Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1864)
- Date
- 1864-07-26
- Page
- Seite 483 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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483 auszusehenden Erfolglosigkeit eines solchen Schrittes, nicht noch den Vorwurf des Servilismus, dessen sich die Gemeinden nicht schuldig machen wollten, auf sich laden mochten. Bei den Wahlen hätten die Juden jedoch mit geringer Ausnahme stets für liberale Candidaten gestimmt und die Zurückforderung ihres Rechts hätten sie auf eine bessere Zeit verschoben, in welcher Recht wieder Recht werden müßte und die nunmehr, kaum eingetreten, auch wirklich zu Petitionen von ihnen benutzt worden sei. — Gestern wurde nun in der zweiten Kammer über diese Petitionen verhandelt und dem Ausschußantrage gemäß beschlossen, sie der königl. Regierung zur Berücksichtigung zu übersenden. Erfreulich war es, daß in der bei der Verhandlung ftattgehabten Debatte kaum noch mit den verrosteten, der Rüstkammer deS christlich germanischen Staates entnommenen Waffen gekämpft wurde, und selbst die Gegner jenes Beschlusses waren mit dem Ausschüsse der Kammer darin einverstanden, daß die Angelegenheit im Sinne der Petenten zu erledigen sei und daß Recht und Humanität wie die Forderung der Zeit es gebieten, den Juden das passive Wahlrecht wiederum zu ertheilen; nur meinten sie, daß der Beschluß der Kammer in einer Weise gefaßt werden müßte, die auch den anderen Classen, welche durch die Octroyirung von 1855 in ihren Wahlrechten benachtheiligt worden sind, zugute käme, indem damals ja auch die Mennoniten ihres Glaubens und viele Christen ihres Vermögens halber nicht minder um ihre politischen Rechte gebracht worden seien. Selbst der Justizminifter Windthorst, ein Katholik, stimmte dem Ausschußantrage bei, wollte aber als Mitglied der Regierung durch sein Votum keineswegs gebunden sein. Somit dürfen wir die Hoffnung hegen, binnen kurzer Zeit auch noch das Recht zur Wählbarkeit in die Kammer zu erlangen, um dann den Christen in politischer Hinsicht völlig gleichgestellt zu sein. Harburg, 16. Juni. (Privatmitth.) sBerspätet.s Schon in den 40ger Jahren hielten wir Lehrer des Fürstenthums Lüneburg einige Conferenzen ab, in welchen neben Methode über Unterricht auch über die äußeren Verhältnisse der Lehrer verhandelt wurde, so u. a. Gegenständen über Gründung einer Lehrer-Witwen- Kasse. Die politischen Ereignisse des Jahres 1848 u. der folgenden Jahre verschuldeten das Einschlafen jener Conferenzen. Endlich, nach mehrfachen Versuchen, sie wieder zu erwecken, wurde eine allgemeine Versammlung nach Sarstedt auf den 13. und 14. Juni berufen und für diese Herr Dr. S. Kayserling aus Hannover zum Präsidenten gewählt. Derselbe eröffnete denn auch die Versammlung, zu welcher sich 25 Lehrer, einige aus weiter Entfernung, eingefunden, am 13. morgens 9 Uhr mit einer Ansprache und einem Gebete. Darauf legte er einen Entwurf von Statuten zu einem Lehrer-Unterstützungs-Verein vor, dessen Debattirung beide Tage in Anspruch nahm. Da unsere Schulordnung kleine Gemeinden von der definitiven Anstellung ihrer Lehrer befreit, so wurde auf Antrag eine Commission von 3 Mitgliedern gewählt, welche bei der zuständigen Behörde die Aufhebung jener Vorschrift (§. 56. Alinea 2) erbitten soll. Nachdem noch einige unwesentliche Punkte erledigt worden, bezeigte die Versammlung durch Aufstehen von den Plätzen der Gemeinde Sarstedt ihren Dank für die freundliche und herzliche Aufnahme. In gleicher Weise wurde ein Dank dem Vorsitzenden für unparteiische Leitung der Verhandlungen. Wenn ich nun zum Schluffe es noch aussprechen soll, daß die Conferenz wohl hätte zahlreicher besucht werden können, besonders von solchen Lehrern, die in unmittelbarer Nähe des Versammlungsortes oder nicht zu entfernt davon wohnen, so will ich heute darüber jede Bemerkung unterdrücken. Aber freundlich auffordern möchte ich hierdurch alle Collegen im Lande Hannover, wollen dieselben nicht den Vorwurf des Jndifferentismus gegen die heiligsten Interessen ihres Standes auf sich laden, nicht allein Mitglieder der unter Gottes Beistand gegründeten Kasse für Lehrer- Witwen und -Waisen und für solche Angestellte, die ohne ihre Schuld untauglich für ihren Stand geworden, zu werden, sondern auch die zweite allgemeine Lehrer-Conferenz, welche Hp's am ersten Montage des Monats Juli k. I. in Wunstorf stattfinden wird, zu besuchen. F. Preußen. Berlin, 13. Juli. (Privatmitth.) In dem großen Polenproceß, der jetzt die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist ein kleiner Zwischenfall vorgekommen, der bemerkenswerth ist. Einer der Angeklagten, ein Herr von Kalkstein, beantragte bei dem Gerichtshöfe, daß ein Crucifip im Gerichtssaale aufgestellt werde. 31