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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-09-06 · Heft 37 (6.9.1864) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 37 (6.9.1864)
Date
1864-09-06
Page
Seite 578 (sequence 8)
Language
German
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578 aber selbst, soweit derselbe vorliegt, trotz der vielen Dunkelheiten der arabischen Erklärungen, leistet er dennoch zum Verständnisse der Mischna rc. die vortrefflichsten Dienste. — Dankbar müssen wir es endlich hervorheben, daß der Hr. Vers, auch hie und da manches neue Citat allegirt hat, und wir benutzen darum die Gelegenheit, auf unsere Hypothese Nr. 15 in Betreff der Bedeutung des Wortes •ptaip3, Aruch s. o. ^p2, zurückzukommen. Hr. L. führt noch eine Stelle an i-Jalkut 4 B. M. 25, 6 und Sifre z. St.), woselbst die Nakranim erwähnt werden. Ebenso fanden wir auch Nedarim 49. li., bxnrn ^->p2, citirt — und bei sorgfältiger Prüfung aller Stellen hat es sich uns immermehr herausgestellt, daß unter Nakranim irgend eine christliche und gnostische Secte verstanden sei, welche sich besonders spöttische Bemerkungen über die Erzählungen der Thora u. s. w. erlaubte. Nicht minder scheint die Differenz in Betreff der Formel des Tischgebetes, wo die a^ps auf die Benediction: -abattia anstatt ^22, so großes Gewicht legten, von bei den Nazarenern nach den abgehaltenen Agapen, Liebes- und Abendmahlen gebrauchten Segensformeln herzurühren, und auch die Stelle Nedarim dürfte auf ein gewöhnlich bei den Agapen üblich gewesenes Gericht zu beziehen sein! — Vielleicht findet sich bei den Kirchenvätern und namentlich bei den syrischen Scribenten eine Spur der Nakranim, und es wäre uns sehr lieb, wenn ein mit der Patristik wohlvertrauter Gelehrter unsere Conjectur einer näheren Prüfung unterziehen möchte. Rabb. D. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, im August. (Privatmitth.) Ihre geschätzte Zeitung hat seit lange über hier und die hiesigen Gemeindeverhältnisse nichts berichtet. Ob dieses ein gutes oder böses Zeichen, will ich dahingestellt sein lassen. Jedenfalls läßt sich daraus auf eine stille Friedfertigkeit und friedliche Stille schließen. Doch dürfen diese keineswegs mit einem gänzlichen Stillstände verwechselt werden. Daß in unserer Gemeinde der fromme religiöse Sinn keineswegs erstorben, beweist wohl zur Genüge die Stiftung, deren Gründung ich Ihnen zu berichten das Vergnügen habe. Wie sehr man auch, und wohl mit Recht, in allen Gemeinden über Jndifferentismus klagt, wo noch, wenn auch Einzelne, für das Judenthum so warm fühlen, da muß auch die Religiosität überhaupt in starken Schlägen pulsiren. Der Banquier Herr Samson Selig Golbschmidt von hier, ein Mann, der überhaupt für seine Religion ein sehr warmes Interesse stets genommen hat und nimmt, hat nämlich zur Kräftigung und Förderung des Judenthums ein Capital von 25,000 Thalern hingestellt, um von dessen Interessen für alle Zweige des Wissens jüdische Jünglinge, beziehungsweise Jungfrauen, durch Stipendien zu unterstützen. Herr Goldschmidt geht nämlich von der Ansicht aus, daß durch Förderung von Wissenschaft und Kunst unter seinen Glaubensgenossen auch das von ihm geliebte Judenthum, dem er mit ganzer Seele anhängt, gefördert werde. Durch seine Stiftung will er diesem direct, aber auch mittelbar dadurch nützen, daß auch den fähigen, begabten Kindern unbemittelter Eltern die Ergreifung eines wissenschaftlichen Berufs erleichtert oder gar ermöglicht werde. Abgesehen von der Wohlthat, welche den Stipendiaten selbst erwiesen wird, halten wir die Stiftung des Herrn Goldschmidt für um so verdienstlicher, als, nach den neuesten Erfahrungen, unsere reichen Glaubensgenossen selten mehr einen Sohn ausschließlich der Wissenschaft sich widmen lassen, was nach den Zeitverhältnissen, besonders den politischen in Deutschland, ihnen auch gar nicht zu verargen ist. Man wird sich erinnern, daß, wo die Hörsäle der Universitäten den Juden sich öffneten, vorzugsweise die Reichen ihre Söhne studiren ließen. Ein großer Theil dieser Gelehrten mußte später einen andern Beruf ergreifen. Und wie viele Juden finden selbst noch heute so leicht eine Anstellung? Und doch ist es wünschenswerth, unaussprechlich wünschenswerth, daß auch das Judenthum in den verschiedenen Wissenschaften seine Vertreter habe. Nur möchten wir wünschen, daß die jüdischen Gelehrten und Künstler, auch wenn sie keine Rabbiner sind, Interesse für das Judenthum haben möchten, was leider nicht bei allen, die es bis zum Professor gebracht haben, der Fall ist. Vielleicht wirkt auch in dieser Beziehung die Stiftung des Hrn. Goldschmidt wohlthätig. — Von den mit Hilfe dieser Stipendien die Staffel des Gelehrten ersteigenden jüdischen Jünglingen wird man doch erwarten dürfen, sie bewahren sich ein Herz für das Judenthum und seine Bekenner. Doch ich will, so stark die Versuchung auch ist, aus dieses Thema nicht weiter eingehen, son-

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