Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1864)
- Date
- 1864-08-30
- Page
- Seite 565 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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5VS ein Artikel des Giornale di Roma erklärt, daß die Kirche ihren Willen dem Rechte des Vaters auf sein Kind vorhergehen lasse. Aber, fragt man mit Recht, welcher katholische Vater, wie glaubcnseifrig auch immer er sei, würde diesem Rechte entsagen wollen? In Rom, scheint es indeß, fühlt man auch, daß namentlich die Väter allüberall diese Handlungsweise verdammen. Man hat deshalb dem Vater Michael Coens 20,000 Francs angeboten, damit er in den Aufenthalt seines Sohnes im Kloster der Katechumenen willige. — Der alte arme Israelit hat dies Anerbieten verächtlich zurückgewiesen." — Ferrara, im August. (Educ. isr.) Die ständige Commission des israelitischen Congresses zu Ferrara, an ihrer Spitze Herr Moise Malvano, hat eine Petition an den Herrn Minister des Innern und in Copie an den Herrn Ritter Boncompagnie, den Referenten der Landtags-Commission über das Communalnnd Provinzialgesetz, gesandt, welche folgende Punkte enthält: 1) daß im Gesetze klar festgestellt sei, wie die Friedhöfe, welche der Commune zur Last liegen, auch die derjenigen sind, welche nicht den Cultus der Mehrheit bekennen; 2) daß die städtischen Behörden den Friedhöfen volle religiöse Freiheit bei der Beerdigung der Leichen und, wo es der Ritus vorschreibt, deren Unantastbarkeit sichern; 3) daß die städtischen Behörden den israelitischen Cultus in denselben Fällen und in derselben Weise zu unterstützen haben, in denen sie zu den Kosten des Cultus der Mehrheit angehalten sind. Aus Oberitalien, 15. August. lPrivatmitth.) Die Israeliten von Neapel haben nun wieder einen bedeutenden Schritt zu ihrer Constituirung gethan. Sie haben Herrn B. Artom (dermalen in Saluzzo) zu ihrem Rabbiner ernannt, der sein Amt am 1. September d. I. antreten soll. Es steht nun zu erwarten, daß die fernere Organisirung der Gemeinde rasch von statten gehen werde. Vom jüngsten. römischen Kinderraube werden Sie wahrscheinlich schon vernommen haben. Der Knabe Fortunato Coen von 11 Jahren wurde seinen Eltern entrissen und in die Katechumenen gesteckt. Die „UnitL Cattolica" von Turin ist so naiv zu glauben, daß die lieblich-süße, katholische Glückseligkeit athmende Erklärung des Giornale di Roma die gerechte Entrüstung über diesen neuen Mortarafall zu beschwichtigen vermöge, die sich in der italienischen Presse gegen solchen abscheulichen Unfug Luft machte. Vor mehreren Tagen ist Ritter M. von Morpurgo von Triest nach London abgereist, um das prachtvolle, dem Baronet Moses Montefiore von der Gemeinde Triests gewidmete Album sammt treffender Adresse dem gefeierten Greise eigenhändig zu überreichen; ein Zug, der Geber und Empfänger auf gleiche Weise ehrt. Es wird ferner von letzterm Orte berichtet, daß am dortigen bürgerlichen Ghmnasium bei den letzthin abgehaltenen Prüfungen von 19 Prämien 9 an israelitische Schüler ertheilt wurden, und auch unter den übrigen 23 Ausgezeichneten gab es 9 unseres Glaubens. Nicht minder erfreuliche Resultate errangen, erhaltenen Berichten zufolge, die israelitischen Zöglinge au den Schulen zu Turin, Ferrara, Ancona und Modena. In Ancona verdanken wir der Unterstützung der städtischen Behörde die Eröffnung einer israelit. Kleinkinderbewahranstalt. In Padua ist ein stark unterstützter Vorschlag zur Abschaffung der Piutim an der Zähigkeit der dortigen Tempel-Verwaltung (deutschen Ritus) gescheitert. Uebrigens sind die Piutim bereits in Mantua, Triest, Reggio und Verona beseitigt; andere Gemeinden werden in dieser Beziehung nicht lange warten lassen. Wo neue Gotteshäuser errichtet oder die bestehenden zeitgemäßer hergestellt werden, unterliegt diese Frage keinem Zweifel mehr. Die ■’jrpa man wird ihren Mitgliedern binnen kurzem die erste Lieferung ihrer Druckschriften zukommen lassen. Langsam, aber werthvoll. Türkei. Konstantinopel, im Juli. (Privatmitth.) Man wird sich erinnern, daß vor kurzem die englischen Missionäre aus Warschau ausgewiesen worden. Die k. Regierung hatte gewiß ihre guten Gründe und niemand wagte etwas dawider zu thun. So ist es nun freilich in der Türkei nicht. Was die türkische Regierung selbst in inneren Angelegenheiten thut, unterliegt der Beurtheilung und Beeinflussung der europäischen Mächte. Die „Times" selbst schreiben: „Die Bemühungen der Missionäre im Orient, der englischen sowohl wie der amerikanischen, waren seit Jahren ausschließlich auf die Bekehrung von Juden, Griechen und Armeniern gerichtet gewesen, bis sie in- 36**