Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- Seite 528 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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528 kann man ihr das Attribut der Gerechtigkeit ebenso wenig wie der Güte, der Langmuth und Nachsicht zuschreiben. Wenn man in der menschlicken Sphäre alles, was geschieht, nur als eine nothwendige Folge einer voraufgegangcnen Ursache ansieht, so ist dies ebenso, wie in der thierischen Welt der Hunger den Tiger veranlaßt, ein Thier oder einen Menschen zu zerreißen, das Schaf, die Pflanzen zu verzehren, Handlungen, die man weder gerecht noch ungerecht nennen kann, weil sie eben nichts als nothwendig, als Gesetz sind. Es versteht sich von selbst, daß hiermit auch der Begriff der göttlichen Vorsehung von Hrn. W. geleugnet wird; nach Hrn. W. thut der Mensch was er will und hat die Folgen davon zu tragen. Das gesarnmte Conglomerat aller menschlichen Handlungen ist also ohne Leitung, ohne Idee, ohne weiteren Zusammenhang als den von Ursache und Wirkung. Wre sehr dies alles mit den offenbarsten Lehren, mit den auch von Hrn. W. als authentisch angesehenen Lehren Mosis im vollsten Widerspruche steht, brauchen wir nicht erst nachzuweisen. Hr. W. ist ein Denker, aber nur kein logischer Denker. Er sagt selbst z. B., Gott habe das Volk Israel zum Träger der Lehre, zum Boten der Wahrheit erwählt, aber nicht wegen seiner Eigenschaften und Verdienste — also nur, weil er es wollte. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Wo das Gesetz? Wo die Nothwendigkeit von Ursache und Wirkung? — Aber sehen wir uns die Sache noch etwas genauer au. Was heißt das: „Gott ist das Gesetz?" Was ist das Gesetz? Ist es ein besonderes, für sich bestehendes Ding? Und wo ist dies? Doch wohl nur in dem Wesen der Dinge, also das Wesen der Dinge, also in den Dingen selbst, also die Dinge selbst. Die Dinge werden, sind und vergehen nach dem in ihnen waltenden, d. h. mit ihren Elementen verbundenen Gesetze. Man kann unmöglich das Gesetz von dem Wesen jedes Dinges trennen, weil das Wesen desselben eben in seinem Gesetze besteht und wiederum das Gesetz nicht ohne das Ding existiren kann, weil es nur an und mit demselben existirt. Ist also Gott das Gesetz, so ist er mit den Dingen selbst identisch. Bewußt oder unbewußt ist also Hr. W. Pantheist, und daß hiermit er mit der ganzen heiligen Schrift von ihren ersten bis zu ihren letzten Buchstaben im Widerspruch steht, daß diese Ansicht unbiblisch, unmosaisch und unjüdisch, daß sie nur ein monotheistisches Heidenthum ist, weiß jedermann. Das Wort, auf welches sich Herr W. vorzugsweise beruft, 5 Mos. 1, 17.: am a^rjbab üDiüött ’O „denn das Gericht ist Gottes", besagt objectiv und subjectiv etwas anderes; Herr Weill müßte denn das b von D^nbNb streichen wollen, was selbst ihm aus dem ganzen Satze heraus unmöglich sein wird. — Es ist durchaus nicht unsere Sache, die pantheistische Grundanschauung des Hrn. W. zu bekämpfen, wir achten die Deukfreiheit zu sehr, aber wenn Hr. W. versucht, Moses zum Pantheisten zu machen und daraus die Lehre und das Gesetz Mosis auszubauen, so müssen wir diesen Versuch als völlig verfehlt zurückweisen. Er kann sich dabei nicht auf Spinoza berufen. Denn die spinozistische Kritik der Bibel und das spinozistische Philosophem sind ganz voneinander getrennt. Hr. W. aber will einen kleinen wilden Sproß jenes Philosophems mit der Bibellehre und Bibelkritik vermengen und zusammenoculiren, und dies kann nur ein Pfuschwerk erzielen. Nichts leichter, als Hrn. Weill die Widersprüche nachzuweisen, in welche er dadurch fortlaufend mit sich selbst geräth. Ebenso schwankend, ebenso wenig consequent ist aber auch seine Kritik im einzelnen. Er kommt z. B. dahin, die Opfer von Moses instituirt anzusehen, lediglich, um den Priestern und Leviten Brot zu verschaffen. Aber man muß sich doch dann fragen, da, wie Hr. W. selbst sagt, die Priester nur da sind, um zu opfern, die Opfer nur um der Priester willen, wozu hat Moses eine Priesterschaft eingesetzt? Ließ er sie weg, brauchte er auch die Opfer nicht. Hr. W. hätte also die ganze Priester- und Opserinstitution seinem Moses für untergeschoben erklären sollen. Er hätte dann auch die Inkonsequenz vermieden, die Sühn- und Schuldopfer für nichts als ein an die Priester gezahltes Strafgeld zu erklären, nachdem doch der reuige Sünder bereits vorher ein solches gezahlt haben mußte. Er hätte dann auch den Jrrthum Spinozas nicht zu wiederholen gebraucht, in der von Moses begangenen Jnconsequenz, Priester eingesetzt zu haben, die Ursache des Unterganges des israelitischen Staates zu finden, da die zehn Stämme sich nur losgerissen hätten, weil sie keine Priester und Leviten hätten haben wollen. Die Geschichte widerspricht diesem vollständig; denn David und Salomon waren keine Leviten, Salomon ließ selbst fremden Götzendienst, also auch fremde Priester zu, und die Könige des Zehnstämmereichs hatten nichts Eiligeres zu thun, als selbst wieder Priester für ihren Götzendienst einzusetzen, weil die Priester und Leviten sich zu diesem Götzendienste nicht heranlassen wollten. Es ist also gerade umgekehrt. Die 10 Stämme rissen sich aus politischen und socialen Gründen los und