Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1864)
- Date
- 1864-08-09
- Page
- Seite 516 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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516 schützen und Schulzen wiederum selbst ausüben wolle. Auch die Mehrzahl der stimmberechtigten Gemeindemitglieder von Löblau ersuchte den Magistrat, auf die Beibehaltung des Schulzen Lewy zu dringen. Gleichwohl erhielt Herr N. den Auftrag, einen andern Schulzen zu ernennen. Die von demselben nacheinander ernannten vierzehn (dortige Hofbesitzer) erhielten nicht die Bestätigung des Landraths v. B., welcher vielmehr den Hofbesitzer B. bestätigte, gegen dessen Ernennung der Magistrat, Policeirath Niederstetter und die Gemeinde protestirten. — (Bekanntlich ist unter dem Ministerium des Grafen Schwerin das Schulzenamt Juden zugänglich gemacht worden. Jetzt scheint es wieder anders zu werden.) Vlotho, 20. Juli. (Privatmitth.) (Schluß.) Es erfolgten nun Anträge von einzelnen Mitgliedern für die nächste Conferenz, welche man in Lippstadt zu halten beschloß. Namentlich stellte Herr Braunschweig den sehr zweckmäßigen Antrag, Special-Conferenzen einzurichten, welche für das Leben der Schule viel Ersprießliches erzielen und auch für die General-Conferenz, zu der man dadurch besser vorbereitet komme, von wesentlichem Nutzen sein würden. Als Gegenstand der nächsten Tagesordnung wurde ein zweiter Antrag des Hrn. B. erhoben: Besprechung über die Stellung des israelit. Lehrers zu seiner Gemeinde insbesondere sowie zur menschlichen Gesellschaft überhaupt. Somit war die nächste Tagesordnung in folgender Weise bestimmt: s) Referat von Treu, wozu Herr Kaufmann einen Bericht zu erstatten hat, l>) der erwähnte Antrag des Herrn Braunschweig, worüber er selbst referiren wird, und cj die nachzuholenden Referate der Herren Steinweg und Walbaum (Schul-Plan der jüdischen Schule). — Herr Braunschweig bat, man möge, bevor die Versammlung auseinander gehe, ihm noch einmal das Wort ertheilen. Tiefgerührt waren alle Anwesenden, als derselbe sich erhob und den Manen des nunmehr in Gott ruhenden Professor vr. Haindorf Worte des Dankes und der Verehrung widmete. Unwillkürlich erhoben sich alle von ihren Sitzen, uin das Andenken des theueren Todten zu ehren. Die Zeit der Trennung rückte nunmehr heran und Herr Blumenau, der im besten parlamentarischen Tacte die Verhandlungen geleitet hatte, schloß die diesjährige Conferenz mit dem Wunsche, daß es jedem College» gelingen möge, sich Achtung und Ansehen in seiner Gemeinde zu verschaffen, was nur dadurch zu erreiche» sei, daß auch nicht der leiseste Makel aus das sittliche Leben und Wirken des Lehrers falle, sondern daß er in allem der Jugend sowohl wie den Erwachsenen als leuchtendes Muster dastehe. Wir köünen indessen unseren Bericht nicht schließen, ohne der bielefelder Israeliten ehrenvoll zu gedenken. Sämmiliche dort anwesende Lehrer wurden als Gäste in den Familien liebreich ausgenommen und auf das freundlichste bewirthet. Mitglieder des dortigen Shnagogen-VorstandeS und der Repräsentanten waren bei allen unseren Verhandlungen gegenwärtig und nahmen lebhaften Antheil an unseren Besprechungen. Man ehrte deshalb auch ihr Erscheinen durch Aufstehen von den Sitzen. Ein Mitglied des Vorstandes, Hr. Dreher, hatte es sich überdies zur Aufgabe gemacht, die ganze Gesellschaft auf eine der schönsten Höhen Westfalens, auf den Johannisberg zu führen, um sie dort durch Speise und Trank und durch eine wahrhaft reizende Aussicht zu erfrischen. Unsere College», daß sind wir überzeugt, werden mit den angenehmsten Erinnerungen von Bielefeld und mit den besten Wünschen für unsere dortige» liebevollen Glaubensgenossen geschieden sein. S. Kronenberg, Schriftführer. Aus dem Posenschen, 6. Juli. (Privatmitth.) Lissa, eine der größten und ältesten Gemeinden unseres GroßherzogthumS, hatte fast ein halbes Jahrhundert lang keinen Rabbiner. Seit etlichen Tagen aber ist dieser Posten wieder besetzt. Den Anforderungen der Gegenwart Rechnung tragend, reflecttrte man natürlich nur auf Männer, welche mit talmudischem Wissen eine umfassende moderne Bildung vereinigen und namentlich auch Meister sind des Wortes, des lebendigen- Wortes, das von geweihter Stätte herab belehrend und erbauend spricht zu allen denen, welche der Gemeinde angehören. Am 29. v. M. fand die Wahl statt und, wie vorauszusehen war, traf sie Herrn Rabbiner 0r. Baeck, welcher gegenwärtig in B ö h misch - Leipa als Seelsorger fungirt und mit dem bevorstehenden jüdischen Neujahre schon sein neues Amt antreten soll. Daß Herr l)r. Baeck fast einstimmig gewählt wurde und, neben den Aufgeklärtesten, auch die Orthodoxesten ihm ihre- Stimmen gaben, ist jedenfalls