Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1864)
- Date
- 1864-08-30
- Page
- Seite 566 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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566 folge der im Hatt-i-Humajum enthaltenen Stipulationen ein weiteres Feld entdeckt zu haben glaubten. Die Proselytenmachern unter den Juden und Griechen war in der That von keinen besonders glänzenden Erfolgen begleitet gewesen. Bessere Resultate hatten die Missionäre unter den Armeniern erzielt, doch vielmehr Lockendes liegt in der Bekehrung altgläubiger Türken. In dieser Richtung nun ist in der neuesten Zeit mit vielem! Eifer gearbeitet worden. Vor kurzem hat ein Türke in der Hauptstadt mitsammt seiner ganzen Familie den Islam öffentlich abgeschworen, ist zum Christenthum übergetrcten und predigt jetzt seinen Landsleuten als Missionär der englischen Kirche. So lange die Sache ohne Lärm betrieben wurde, nahm niemand davon Notiz; aufgemuntert jedoch durch diese Toleranz, sind die Missionäre seitdem in einer Weise aufgetreten, daß die Regierung aufmerksam wurde und der ersterbende Fanatismus in den Herzen der alten Muselmänner von neuem erwachte." — Man kann sich aus diesen Geständnissen ein Bild machen, wie die Missionäre verfuhren, wie sie auftraten, welcher Mittel sie sich bedienten. Man kann dies von den Missionären wohl voraussetzen; ihr Brot und ihr Ruf hängt davon ab und ein Türke ist was werth. Die Schuld tragen nur die, welche sie absenden, sie bezahlen, ihnen die Mittel geben. Die türkische Regierung machte kein Federlesen, sie ließ die Missionäre arretiren, ihre Anstalten und Buchhandlungen versiegeln. Dies war nun freilich eine allzu kurze Justiz. Die Gesandten warfen sich dazwischen, und obschon die türkischen Minister ihnen die ganze Verfahrungsweise der Missionäre und deren nichtsachtenden Zelotismus schilderten, und welchen Eindruck dies auf die Muselmänner machen müßte, so ließen sie sich doch auf Unterhandlungen ein und es ward zwischen der Pforte und dem englischen Gesandten ein Uebercinkommen geschlossen. Die Missions-Anstalten werden wieder eröffnet und den Missionären steht es frei, in ihren Kapellen und Versammlungsorten zu predigen wie bisher — jedoch nicht in den Khans und an anderen öffentlichen Orten Konstantinopels. Der Verkauf der Bibel in den Buchhandlungen ist gestattet, jedoch nicht das Hausiren damit in der Hauptstadt und ebensowenig der Verkauf oder das unentgeltliche Vertheilen polemischer Schriften gegen den Muhamedanismus. — Aus diesen Zugeständnissen der Pforte ersieht man, welche Eingriffe sich die Missionäre gestattet hatten und wieweit die . Duldsamkeit , der türkischen Regierung geht. — Tunis. Tunis, im August. Ein Missionär, welcher, in Tunis wohnhaft ist, schreibt an das Missionsblatt Jewish Intelligence: „Die jetzt in der Empörung begriffenen Stämme, die an ihrer Spitze einen Mann von großem Tacte und Verstand haben, marschiren über das Land, dringen in die Städte und Dörfer und treiben die in den Hafenstädten wohnenden Europärer auf die dieselben schützenden Kriegsschiffe. Sie sind klug und gemäßigt genug, jede Verletzung eines Ausländers zu vermeiden^ damit keine europäische Regierung einen Vorwand erhalte, mit physischer Macht zu interveniren. Der größte Exceß, den sie begangen, geschah vielleicht in Nabal, wo sie die Läden der Juden im Werthe von einer Million Piaster (circa 50,000 Thlr.) > ausplünderten, in ihre Synagoge einbrachey, einige 30 Gesetzes- Rollen verbrannten und die meisten Juden in Schreck und Betrübniß nach Tunis jagten. Mit einigen dieser unglücklichen Israeliten habe ich gesprochen und sie zeigten mir einen rührenden Aufruf, den sie verfaßt haben und an Herrn Albert Cohen, einen jüdischen Philanthropen in Paris, zu schicken-im Begriffe sind, mit der Hoffnung, daß dieser Herr ihnen durch seinen Einfluß wenigstens eine theilweise Entschädigung verschaffe." Marokko. Aus Marokko. Mau schreibt neuerdings von dort: „De» Zusicherungen, die Sir Moses Montefiore erst vor kurzem aus Marokko mitgebracht hatte, zum Trotz soll dort ein Jude neuerdings das Opfer brutaler Rechtspflege geworden sein. ' Der Vorfall wird folgenderweise berichtet: Ein Jude hatte einen Mauren vor den Vice-Gouverneur der Provinz Haha wegen einer Schuld von 90 Ducaten citirt. Der Maure erschien, und als es sich herausstellte, daß die Schuld nicht 90 sondern blos 70 Ducaten ausmache, befahl der Vice-Gouverneur acht Soldaten, den Juden zu prügeln. Während die Procedur sich in Gang befand, ging der Vice-Gouverneur . nach Hause und die Soldaten, welche sich nicht getrauten, mit der Strafe ohne Befehl einzuhaltey, prügelten fort, bis der Jude todt