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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-08-16 · Heft 34 (16.8.1864) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 34 (16.8.1864)
Date
1864-08-16
Page
Seite 531 (sequence 9)
Language
German
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amtlich entschieden, er gehöre in die dritte Wählerclasse, da die Gemeindewahl-Ordnung nur von „Ortsseelsorgern", nicht aber von Rabbinern rede. Auf die von dem Rabbiner an die Statthalterei gerichtete Berufung gelangte aber an das Bezirksamt nachstehende Entscheidung: „Nach §. 15 der Gemeindewahl - Ordnung gehören die Seelsorger in den ersten Wahlkörper. Ob sie dieser oder jener gesetzlich anerkannten Confession angehören, unterscheidet das Gesetz nicht. Der legal angestellte Rabbiner einer israelit. Cultusgemeinde ist unbezweifelt als der Ortsseelsorger derselben anzusehen. Ueber die ... . Hieramts eingebrachte Berufung wird daher unter Behebung des bezirksamtlichen Erkenntnisses endgiltig entschieden, daß der Genannte in die erste Wählerclasse der Stadt einzureihen sei. Prag, 25. Juli 1864. Graf Belcredi." — Vor etwa 8 Tagen kam eine israelit. Mutter mit ihrem Säugling in die leopoldstädter Kinder-Bewahranstalt und bat um Uebernahme des Kindes auf wenige Stunden. Allein sie kam nicht wieder und die Direction der Anstalt wendete sich daher an die Policeibehörde mit der Bitte, bezüglich der Unterbringung des KindeS Mittel und Wege zu schaffen. Der Policei steht zur Unterbringung von Kindern nur das Findelhaus zu Gebote; aber nach den Statuten desselben hätte das Kind getauft werden müssen, um Ausnahme zu finden. Die Police! wendete sich deshalb an die hiesige israelit. Gemeinde mit der Anfrage, ob sie das Kind in Pflege und Erziehung übernehmen wolle. Die Gemeinde-Vertretung antwortete zustimmend und so bleibt das Kind vor der Hand in der israelit. Kinder- Bewahranstalt in der Leopoldstadt. — Am 30. Juli vormittags veranstalteten die Vorsteher der städtischen Synagoge in Lem berg eine Trauerandacht für die in Schleswig-Holstein gefallenen israel. Soldaten, an welcher sehr viele Personen theilnahmen, von denen jede als Eintrittsgeld 10 kr. zahlte, so daß ein Betrag von mehr als 90 fl. zusammenkam. Die Hälfte davon, nach Abzug der Kosten, wurde dem Gablenz-Fonds gewidmet, die andere Hälfte für die Synagoge. — Bei der in Groß-Meseritsch in den letzten Tagen des vorigen Monats vorgenommenen Neuwahl der Gemeinde-Repräsentanz legte das Wahlergebniß ein sprechendes Zeugniß für die freundschaftliche Collegialität zwischen den katholischen und israelitischen Religionsgenossen ab, indem von letzteren sechs in die Ge- I; meiydevertretung, und zwar zu Gemeinderäthen, und in den Ausschuß der Cullusvorsteher Herr Beer, daxin die Herren Gerson Müller, Kellner, Löwenstein, Schurey, und in den Gemeinderath Herr Wilhelm Bäck gewählt wurden. — Dem P. Naplo schreibt man von einer schrecklichen Feuersbrunst, die in Jzsaak am 29. Juli wüthete. Wahrscheinlich infolge absichtlicher Brandlegung brannten das Haus des Rabbiners, das große Gemeinde- Wirthshaus, die Fleischbank, zwei große Mühlen, ein Mühlhaus, die jüdische Schule, das Haus einer armen Witwe, die Wohnung des Glöckners, das Badehaus, die Synagoge und der Friedhof ab. Das Schrecklichste ist, daß diesem Brande sechs Menschenleben zum Opfer fielen, und zwar: die sechs Kinder des Rabbiners, dessen schöne 19jährige Tochter, die verlobt war, — ein 24jähriger Schneidergeselle, — ein 17jähriger Jüngling, der seinem Vater beim Unterricht half, — ein IZjähriger Knabe und zwei Mädchen von 11 und 9 Jahren. — Am schrecklichsten ist die Lage deö Rabbiners, der abwesend ist und wenn er mit der Mitgift seiner Tochter nach Hause kommt, nur Trauer und Ruinen finden wird. Beim Löschen zeichneten sich außer den Gensd'armen der katholische und der reformirte Geistliche aus, welche mit großem Muth die sehr werthvollen Mobilien eines Israeliten, namens Deutsch, retteten. Versichert waren nur das große Wirthshauö und die zwei Mühlen. Fünfkirchen, Anfang August. (Privatmitth.) Nach den vielen „Stürmen in einem Glase Wasser", die im jetzt entschlummerten „Magyar izraelita“ ihren lebendigen Ausdruck gefunden, konnte ich mir es während meines kurzen Aufenthaltes in der Landeshauptstadt nicht versagen, eines der daselbst bestehenden Institute, die israel. Musterhauptschule und die damit vereinigte Lehrer-Bilduugsanstalt, zu besuchen, um nach Wahrheit an der Quelle zu forschen. Bei den ewigen Schmähungen aller Art, welche gegen dieses Institut in den Spalten des genannten Blattes colportirt wurden, mußte ich beinahe wähnen, hier, anstatt eines zeitge- - mäßen rationellen Unterrichtes, wie man ihn in der Metropole des Landes mit Recht erwarten darf, sich breitmachende Philisterhaftigkeit, gepaart mit Unwissenheit und Charlatanismus, oder mindestens Germanisationsgelüste anzutreffen. Mit dieser Boreingenommen- \ heit chargirt, machte ich mich nun auf den Weg, um 34

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