Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- Seite 526 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Handlung: „Moses und die Denkmäler", die wir hier besprechen und aus der wir mehreres entnehmen wollen. Allerdings ist die altägyptische Denkmälerkunde nur erst ein anbrechendes Tageslicht, aber doch schon genügend, um zu zeigen, daß Moses und die Hebräer nicht ohne reiche Erinnerung auf den Resten des ägyptischen Alterthums geblieben und daß ihr Andenken dort Spuren hinterlassen hat, welche glücklicherweise bis heute dem Zahn der Zeit getrotzt haben. Der Verfasser erinnert zunächst an den Einbruch der zahllosen Viehzucht treibenden Wanderstämme semitischen Ursprungs (gewöhnlich Hyksos genannt), welche von Osten her über die Landenge von Suez in Aegypten eindrangen, die östlich gelegenen Städte des Unterlandes, ja das ganze unterägyptische Deltaland bis Memphis eroberten, in der Stadt Tunis ihre Residenz hatten und fünfhundert Jahre lang herrschten. Da endlich ermannten sich die Pharaonen, schüttelten das Joch der Fremden ab und wurden ihre Unterdrücker. Eine neue ägyptische Dynastie regierte, mit Rawses I. beginnend, und unter der sechsundsechzigjährigen Regierung seines Enkels Ramses IL, dessen Regierungsantritt gegen 1400 fällt, erscheint der erste monumentale Hinweis auf die Berichte der heiligen Schrift. Dieser Ramses II. hatte viel gegen das damals mächtige und benachbarte Culturvolk der Hethiter in Kanaan zu kämpfen und führte im östlichen Deltalande eine Kette von Bollwerken auf, von denen in den urkundlichen Nachrichten der Denkmäler insonders zwei Burgen genannt werden, die eine nach dem Namen des Königs, die Stadt des Ramses, die andere Pachtum. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß dies die 2 Mos. 1, 11. genannten Städte sind. Es sei hierbei bemerkt, daß die ganz gewöhnliche Bezeichnung des Königs auf den ägyptischen Monumenten, nämlich im oberägyptischen Dialekt ker-äa ist, im unlerägyptischen klier-üo, wörtlich soviel als das „große Haus" oder das „hohe Haus" bedeutend, ganz analog dem bekannten Titel rnorgenländischer Fürsten: „die hohe Pforte, das hohe Haus" u. s. w. Dieser Ramses II. ist demnach der Pharao, unter welchem Moses geboren und erzogen ward. In einer der im britischen Museum aufbewahrten altägyptischen Papyrusrollen gibt der Schreiber Pinebsa auf der Rückseite Baurechnungen über Ramses, worin es wörtlich heißt: „Summa der Bauten: zwölf (ausgeführt) von den Leuten, welche, um Ziegel zu streichen, aus ihren Wohnplätzen herangezogen wurden zu den Arbeiten an der Stadt. Sie machten ihre Zahl an Ziegeln täglich, ohne auszuruhen von ihren Ziegelarbeilen, bis dieselben vollendet waren. In solcher Weise ist dem Aufträge Folge geleistet, welchen mein Herr gegeben hat." Es wirft dies vieles Licht auf den Bericht der heilg. Schrift. Daß die Leute, von denen der ägyptische Schreiber spricht, keine Aegypter sondern theils Kriegsgefangene theils Nachkommen der unterworfenen ehemaligen semitischen Herrscher des Landes waren, kann nicht zweifelhaft sein und ebensowenig, daß auch die Israeliten darunter waren. Diese wurden bekanntlich Hebräer genannt, wie auch Pharao in der Schrift sie benennt. Die neueste Forschung hat diese Bezeichnung auf den Denkmälern in der ägyptischen Färbung Apuru wieder erkannt und erscheint dieser Name gerade in Schriften auf Stein und Papyrus, in welchen von Frohnarbeiten zum Bau der Ramsesstadt die Rede ist. Unter der Aufsicht ägyptischer, als Police! fungirender Miethstruppen libyscher Herkunft, der sogenannten Mazai, wird eine Schar von Hebräern zum Brechen von Werksteinen in den Steinbrüchen als verwendet genannt. In zwei altägyptischen Papyrusrollen, welche gegenwärtig das Museum zu Leyden in Holland birgt, haben sich briefliche Mittheilungen ägyptischer Schreiber am Hofe des zweiten Ramses an ihre Vorgesetzten erhallen. In dem ersten Schreiben meldet der Schreiber Kauitsir seinem Vorgesetzten, dem Schreiber Bakenptah, Folgendes: „Möge mein Herr Befriedigung darin finden, daß ich dem Aufträge, den mir mein Herr gegeben hat, Folge geleistet habe, des Inhalts nämlich: Uebergib die Nahrung den Soldaten ebenso wie den Hebräern, welche die Steine nach der großen Stadt Ramses-Miamun, des Wahrheitsliebenden, ziehen, (und welche) dem Hauptmann der Policei-Soldateu Ameneman untergeordnet sind. Ich verabreichte ihnen die Nahrung allmonatlich gemäß der vortrefflichen Weisung, welche mir mein Herr gegeben hat." Aehnliches in einer anderen Papyrusrolle. In der Felseninschrift im Felsenthale von Hamamüt, welches die Richtung der alten südägyptischen Handelsstraße von der Stadt Koptos am Nil nach dem Hafenplatze Berenice am rochen Meere bezeichnet, wird von Steinarbeiten gesprochen, bei welcher Gelegenheit eine Uebersicht der dazu verwendeten Kräfte an Menschen (im ganzen 9000 Köpfe) angeschlosftn worden ist. In dieser Zahl wird eine Truppe von 800 Hebräern aufgeführt, welche wiederum unter der Escorte der fremden Mazai-Gensdarmerie verzeichnet stehen. Vergleichen wir dies mit der h. Schrift, so wird daselbst der Erbauer von Pithom und Ramses zugleich als der Unterdrücker der Israeliten und als ein neuer König bezeichnet, der