Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 32 (2.8.1864)
- Date
- 1864-08-02
- Page
- Seite 501 (sequence 11)
- Language
- German
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501 batte über die Uniformith Act Amendment Bill heryorzuheben. Diese Bill, deren zweite Lesung durch Herrn Bouverie beantragt wurde, hat den Zweck, ein altbekanntes Gesetz aufzuheben, kraft dessen niemand auf den Universitäten von Oxford und Cambridge ein FellorHhip, daS ist ein lebenslängliches Stipendium, verbunden mit der Berechtigung, an der Verwaltung der Collegien theilzunehmen, erhalten dürfe, der seine Anhänglichkeit an die Liturgie der anglikanischen Kirche nicht schriftlich documentirte, mit anderen Worten, der nicht zur «Hochkirche schwöre. Der Antragsteller hob hervor, daß dadurch nicht allein sämmtliche Dissenters, sondern viele sonst aufrichtige Mitglieder der Hochkirche von Universitätswürden ausgeschlossen seien. Das Schlimmste dabei sei, daß gewissenlose Individuen, wenn sie skeptisch oder ungläubig sind, den gewünschten Revers ohne weiteres unterschreiben, der Zweck des alten Gesetzes somit unerfüllt bleibe. Aber ganz abgesehen von diesem, werde die Hochkirche durch derartige Mo- »opolisirungen in ihrem Ansehen eher geschwächt als gehoben und schon aus diesem Grunde sei eine Reform in der angedeuteten Weise wünschenswerth. Hr. Walpole bemerkt dagegen, von einer Monopolisirungslust sei hier nicht die Rede. Ginge der Antrag durch, dann würden Elemente kirchlicher Controverse in die Universitäten gebracht werden, welche auf den Principien der hochkirchlichen Harmonie basirt seien. Die zu Gunsten der vorliegenden Bill eingebrachten Petitionen seien nicht der wahre Meinungsausdruck der Majorität auf den Hochschulen , und was die Dissenters anbelangt, so biete ihnen die londoner Universität, welche nicht nach religiösen Glaubensbekenntnissen fragt, alle erdenkliche Gelegenheit zu Universitäts-Studien. Die Bill stelle einfach die Fortexistenz der Hochkirche in Frage und aus diesem Grunde beantrage er ihre Verwerfung. Herr Monsell erhebt Einsprache gegen das alte Gesetz, welches den Katholiken den Weg zu Universitätswürden verschließe. In demselben Sinne äußern sich noch andere Redner. Schließlich wird trotzdem Herr Bouverie'S Antrag auf zweite Lesung der Bill mit 157 gegen 101 Stimmen, unter lebhaftem Beifall der Opposition, verworfen. Türkei. Tvttscha, 7. Juli. (Privatmitth.) Tultscha ist eine Grenzstadt der Türkei, ein UebergangS-, ein Wendepunkt der europäischen Einrichtungen, Um nicht zu sagen der Civilisation. Sie kennen die jetzigen türkischen Einrichtungen seit Gründung des Tansimats durch den Hatti-scheris zu Gül-hans. Sultan Abd-el-Medschid zog damals — nach Besiegung Ibrahim Paschas durch österreichische und englische Truppen — Siebenmeilenstiefeln an, um schnell den Höhepunkt der jetzigen Civilisation zu erreichen, ließ auch bald ein Jahrhundert hinter sich, aber — der Weg war zu steil, der Lauf ein zu rascher, die Stieseln zu schwer, er blieb daher auf halbem Wege stehen. In sehr kurzer Zeit waren bedeutende Fortschritte gemacht, es wurden überall in allen großen und kleinen Städten Conseils — Medschlisse — eingesetzt, sogenannte Communal-Räthe — in welchen jede- Nation, jeder Stamm, jede Confession Sitz und Stimme hat. Allein alle diese Rathsherren — Arai-Medschlis — sind nichts als Marionetten, sie bewegen sich nach dem Willen des Paschas. Frei sollte zwar jeder seine Stimme abgeben, frei seine Ansicht entwickeln dürfen, allein es fehlt ihnen an Muth, es fehlt ihnen an Einsicht, weil es ihnen an Bildung nur zu sehr fehlt, daher jedes Rathsmitglied am Ende der Sitzung das Protokoll rc. mit seinem Namenssiegel unterfertigt. — Eigenhändige Unterschrift ist nicht gebräuchlich, weil viele Räthe, zuweilen selbst — vorzüglich in den kleineren Städten — die Conseils-Präsidenten des Schreibens unkundig sind. — Die Rajah's sind da gewöhnlich sehr kleinlaut, lautlos fast unsere Glaubensgenossen, weil ihnen alle Bildung, alle europäische Bildung wenigstens abgeht. Freimüthiger ist der Grieche in größeren Städten, wenigstens sind dessen Bewegungen, dessen Aeußerungen frei und furchtlos, weniger frei bewegt sich der Armenier und am unfreiesten der Jude. — Der Hatti-Humajum wird früher oder später ins Leben treten, damit er auch unseren Glaubensgenossen Nutzen bringe, sollte mehr Bildung unter sie getragen, mehr Selbstachtung unter ihnen geweckt, mehr Selbstvertrauen unterhalten werden. — Deswegen sagte ich, daß es gut, ja nothwendig wäre, Somit öS ins Leben zu rufen (in den größeren Judengemeinden der größeren Städte Europas) als Anhängsel der Rabbiner- und Lehrer-Seminare, worin eine Anzahl Zöglinge aus dem Oriente gründlich unterrichtet und erzogen würden, um einst in der Heimath segensreich zu 32**