Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1864)
- Date
- 1864-07-26
- Page
- Seite 481 (sequence 7)
- Language
- German
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481 in der Apostelgeschichte und die drei Ermahnungen find: Seid einig, anerkennet das Messiasthum von Jesus und nehmet zu Pfingsten (weißer Sonntag) neue Genossen auf. Die noch immer einer richtigen Erklärung ermangelnde Stelle im Midrasch (B. R. 40), wo gesagt wird, das Wort Lkes, dessen sich Deborah bediente, sei ein griechisches Wort, wird auf folgende sinnige Weise erklärt: Die Hauptstadt Joniens bekam nach Heraklid den Namen Ephesus (Erlaubniß), weil Herkules den Amazonen dort zu wohnen erlaubt hatte. Die dort in dem Tempel der Diana dienenden verschnittenen Priester hießen Essenae (Bienenkönige). Als Symbol der Reinheit und Ehelosigkeit verehrten sie daher auch die Biene, die jeden Menschen fliehen soll, der nicht fleischlichem Umgang entsagte. Darauf hin habe nun Deborah mit dem Worte Efes= Ephesus hingedeutet, daß auch sie wie eine Amazone in den Kampf ziehe, dabei aber auch auf ihren Namen Debora -Biene -spis angespielt. Bon diesen verschnittenen Priestern leitet auch der Verf. in einem andern Artikel den Sectennamen derEssäer ab, weil auch sie sich der Frauen enthielten. Die Boethusen sind einmal bei dem Verf. Stoiker und Epikuräer und der Name stamme vom Lat. beatus ab, ein andermal Christen, weil Boetas die Gehilfen verheiße, wie nach Mat. 1, 21. auch dem Namen Jesus (der Helfende) diese Bedeutung gegeben wird. Den Namen des Königs Janai findet er übereinstimmend mit dem zweiköpfigen Janus und er wurde so genannt, weil er sich bald den Sadducäern bald den Pharisäern zuneigte. Noch eine gediegene Erklärung eines Namens müssen wir um so mehr hervorheben, weil sie in einer Note versteckt ist. Der Name der Söhne Bethera im Talmud wird von Grätz von dem Ortsnamen Batyra abgeleitet. Dem sei aber nicht so, sagt der Vers., es ist vielmehr das aramäische irp^rn „nach ihm." Im Talmud wird nämlich erzählt, wie einst das Volk am Versöhnungstag den Hohenpriester bei seinem Austritt aus dem Tempel allein gehen ließ, dagegen Schmaja und Abtaljon nach Hause begleitete (rmna ibrat). Wahrscheinlich, folgert nun der Verf. sehr logisch, geschah dieses auf die Aufforderung irgend eines Parteiführers, den man deshalb den Namen Bathre gab, daher auch seine Kinder Lne Bethera genannnt wurden. Auf dieselbe scharfsinnige Weise werden zuweilen die Namen der Münzen erklärt, worüber nur ein Beispiel. Wenn das Laubdach einer Laubhütte, sagt der Talmud, halb Licht halb Schatten hat, so ist solches nur dann gesetzlich brauchbar, wenn diese Halbirung von oben und nicht von unten gemessen, wie auch das Sprichwort sagt: Was von oben wie ein Sus, ist von unten wie eine 8tera snb» anTiDöO h'yh’D d. h. ein dunkler Körper scheint selbst in einer kleinen Entfernung größer und ein Heller kleiner, als er in Wirklichkeit ist. Die Richtigkeit dieses Satzes wird in der Optik durch folgenden Versuch bewiesen. Wenn man zwei verschiedene Streifen von gleicher Breite auf eine Tafel anheftet, so scheint in einer mäßigen Entfernung der dunkle Streif breiter als der Helle zu sein.*) Ob nun ein Sus größer oder kleiner als ein Stater sei, so ist doch das Sprichwort richtig, und sus bezieht sich im ersten Fall auf die Licht- und im andern Fall auf die Schattenbreite. Dem Verf. ist wiederum dies zu einfach und er gibt dem Sprichwort zwei tiefere Bedeutungen: die Münze heiße nicht sus, behauptet er, weil das Bild von Leus darauf ausgeprägt sei, wie gewöhnlich angenommen werde, sondern von dem darauf geprägten Bilde des Schweines (sus); sus heiße auch im Lateinischen hoch, im Aramäischen weichen, gehen, daher auch dieses Wort für eine Münze sich besonders eigne, deren Werth steige und falle. 8tater heiße daher auch eine Münze, deren Werth feststehe. Das Sprichwort heiße daher; Ein Sus steigt, eine Stera bleibt unten. Ferner sei es wahrscheinlich, daß auf dem Stater das Bild des Mondes geprägt war, weil Hellmond heiße, was nach dem Midrasch mit dem Namen von Ester zusammenhänge. 8us habe nun darin eine Beziehung zur Stater, weil die Aegypter zur Zeit des Vollmondes (usteria) ein Schwein (sus) geopfert haben. Der Sinn des Sprichwortes sei daher: Wie der Mond oben zuuimmt, so nimmt er auch wieder ab. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Diez (Nassau), 10. Juli. (Privatmitth.) Inder Sitzung der nassauischen Ständeversammluug vom 2. d. M. kam auch die nassauische Religionslehrer-Frage *) Es thut uns leid, dem gesch. Recensenten hierin widersprechen zu müssen. Die Optik lehrt das Gegentheil: der dunkle Körper auf lichtem Grunde erscheint kleiner, der Helle auf dunklem Grunde größer, als er-ist. — S. Pouillet-Müller, Lehrb. der Physik, Bd. 2, §. 398. Die Redaction.