Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- Seite 529 (sequence 7)
- Language
- German
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529 deshalb fielen sie auch von der Gotteslehre ab, weil fie sich von Jerusalem und dem Tempel als der Hauptstadt des Reiches Juda unabhängig machen wollten. — Herr W. schreibt der Stimme Mosis eine so ungeheuerliche Kraft zu, daß sie sich mitten durch den Donner und das Trompetengeschmetter vernehmbar machen konnte, nämlich mehreren Millionen Menschen vernehmbar — etwas, das physisch rein unmöglich ist. Das nennt Hr. W. Kritik. — Alle Stellen, wo vom Jom Kippur die Rede ist, will Hr. W. streichen, denn, sagt er, es ist niemals während res Lebens Mosis gefeiert worden. Aber wird denn außer dem Pessach der Feier der anderen Feste bei Mosis Lebzeiten gedacht? Ferner meint er, da das Laubhüttenfest nur vier Tage später war, so hätte Moses die Versammlung der Israeliten um vier Tage früher anordnen müssen — so wenig verstand Hr. W. den Charakter der drei Wanderfeste und den Zweck der Versammlung in Jerusalem als Freuden- und Verbrüderungsfeste. Daß Hr. W. hätte einsehen sollen, daß, da er doch selbst die Siebenzahl bei dem Sabbath, dem Erlaß- und Jobeljahr auerkennt, durch die Streichung dieses Festes die Siebenzahl aller Feste des Jahres aufgehoben würde, verlangen wir nicht von ihm. — Gegen die Beschneidung wendet Hr. W. ein, daß, wenn der liebe Gott sie für recht und gut angesehen hatte, dann würde er die Menschen so geboren werden lassen. Wir erwidern ebenso oberflächlich, daß er dann die Nägel und Haare ebenfalls abgekürzt und die Speisen der Menschen gleich gekocht auf die Welt habe kommen lassen müssen. — Wir müssen hier, um nicht zu weitläufig zu werden, die Kritik dieses Capitels schließen, um Herrn W. noch zu seiner Betrachtung des Talmuds zu folgen. Wir fügen nur noch eine Bemerkung hinzu. Hr. W. meint von vornherein, daß er für eine entlegene Zukunft schreibe. Er ist aber hiermit in einem Jrrthum. Unsere Zeit ist nicht mehr dazu angethan, daß ein Autor erst für eine entlegene Zukunft schreibe. Bildung und Wissenschaft sind jetzt so weit gediehen, um an und in ihnen sofort den Prüfstein für neue Erscheinungen zu haben. An jede neue Erscheinung machen sich sofort viele ernste und scharfsichtige Geister, um ihren Werth zu prüfen, ihre Resultate zu erkennen und zu würdigen und ihre Jrrthümer nachzuweisen. In der Menge dieser Geister liegt die Bürgschaft der Unparteilichkeit. Ist die Erscheinung groß und bedeutend, so bedarf sie einer längeren Arbeit und Zeit, um ganz und vollständig geprüft und begriffen zu werden. Aber es bleibt nicht aus, damit zum Ziele zu kommen. .Dies bewährt sich täglich in den exacten Wissenschaften; aber es hat sich auch auf dem Gebiete der Philosophie bewährt, und selbst Schelling, Hegel, Schopenhauer vermochten trotz dem Dunkel und der Absonderlichkeit ihrer Ausdrucksweise nicht, einen Schleier um sich zu breiten, der der Kritik unserer Zeit Widerstand leiste. Wie will dies nun Hr. Weill beanspruchen bei Gegenständen, die jedermann bekannt und zugänglich sind, und bei der Klarheit seiner Sprache, die selbst dem ungeübten Denker nicht die geringste Schwierigkeit des Verständnisses macht. Wir halten uns für verpflichtet, ihm auch diese Illusion zu nehmen. (Schluß folgt.) Bonn, 3. August. Angekommen: Sabbnt-och Fest- Predikningar, liällua i Stockholms Synagoga af Dp. L. Lewysohn, ßabbin vid Mosaiska Församlingen i Stockholm. Stockholm, 1864. Es ist gewiß rühmlich anzuerkennen, daß Herr Dr. Lewysohn in so wenigen Jahren sich der schwedischen Sprache so mächtig zu machen verstand, daß er darin nicht allein predigt sondern auch seine Vorträge irr den Druck geben konnte. So viel wir wissen, ist die vorliegende Schrift die erste jüdische Predigtsammlung in schwedischer Sprache. Da wir dieser Sprache unkundig sind, vermögen wir über den Werth der Predigten an Inhalt und Form nicht zu urtheilen. Sie sind theils an den Festtagen theils an Sabbathen gehalten. Den Beschluß macht eine deutsche Predigt zum Schlußfeste,, die 3 Schlüssel" nach dem bekannten Midrasch in Tanit?, 1., die sehr ansprechend. — Orientalische Reisebilder von Dp. Theodor Schuchardt, 3. und 4. Heft (Schluß). Leipzig, 1864. Hiermit hat diese anziehende Reisebeschreibung, welche außer Alexandrien, Smyrna und Konstantinopel ganz besonders Kairo schildert, ihren Abschluß erhalten. Die Lectüre wird jedermann fesseln, der die orientalischen Zustände und deren Zusammentreffen mit der europäischen Cultur ihrer äußeren Erscheinung nach kennen lernen will. Ganz besonders interessant ist das ausführliche Capitel über die Pyramiden, deren Gestalt, Beschaffenheit und Lage in klarster Weise uns entgegentreten. — Auf folgende 4 uns eben zugekommene Schriften werden wir in kurzem zurückkommen und verhältnißmäßig näher eingehen: Spinoza. Sein Lebensbild und seine Philosophie. Bon I. B. Lehmans aus Nimwegen. Würzburg, 1864. — Die Israeliten zu Mekka von Davids Zeit bis ins fünfte Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Bon Dr. R. Dozy, Professor zu Leyden. Aus