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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-26 · Heft 31 (26.7.1864) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 31 (26.7.1864)
Date
1864-07-26
Page
Seite 482 (sequence 8)
Language
German
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482 zur Sprache. Bei Gelegenheit der Budget-Berathung und der, wie seit längeren Jahren, von der Regierung für Ausbildung isracl. Religionslehrer gestellten Anforderung von fl. 500 — ergriff der auch in weiteren Kreisen bekannte Abgeordnete für die Stadt Wiesbaden, Obergerichtsprocurator Dr. Sang, zu Gunsten unserer Sache das Wort und beantragte die Einrichtung, daß die israel. Lehrer an einem der bestehenden Seminarien ihre Ausbildung erhielten, und bemerkt, daß die Bildung der israel. Religionslehrer vielfach sehr mangelhaft und es damit begründet sei, daß sie auch äußerlich nicht die Stellung einnehmen könnten, die ein Lehrer einnehmen solle. Es würde ein weiterer gedeihlicher Schritt zur vollständigen Ausführung der Juden- Emancipation sein, wenn durch die beantragte Gleichstellung für besseren Religionsunterricht und eine bessere Stellung der Lehrer gesorgt würde. Durch einen gediegeneren Unterricht würden auch die Israeliten da, wo es noch nicht ganz der Fall ist, immermehr sich der Rechte, aber auch der Pflichten bewußt werden, die ihnen aus der völlständigen Gleichstellung erwachsen seien. — Die Herzog!. Regierungs-Commission erklärte hierauf unter anderem, daß sich der Gegenstand in ihrer Erwägung befände, und wurde der Antrag nach kurzer Discussion, woran sich nur zwei kathol. Geistliche betheiligten, mit großer Majorität genehmigt. W. H. Hannover, 8. Juli. <Prioatmitth.) Seitdem unser gegenwärtiges liberales Ministerium die Leitung der Staatsgeschäfte übernommen hat, haben die Israeliten des Königreichs es sich angelegen sein lassen, die erste günstige Gelegenheit zu benutzen, um das ihnen unter dem Ministerium Bornes durch die Octrohirung vom 1. August 1855 entzogene passive Wahlrecht wieder zu erlangen, und so haben denn auch bereits mehrere isr. Gemeinden bei den gegenwärtig versammelten Ständen um die Wiedererlangung des erwähnten Rechtes petitionirt. Den ersten Schritt in dieser Angelegenheit that die hiesige Gemeinde, deren Vorstand in einer ausführlichen, von dem Obergerichtsanwalt Simon Hierselbst verfaßten Petition nachwies, wie ungerechtfertigt die Entziehung jenes Rechtes war und wie begründet die Ansprüche der israel. Unterthanen des Königreiches auf Wiedererlangung desselben seien. Gleich unserem Gemeindevorstande petitionirten alsdann die Vorsteher der Synagogengemeinden Hildesheim, Emden, Lüneburg, Harburg und Sarstedt. Hiermit bewiesen demnach die hannoverschen Juden deutlich genug, daß sie gegen ihre politischen Rechte keineswegs indifferent seien und daß auch die vieljährige Dauer des jeder freieren Regung mit Entschiedenheit entgegentretenden Ministeriums Borries nicht im Stande war, den Sinn für öffentliches Recht in ihrer Mitte zu ertödten. Die liberale und wegen ihrer Gesinnungstüchtigkeit mit Recht geschätzte Zeitung für Norddeutschland versuchte dies zwar vor kurzem in Abrede zu stellen, indem sie den Juden bei Gelegenheit eines Referats über die bei den Ständen eingegangenen Petitionen den Vorwurf politischer Gleichgiltigkeit machte, weil sie, obwohl sie wußten, daß, was sie an bürgerlichen und politischen Rechten im Laufe der Zeit errungen, sie ausschließlich den Liberalen zu verdanken hätten, während die „conservativen" Elemente des christlich germanischen Staats ihrer Befreiung stets widerstrebten, an dem Widerstande gegen die Octroyirung von 1855 zu wenig Antheil nahmen und den Verfassungstreuen durchaus keine hervorragende Unterstützung gewährten. Haben somit, meinte das genannte Blatt weiter, die Juden, einzelne ehrenwerthe Ausnahmen abgerechnet, den Liberalismus, zu dem alle geistigen und sittlichen Interessen sie ziehen, auf unlöbliche Weise im Stich gelassen, so werden sie es durchaus nicht der politischen Sympathie für sie, sondern lediglich dem Gerechtigkeitssinne der Liberalen zuzuschreiben haben, wenn diese ihrer gegenwärtigen Wünsche sich annehmen. Allein dieser Artikel rief vielfache Entgegnungen hervor, unter denen eine aus Lüneburg zwar einräumt, daß es unter den Juden wie unter allen Schichten der Gesellschaft allerdings gar manche gebe, die sich weder um Politik noch um sonstige öffentliche Angelegenheiten kümmern; allein diese Indolenten machen wahrlich nicht die Mehrzahl der Juden aus, deren größter Theil vielmehr, eben weil er weiß, welche Elemente im Staate sich gern von der Ungerechtigkeit und Engherzigkeit früherer Jahrhunderte lossagen, stets auf seiten der Liberalen stand. Auf den Bänken der Opposition in der Kammer aber gegen die Verordnung vom 1. August 1855 mitzukämpfen war den Juden, denen der Eintritt in dieselbe verschlossen war, ja nicht möglich, und sich von dem Grafen v. Borries nebst seiner treuen Phalanx in der früheren zweiten Kammer das ihnen anscheinend aus reiner Willkür genommene passive Wahlrecht wieder zurückzuerbetteln, konnten sie sich nicht entschließen, weil sie, abgesehen von der vor-

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