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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-08-09 · Heft 33 (9.8.1864) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 33 (9.8.1864)
Date
1864-08-09
Page
Seite 510 (sequence 4)
Language
German
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510 und solches mit Anwendung selbst der grausamsten Mittel durchzusetzen suchte, wenigstens noch als Consequenz eines Systems hingenommen werden mochte, hat heutzutage bei ganz veränderten politischen Anschauungen jeden Sinn verloren und den gehässigen Charakter einer Maßregel der Intoleranz angenommen. . . . Das Festhalten an jenem veralteten Systeme hat aber allgemach die Schweiz in eine Lage versetzt, welche für die großen Interessen des Landes ungemein schädlich zu werden beginnt. Es ist seit längerer Zeit kein Jahr vergangen, in welchem nicht mit auswärtigen Staaten wegen der Ausschließung der Nichtchristen von unserem Gebiete unangenehme Verhandlungen stattgefunden haben, und zwar nicht etwa mit einem einzelnen Nachbarstaate, sondern successive fast mit allen. Die Schweiz steht nämlich zur Zeit in dieser Frage so zu sagen ganz allein. Nordamerika hat mit der Emancipation des bürgerlichen Rechtes von dem Glaubensbekenntniß begonnen, und seither sind Frankreich, England, Italien, Deutschland, in den letzten Jahren selbst die Türkei und Oesterreich nachgefolgt, so daß die Schweiz in der Thal die wenig beneidenswerthe Stellung eines ganz verlorenen Postens einer ganz verlorenen Sache innehat. Aber vollends unangenehm ist diese Stellung geworden, seit durch die Discussion und Verwerfung des angebahnten schweizerischholländischen Handelsvertrages durch die holländische Legislative die Aufmerksamkeit der ganzen gesitteten Welt aus diese Anomalie gezogen worden ist, so daß, wie dem Bundesrathe mehrfach deutlich zu erkennen gegeben wurde, in Zukunft kein Staat sich mit der Schweiz mehr in bedeutendere Vertrags-Verhandlungen einlassen wird, ohne das Aufhören jener Beschränkung für seine Angehörigen zu einer absoluten Vertragsbedingung zu machen. . . . Es ist wohl zu bemerken, daß ein solcher Zustand nicht blos von Schaden für die materiellen Verhältnisse des Landes ist, sondern daß er auch das moralische Ansehen der Schweiz in der übrigen civilisirten Welt beeinträchtigt. Man kann es im Auslande nicht begreifen, daß die Schweiz, dieses Land der Freiheit und der vollen Anerkennung der Menschenrechte, in diesem Punkte abgestandenen Vorurtheilen huldigend, ihre eigenen Grundsätze verletzt und preisgibt, und man ist im Falle, darüber manche bittere Bemerkung anhören zu müssen." Zerstreute Bemerkungen. Zu einigen der letzten Leitartikel dieser Zeitung sind uns mehrfache Bemerkungen zugekommen. Auf das, was wir in No. 30 über die Unterstützungen durchreisender Juden gesagt, bemerkte ein „Laie", wie er sich unterschreibt, daß, um vielfachem Unfug vorzubeugen, die Rabbinen ein Wesentliches dadurch beitragen würden, wenn sie in Ertheilung von Zeugnissen, Empfehlungen, Aufrufen zur Unterstützung vorsichtiger und enthaltsamer sein würden. Es gibt Rabbinen, deren Namen unter jedem Armuthsattest aller bettelnden Reisenden zu lesen sind, Rabbinen, von denen Empfehlungen zu Hunderten herumgetragen werden. Es kommt vor, daß Leute, die aus den entlegensten Ländern gekommen, eine Unterstützungsbitte von einem Rabbinen inmitten Deutschlands vorlegen, der sie gerade ebenso kennen konnte wie jeder, dem das Gesuch vorgezeigt wird. Hat dann so ein Bittsteller nur erst die Unterschrift eines Rabbinen, so fügen noch zehn andere ihre Bestätigungen hinzu und niemand weiß mehr, woher die Herren ihre Wissenschaft über den Werth und die Bedürftigkeit des Herumreisenden haben. Wir halten dies, sagt der „Laie", offen gesagt, für einen entehrenden Mißbrauch des Amtes und des Ansehens. Die Wohlthätigkeit ist eine allgemeine Heilsanstalt, die ebenso sehr zum Segen der Geber wie der Empfänger gereicht. Darum aber muß sie mit Gewissenhaftigkeit behandelt werden, und wer andere zur Unterstützung Unwürdiger oder Minderbedürftiger veranlaßt, hat Kas Eigenthum des einen und die Hilfeleistung für den andern geschädigt. Daß dadurch Zeugnisse und Empfehlungen allen Credit verlieren und selbst da keine Wirkung machen, wo sie gut angebracht sind, ist eine andere Folge. Vor allem muß daher hierin eine Besserung eintreten. Die Rabbinen müssen es aufgeben, Leute aus anderen Orten mit Zeugnissen zu versehen, und sich nur auf die beschränken, welche aus ihrem eigenen Orte sind oder die sie persönlich genau kennen. Hierdurch würde einer Menge von reisenden Bettlern der Zugang abgeschnitten werden. Meistens thun dies die Herren Rabbinen, um auf bequemste Weise die zudringlichen Bettler los zu werden, oft auch, um sich den Schein der Wohlthätigkeit auf sehr wohlfeile Weise zu erwerben. Es wird daher auch einiger Charakterstärke bedürfen, um sich diesen Unfug vom Halse zu schaffen. Ist er aber einmal außer Sitte gekommen, so wird er nicht wieder erstehen. — Wir kön-

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