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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-07-26 · Heft 31 (26.7.1864) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 31 (26.7.1864)
Date
1864-07-26
Page
Seite 478 (sequence 4)
Language
German
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478 len eigenen Wirken begnügen, sondern er bemüht sich, die Schwestergemeinden und Glaubensgenossen im Lande zur vereinten Thätigkeit in ähnlicher Weise aufzumuntern und anzueifern. Es ist uns schon vor Monaten Einsicht gestaltet worden in ein Schriftstück, welches dieser Verein vorbereitet hat und das nur die Genehmigung der Behörde erwartet, um an die Provinzgemeinden versandt zu werden. Dasselbe mahnt die Israeliten an den „Ruf des Vaterlandes, in welchem noch weite Strecken Tausender von Arbeitskräften harren, damit die Schätze, die im gesegneten Boden noch verborgen schlummern, zutage gefördert werden", an die vielen Anzeichen der Zeit, die es selbst im materiellen Interesse erheischen, „daß die Kinder und Nachkommen aus dem engen Kreise, den frühere Jahrhunderte vorgezeichnet und innerhalb dessen von Tag zu Tag der Kampf schwieriger, die Gefahr drohender und der Lohn geringer wird, heraustreten und andere stillere, ruhigere und sicherere Bahnen der Erwerbsthätigkeit Anschlägen", und daß sie daher nicht genug dahin streben können, „jene Erwerbsarten — nicht etwa erst einzuführen, sondern — vollends heimisch zu machen, deren goldener Boden sprichwörtlich geworden, welche eine stetige, geregelte, ausdauernde Thätigkeit bedingen und auch nicht einmal den Anschein des blos geschästigten Müßigganges zulassen, jene Erwerbsarten, die — weil minder den augenblicklichen Zufälligkeiten ausgesetzt und nicht auf rasches Gelingen momentaner Wagnisse berechnet — auch weniger Versuchungen und Verlockungen zum Abirren vom Wege des Rechten im Gefolge haben: die Beschäftigung nämlich mit der Mutter Erde und die Verarbeitung der Stoffe, welche die Naturreiche uns liefern — das Handwerk und den Feldbau." — Der israelitische Verein hat bei diesen Ermahnungen keineswegs die Emancipatiou im Auge, sondern, wie er sagt, „die Ehre des jüdischen Namens", „die Befreiung aus dem Ausnahmszustande gleichsam, in welchen das verrottete Vorurtheil den Juden versetzt hat", den Wunsch, „selbst dem ungerechten Tadel den Vorwand zu benehmen." Nicht also dem Gedanken, daß die Israeliten durch möglichst zahlreiche und eifrige Betheiligung am landwirthschaftlichen Erwerbe zur Hebung der Bodenindustrie und somit zum Gedeihen des Vaterlandes auch auf diesem Gebiete beitragen mögen, gjlt unser Protest. Aber die „Ungar. Nachrichten" bringen ihre 7 Thesen mit der Emancipation in eine gar unheimliche Verbindung, sie sprechen sehr erbaulich davon, daß „dem bodenbebauenden Israeliten die Gesetzgebung hinfür kein bürgerliches Recht mehr versagen könne"; dies ist es, was uns als Versündigung an den ewig giltigen unerschütterlichen Rechtsprincipien erscheint, auf welchen das Verlangen des Israeliten nach vollständiger bürgerlicher Gleichstellung basirt. Der Leader der „Ungar. Nachrichten" erklärt eingangs „die bürgerliche Gleichstellung des Israeliten für eine moralische, unbestreitbare Nothwendigkeit"; er will aber auch „kein blinder Emancipationsfanatiker sein, kein Verfechter der Emancipation um jeden Preis, die alle Schranken und Hindernisse vor sich niederwerfend, einem ungezügelten Rosse gleich, in blinder toller Hast vorwärts stürmt und in diesem wilden Jagen auf einmal zu erhaschen sucht, was ihr ohnehin nicht mehr entgehen kann." Wenn diese Worte mehr als eine Stilübung sein sollen, so können wir aus dem ganzen schreckenerregenden hippologischen Passus nichts als die bekannte Phraseologie der Emancipationsgegner pur sang herauslesen. „Emancipationsfanatiker"! Mein Gott, wo und wann hat es dergleichen gegeben? und was heißt die Verwahrung gegen die „Emancipation um jeden Preis", die so grausige Dinge anrichten soll? Merkwürdig, welches arge Spiel überhaupt offene und verkappte Gegner der Judenemancipation mit diesem letzteren Worte von jeher getrieben haben. Sowie bas Wort genannt wird, thun sie, als sollte nun auf einmal aller Grundbesitz in jüdische Hände gelangen, alle Raths- und Gesetzeshallen von Juden gefüllt, jeder Lehrstuhl mit Juden besetzt und alle Macht durch Juden geübt werden; und natürlich müssen daun alle sichtbaren und unsichtbaren Eigenschaften der Israeliten dem chemischen Proceffe unterzogen und muß geprüft werden, ob ein so tief ins bürgerliche Leben einschneidender Act nicht zum Nachtheile des Landes aussiele. Wollte man doch nur die Sache mit etwas weniger, einem „uugezügelten Rosse gleich" dahinfliegender Phantasie betrachten! Mit dem Verlangen nach Emancipation beansprucht der Jsraelite nicht mehr und nicht weniger als: das von seinen Mitbürgern schon mehr oder minder lang besessene Recht, alle seine materiellen und geistigen Mittel auf jedem erlaubten Geliete verwenden zu dürfen. Es soll das weder ein Lohn für besondere dem Juden eigene Vorzüge noch ein Darlehn oder eine Angabe für später zu entfaltende ausnahmsweise höhere Tugenden fein, sondern die billige und gerechte Anerkennung des Grundsatzes: Gleiche Last, gleiches Recht. Was sie in ihrem Gefolge bringen würde, die Emancipation? Was

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