Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 32 (2.8.1864)
- Date
- 1864-08-02
- Page
- Seite 502 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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50® wirken.*) — Alle Welt, Katholiken unt Protestanten, haben ihre Missions- und Propaganden-Anstalten, warum sollten wir nicht auch die unserigen haben, vm so mehr, da wir sie nur nach innen verwenden wollen? In der ganzen Türkei — von den Missionen in Indien, China rc. will ich nicht reden — haben Katholiken und Protestanten Schulen; nicht unbekannt ist Ihnen, was die Mechitaristen in Wien und Venedig rc. leisten, wie sie alle möglichen wissenschaftlichen und belletristischen Werke übersetzen, illustrirte und nichtillustrirte Zeitschriften unter den Armeniern verbreiten; nur wir Juden haben nichts dergleichen. — Darauf kommt es also an, daß ein Institut zur Verbreitung der jüdischen Literatur, namentlich der Bibel, unter den orientalischen Juden gegründet werde. Es setze sich zur Aufgabe, Bü-: cher in slawischer, hebräischer, türkischer, persischer und! arabischer Sprache übersetzen oder neu verfassen zu lasj sen, damit Bildung unter unseren Glaubensgenossen im Oriente verbreitet werde. Wissenschaft ist Wacht,j heißt es und mit Recht; Selbstachtung, Selbstvertrauen würden unsere Glaubensgenossen gewinnen, Achtungj sich dann erzwingen und auch Macht erlangen.! vr. Rares, kaiserl. ottom. Contumaz-Arzt. Donaufürsteuthü m e r. Bukarest, im Juni. Um eine Vorstellung von der Gesinnung des leitenden Ministers gegen die Juden zu geben, führen wir folgende Stelle aus einer Correspondenz der „Presse" an: „Wie ich dem genannten Paradebericht entnehme, befindet sich in dem Gefolge des Fürsten auch der hiesige jüdische Banquier Halsen officiell angeführt. Man muß sich billig verwundern, daß Herr Cogolnitscheano dies zugelassen, da dessen Judenhaß bekanntlich keine Grenzen kennt. War er es doch, der in der Kammer, als diese die Errichtung einer Nationalgarde votirte, erklärt hat, daß er das Votum nicht acceptiren könne, weil die Bevölkerung in den Städten der Mehrzahl nach aus Juden bestehe. In gleicher Weise, und natürlich immer unter den gehässigsten und gemeinsten; *) Unsere Leser wissen, daß dies stets unsere Ansicht s war, wenn man aufrichtig unseren orientalischen Glaui bensgencfsen helfen wolle, daß aber die Verwirklichung ■ keine Aussicht hat. Die' Redaction. 1 Ausfällen auf die Juden, hat unser „liberaler" Premier alle seine Rhetorik geltend gemacht, um gelegentlich der Berathung des Gemeindegesetzes eine gleiche Betheiluug der Juden mit den Communalrechten hintanzuhalten. Natürlich mußte ihm in einem so wenig aufgeklärten Lande der Sieg leicht werde», und nur den Bemühungen der liberalen Minorität ist es zu verdanken, wenn trotzdem die Juden nicht gänzlich rechtlos gemacht und wenigstens diejenigen derselben gleichberechtigt mit de« Christen in der Gemeinde erklärt wurden, welche irgend einen akademischen Grad besitzen, Unteroffioiere in der Armee waren, irgend eine der heimischen Schulen absolvirt haben oder ein industrielles Etablissement mit mindestens 40 Arbeitern beschäftigen.— Rußland. Aus Litthauen. Die von WielopolSki im Könkgr. Polen eingeführte, auf die Polonistrung dir Deutschen und Juden berechnete Schul-Reorganisation soll aufgehoben und durch eine neue, mit deren Ausarbeitung der Staatsrach Miliatin beauftragt ist, ersetzt werden. Für die neue Schul-Reorganisation ist als Grundsatz adoptirt, daß iu allen Schulen die russische Sprache als obligatorischer Unterrichtsgegenstand eingeführt und den Deutschen und Juden gestattet wird, eigene Schulen mit deutscher Unterrichtssprache zu gründen. Die Muttersprache der Juden in Polen ist nämlich durchweg die deutsche, die bei dem ungebildeten Haufen freilich sehr corrumpirt Und mit hebräischen und polnischen Ausdrücken stark versetzt ist. Die gebildeten Jaden sprechen in der Regel ein ziemlich reines Deutsch, sind aber auch, wie die ungebildeten, der polnischen Sprache mächtig. — Anzeige«. Das Amt des Cantors und Schächters in hiesiger Synagoge»-Gemeinde, ■ mit welchem ein baareS Gehalt von 150 Thlr. und circa 350 Thlr. Nebmemkünfte verbunden sind, ist vacant und soll schleunigst besetzt werden. Qualificirte Bewerber, welche auch pi' sind, werden ersucht, ihre Meldungen unter Beifügung'der Zeugnisse bei dem Unterzeichneten Borstande einzureichen. — Es werden vorzugsweise solche Bewerber berücksichtigt werden, welche musikalisch gebildet und im Staude sind, den Gottesdienst unter Mitwirkung eines von ihuen anszubildenden Chors zu leite«. — T Dt.-Crvne in Westpreußen, den 17. Juli 4864. Der Vorstand der Synagogen- Gemeinde.