jnspection mehrere neue Silbermünzen zur Vertheilung als Prämien für die besten Schüler einer jeden Classe. Schulhof. Italien. Rom, im August. Zum jüngsten Mortarafall. Aus Rom wird geschrieben, daß die Mutter des geraubten Knaben Cocn verhaftet worden ist. Ihr verzweifeltes Gebaren hat die Aufmerksamkeit der römischen Policei erregt. Die Mutter war vor Schmerz über den Raub ihres Sohnes fast wahnsinnig geworden, und so hat man sie in Gewahrsam gebracht. In Frankreich erregt die Angelegenheit des in Rom seinen Eltern entzogenen israelit. Knaben Coen ungeheures Aufsehen, so daß sich die Regierung sogar genöthigt sieht, dagegen zu remoustriren, wie uns aus Paris telegraphirt wird. TempS erklärt das kaiserliche Regime geradezu für mitschuldig an solchen „gewaltthätigen Eingriffen in das bürgerliche Leben", da denselben nur allein durch die französische Occupation Roms Raum gelassen werde. Aus Rom meldet man, daß der französische Gesandte, Graf S artiges, in dieser Angelegenheit Schritte gethan habe, aber ohne Erfolg. Infolge dessen scheint nun die Note Drouin de Lhuhs' erflosseu zu sein. Nach dem Courier du Dimanche soll die römische Negierung dem französischen Gesandten den Einwurf gemacht haben, daß der junge Eben, als man ihn befragt und angehört, den unerschütterlichen Entschluß kundgethan habe, Christ zu werden (der 11jährige Knabe!!), und daß, so lebhaft auch der Wunsch der päpstlichen Regierung fei, dem Wunsche Frankreichs nachzukommen, es nicht vom heiligen Stuhle abhänge, einem so fest ausgesprochenen Willen «ntgegmzuhändeln. In dieser Situation blieb dem Grafen Sartiges nur übrig, nach Paris zu referiren, was er that, indem er einen sehr ausführlichen Bericht an Herrn Drouin de Lhuhs absendete. Die dem Courier aus Rom zugehcnden Nachrichten melden, daß das Tnilerien-Cabiuet keineswegs gezögert hat, einen Entschluß zu fassen, und daß dem dortigen französischen Gesandten detaillirte Instructionen zugegangen sind. Er glaubt kein Dementi befürchten zu müssen, wenn er auf das bestimmteste ver-

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