Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-08-02 · Heft 32 (2.8.1864) · p. Seite 494

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 32 (2.8.1864)
Date
1864-08-02
Page
Seite 494 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226451--22331-3259597
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

494 nw bekämpft. DaS Auffallende bei der Controverfe zwischen den Schamaiten und Hilleliten in Betreff des Ehescheidungsgrundes, wo, ganz gegen die Charakteristik derselben, die sanften, milden Hilleliten es dem Manne gestatten, seine Frau um jeder Kleinigkeit willen zu verabschieden, während die starren, strengen Schamaiten dies nur bei einer gewichtigen Keuschheitssünde gestatten, wird damit erklärt, weil die Schamaiten der Polygamie nicht entgegen waren; bei irgend welchem häuslichen Streite könne daher der Mann, ohne seine Frau zu verabschieden, sein häusliches Glück mit einer zweiten Frau neu gründen; dagegen hatten die Hilleliten die Polygamie verpönt, und es daher dem Manne, so nur sein häusliches Glück gestört, die Frau seine Liebe und Zuneigung verloren hatte, gestaltet werden mußte, seine Frau zu verabschieden. Dieser guten Erklärung fehlt es nur an'der Hauptsache, die Divergenz dieser Schulen beider Polygamie zu beweisen, wozu die zwei vom Vers, allegirten Belege in keiner Hinsicht genügen. — Höchst interessant sind die Beziehungen, die der Berf. in dem Art. Alexandria gefunden hat zwischen der Mißliebigkeit der Septuaginta bei ihrer Entstehung im Volke und den Anfeindungen, denen die mendelSsohn'sche Pentateuchübersetzung im vorigen Jahrhundert ausgesetzt war. — lieber die Identität von OnkeloS mit Aquila scheint der Berf. zu schwanken, doch siegle zuletzt die alte gläubige Richtung und die uns vorliegenden Targumim bleiben die echten wirklichen Geisteskinder von Onkelos und Jonathan ben Usiel. Die Talmudisten hatten jedoch — was ganz richtig ist — von allen Uebersetzungen die des Onkelos vorgezogen, weil er genau die traditionelle Lehre wiedergibt. Sie hätten daher auch jedem der Uebersetzer selbst in griech. Sprache, der ihrer Erklärungsweise zustimmte, den Namen Aqnila ----- aequalis gegeben, wie Onkelos ----- unoculus, einäugig heiße, beide Namen deuten auf den einheitlichen Glauben hin (S. 227, 231); von Onkelos gab es aber nur unsere aramäische und keine griechische Übersetzung. Unter mehreren Belegstellen, welche beweisen sollen, wie unbeliebt selbst die Targumim von Jonathan und R. Joseph waren, wird auch angegeben, daß einige Talmudisten ihren Hausteufeln deren Namen gegeben hätten, wie kyhö s\üv fiep© (Erubin 43; Jebam. 122). — Die vom Talmud hervorgehobenen Abänderungen der Siebzig werden vom Vers, auf die bekannten Weisen erklärt, nur von der Divergenz ■»öiükt statt ^*5 gibt er im Schlagwort Ozal eine noch von keinem entdeckte Ursache an. Die Siebziger wollten nämlich damit der verwerflichen Ansicht, als hatte daS Judenthum auch einen Ganymedes, der den Göttern Ambrosia und Nektar reiche, durch die Abänderung von beseitigen und schrieben dafür ■»öiukt hadias «--- die Heiligen. — Eine höchst geistreiche Erklärung gibt der V. (S. 329) zu einer Talmudstelle in Nedarim, wobei er aber die Sünde begeht, die Herkunft von R. Ada ben Ahabah zu verdächtigen, weil er irrigerweise glaubt, Ahabah sei ein Frauenname (s. Juchsin 8. v.) und der Talmud daher Ursache gehabt hätte, den Namen des Vaters zu verschweigen. Der Artikel über die sogenannten sinaitischen Halachoth ist von nicht zu verkennender Wichtigkeit. Bezugnehmend aus die vielen Streitschriften über dieses Thema, die ihm alle nicht ausreichend sind, stellt er zehn concise Fragen auf, die beantwortet werden müßten, wenn das sinaitische Princip auf Geltung Anspruch machen sollte. Da nun die Beantwortung derselben keinen denkenden, unbefangenen Leser befriedigen kann, so bleiben die zehn Fragen in Kraft und Geltung wie die zehn Worte am Sinai. Eine Stelle aus diesem Art. müssen wir aber fast wörtlich wiedergeben, weil sie eine kräftige Handhabe den progressiven Bestrebungen verschafft: „Das Wasserausgießen am Hüttenfest wird als sinaitische Halachah angegeben, damit soll aber nur gesagt werden, daß Wasser das erste Object war, dessen sich die Urvölker zum Opfer bedienten, sowie sich die religiöse Idee Eingang verschaffte, um damit anzudeuten, daß eine Urkraft die ganze Schöpfung hervorgerufen hätte, als Waffer noch das ganze All erfüllte, daher auch die Inder und Aegypter beim Beginn des Winters Wasser als Opfer dargebracht haben. So heißt es auch (1 Sam. 7, 6.): Das Volk schöpfte Waffer und goß es aus vor Gott; David goß auch das ihm unter Lebensgefahr herbeigebrachte Wasser vor Gott aus; dasselbe wird auch von Alexander d. G. berichtet. Die Sadducäer verwarfen daher am Feste die Ausgießung wie auch das Händewaschen vor der Mahlzeit als heidnischen Gebrauch. Das Reinigungsbad der Niddah war auch schon vor der Gesetzgebung im Brauche. Maimonides nennt daher auch (Makk. 1,1.) die desfallsigen Gesetze traditionell. Der allgemeine Grundsatz ist, die guten Gebräuche aller Völker verdienen Nachahmung, denn die Thora ist der Menschheit zum Heil und Israel zur Heiligung gegeben. So spricht die gelehrte Orthodoxie. — Der geistreiche Vers, der Schrift „Sadducäer und Pharisäer" hat die Genugthuung, daß seine Ideen sich allmählich Bahn brechen und die bestverrie-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.