Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1864)
- Date
- 1864-09-06
- Page
- Seite 576 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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576 solchen Garantien umgeben wird, und dies ist nicht schwer, daß die Gemeinden ihre Beiträge in sichersten Händen wissen, und nur erst ein Anfang gemacht ist, so wird sich die Mehrzahl derselben ihm nicht entziehen. So viel Sinn für Wohllhätigkeit, so viel jüdisches Herz müssen wir noch voraussetzen, wozu dann die immer mehr durchdringende Einsicht kommen wird, daß die Gemeinden selbst den größten Vortherl daraus ziehen. Wo aber nicht, so wir uns hierin getäuscht hätten, so ist es Sache der Lehrer selbst, die Gemeinden dazu zu nöthigen. Es kommt hier wiederum auf den Gemeinsinn, auf den esprit de corps an, der in den Lehrern sein mußte. Denn wenn der Verein jeden Lehrer, der sein Mitglied sein will, verpflichtet, keinen Contract mit einer Gemeinde abzuschließen oder zu erneuern, ohne diese zur Zahlung des respectiven, für sie so unbedeutenden Beitrages zum Vereine zu verbinden, so würde hiermit jede Schwierigkeit gelöst sein. Der Verein träte hier statt des Staates ein, der die erforderlichen Beiträge auf die Kreise umlegt. Wir geben zu, daß dieser Gedanke gegenwärtig noch etwas kühn ist, daß er einer weitern Entwickelung bedarf, um realisirt zu werden. Wenn die Erfahrung größer und sicherer geworden, so wird dessen Entbehrlichkeit oder Notwendigkeit sich Herausstellen. Jedenfalls glauben wir aber erwiesen zu haben, daß jeder Unterstützungs-Verein für jüdische Lehrer auf das Princip der Gemeindebeiträge basirt werden muß und daß die Kräfte der Lehrer allein niemals genügen können, um auf eine lange Zukunft hin die sehnlichst gewünschten Erfolge zu erreichen und zu sichern. Wir geben dies allen in der Bildung begriffenen Lehrer-Vereinen zu ernstlicher Erwägung. Diese Ansichten waren es auch, welche wir in der zu Mainz am 22. und 23. August stattgefundenen Lehrer- Versammlung zur Gründung eines Lehrerunterstützungs- Vereins für ganz Deutschland aussprachen und geltend machten, und hatten wir die Befriedigung, daß sie, wenn auch nur theilweise, durchdrangen und das Statut hiernach umgestaltet wurde. Die Versammlung zählte nicht ganz 50 Anwesende, worunter die Rabbinen Dr. Aub aus Mainz, Dr. Landsberger aus Darmstadt, Dr. Rosenfeld aus Worms, Dr. Rothschild aus Alzey und der Redacteur d. Bl. Außerdem auch der Kaufm. Louis Lehmann aus Homburg als Mitglied des provisorischen Comites. Das letztere besteht aus dem Dr. Rothschild, den Lehrern Klingenstein, Marx und einigen Herren, die nicht zugegen waren. Der Gemeindevorstand zu Mainz hatte bereitwillig seinen großen Sitzungssaal zur Verfügung gestellt. Die Debatten wurden unter dem Vorsitze des vr. Rothschild lebhaft, aber in parlamentarischer Ordnung geführt. Die Begeisterung für den heiligen Zweck und für ein einträchtliches Wirken belebte alle Anwesenden. Das vorgelegte Statut wurde in allen nöthigen- Punkten nach reiflicher Discussion verbessert. Als die wichtigeren Punkte heben wir hervor, daß jede Gemeinde durch Zahlung von mindestens jährlich 4 Thalern die Mitgliedschaft für ihren Lehrer erwerben soll, daß im andern Falle der Lehrer jährlich 2 Thaler Beitrag zahle und dieser durch den Verkauf von Vereinsschriften nicht ersetzt, sondern jedem Verkäufer eine angemessene Provision bewilligt werden solle. Obgleich diese Sätze uns noch nicht genügend erscheinen, so mußten wir sie doch mit Rücksicht, daß erst weitere Erfahrungen gemacht werden müssen und statutenmäßig in 6 Jahren eine Revision des Statuts eintreten soll, diesen Beschlüssen beiftimmen. Auf den Antrag des Schreibers dieses wurde das bisherige provisorische Comit6 zum definitiven erwählt; die Wahl zum Stellvertreter mußte er aber aus Mangel an Zeit ablehnen und wurden zu Stellvertretern die Herren Dr. Aub und Dr. Dessauer gewählt. Auf unfern Antrag soll der erste Schritt des Comites eine Denkschrift an alle Gemeinden Deutschlands sein, in welcher eoncinn, warm und überzeugend die Lage der Sache dargestellt und die Gemeinden aufgefordert werden, dem Vereine in der oben angegebenen Weise beizutreten. Wir wünschen von Herzen der guten Sache einen gottgesegneten Fortgang! Literarischer Wochenbericht. Gr.-Becskerek, 19. JulitrTiM , yrsfe ud'yt dm -iwdr d-wöSt: b2 Die Mnemotechnik des Talmuds. Eine historisch kritische Untersuchung von Jacob Brüll, Rabb. in Kojetein. Wien, 1864. Selbstverlag des Verfassers. 8°. 54 S. Das Studium des Talmuds haben die Alten oft nicht mit Unrecht mit einer Seereise verglichen, und sie nannten geradezu den Talmud das große Meer, vnnbnn ny Der ungeheure Stoff, den ganze Generationen durch fast 50 0 Jahre aufgespeichert, ist im Laufe der Zeit zu einem wahren Labyrinthe herangewachsen, wo der Uneingeweihte vergebens den sicher leitenden Ariadnefaden sucht — und nur