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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-08-30 · Heft 36 (30.8.1864) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 36 (30.8.1864)
Date
1864-08-30
Page
Seite 560 (sequence 6)
Language
German
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560 Prager. Die Judah - Turo - Anstalt für Wohnungen ist prachtvoll; im Stile der englischen Colleges errichtet, besitzt sie 25 Wohnungen nebst 2 Synagogen. Ich schreibe unmittelbar dem würdigen Sir Moses Montefiore, der mir anzeigte, daß noch eine bedeutende Summe vorhanden sei, er könne nichts Besseres Ihun, als diese Wohlthat zu verdoppeln. Die Zufluchtshäuser im Innern der Stadt sind 16 an der Zahl, höchst zweckmäßig und fest, und enthalten nebst einem Betzimmer Wohnungen für eine gewisse Anzahl Familien. Ich fand auch nicht die mindeste Opposition gegen die Gründung einer europäischen Mädchenschule. Bevölkerung, Wohlstand und Thätigkeit der Bevölkerung ist in starker Zunahme; ich glaube, wenn man 4000 Sephardim, 2800 Askenasim und 500 Karaiten (?) rechnet, im ganzen also 7300 Juden, so ist man nicht weit von der Wahrheit entfernt. Sehr schöne Magazine und Geschäfte aller Art sind in den Händen der Juden, und ein gewisses Ehrgefühl ist den seit 10 Jahren bestehenden Anstalten und dem ihnen entströmenden Geiste zuzuschreiben. Manche andere Verbesserungen können noch eingeführt werden, über die ich mich ein anderes Mal aussprechen werde. Einer in ihrer Art einzigen Feier will ich noch erwähnen, die am 29. Juli in Damaskus bei der Grundsteinlegung der jüdischen Knaben- und Mädchen-Schule staltfand. Größtentheils auf Anregung des französischen Consuls Hecquard und der finanziellen Thätigkeit des Schemajah Angil, der bei 50,000 Frcs. spendete, ward das Gebäude ein wahrer Palast; eine neue kräftige Jugend wird in dieser 8000 Seelen zählenden Gemeinde erwachsen. In Gegenwart Ruschdi Pascha's, Gouverneurs von Damascus, Hecquard's, französischen Consuls, des russischen, österreichischen und preußischen Consuls (der englische war in Balbek abwesend) sprach ich den Pascha auf arabisch, die Confuln auf französisch, die Gemeinde auf hebräisch an, wies in kurzen Worten auf die Ereignisse von 24 Jahren hin und wie jetzt durch einen französischen Consul Leben hervorgerufen würde. In den Grundstein wurden Münzen von Abdul-Azid und Napoleon gelegt. Ruschdi-Pascha gab eine sehr wohlwollende Antwort. Im Namen des Herrn von Rothschild gab ich dieser Schule 2000 Frcs., sowie in Jerusalem, Hebron, Zephat und Liberias 6500 Frcs., außer einer Rente von 100 Frcs. für den sei. Baron Salomon. Albert Cohn. Die Spekulation in der tvohllhätigkeit. Wir haben vor kurzem in diesem Blatte über ein Comi16 berichtet, das sich zu Berlin zur Anlegung jüdischer Ackerbau-Colonien in Palästina gebildet hat und vorläufig vom Publicum 50,000 Thalerfordert. Wir haben unsere Zweifel geäußert, daß der Plan überhaupt realisirbar sei, da die Beschaffenheit des Landes unter dem gegenwärtigen Regime durchaus keine Gewähr für die Sicherheit des Besitzes und noch weniger des Ertrages der aufgewandten Arbeit und Capitalien bietet. Das Jewish Chronicle in London erhebt unsere Zweifel zur Gewißheit, indem es aus den limes und dem Briefe eines Rajah Mittheilungen über die Verhältnisse in Palästina bringt, aus welchen wir das Wichtigste herausheben und denen wir einige Bemerkungen hinzufügen wollen. Es heißt dort: „Was die Juden insbesondere betrifft, so frägt es sich sehr, ob die Herrschaft des Gesetzes so stark in Palästina ist, um dieselben außerhalb der Stadtmauern gegen die wilden, fanatischen Araberhorden zu beschützen, die ihnen, wenn auch nicht das Leben, doch jedenfalls die Ernte und die Herden entreißen würden. Auf den ganzen Ackerbau in Palästina aber drückt außerdem eine ganz ungemeine Last in den unerschwinglichen Abgaben. Da die Steuer in Naturalien im Verhältniß zu der Quantität des Produktes erhoben wird, so darf das Korn nicht geschnitten werden, bis die Steuerbeamten ihren jährlichen Besuch gemacht haben, um den Betrag zu schätzen und festzustellen. Und da türkische Beamte nicht einmal durch ihr eigenes Interesse aus ihrer Trägheit aufgerüttelt werden können, so ergibt sich jedes Jahr ein bedeutender Verlust am Einkommen, während manche fleißige Bauern zu Bettlern herabsinken, blos weil sie ihre Ernte nicht zu berühren wagen, ehe sie einer Jnspection unterworfen worden, die oft sich so lange hinausschiebt, daß das Korn zu Grunde geht, ehe sie stattfindet. Die Steuer, „der Zehnte" genannt, beträgt in Wahrheit 20 Procent der gesammten Ernte, was doch schon eine hinreichende schwere Bürde für den Ackerbauer ist. Aber die Beamten schätzen noch stets die Menge des Kornes doppelt so hoch, als sie in Wirklichkeit ist, wenn sie nicht durch starke Bestechung zur Milde bewogen werden. Von wenigstens 30 Soldaten begleitet, müssen die Beamten sammt ihrem Gefolge und ihren Pferden von dem Bauer, den sie abschätzen, erhalten werden. Dies ist noch nicht

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